Joe und Jill Biden ziehen ins Weiße Haus

Am 20. Jänner, pünktlich um 12 Uhr, legt Joseph Robinette Biden jr. (78) den Amtseid als 47. Präsident der USA ab. Einen ersten Superlativ hat diese Präsidentschaft schon – mit Biden regiert der bei Amtsantritt älteste US-Präsident der Geschichte. Geschuldet ist das der Verfassung, die lediglich ein Mindestalter von 35 Jahren, nicht aber eine Altersgrenze für das höchste Amt im Staat festschreibt, ein Umstand, der in den USA demokratiepolitisch umstritten ist. Denn verstirbt der Präsident oder ist er nicht mehr amtsfähig, rückt automatisch sein Vize nach, also jemand, der gar nicht gewählt wurde.  

Middle Class Joe

Biden ist der älteste US-Präsident, aber bei weitem nicht der reichste (das war Amtsvorgänger Donald Trump). Lang haftete dem Berufspolitiker der Spitzname „Middle Class Joe“ an und erst in jüngerer Zeit konnte das Ehepaar dank Bidens achtjährigen Vizepräsidentschaft, zweier Buchveröffentlichungen und zahlreicher Vorträge ein Nettovermögen anhäufen, das laut Schätzungen des Magazins „Forbes“ bei  etwa neun Millionen Dollar liegt.

400.000 $ brutto

Das ist für US-Verhältnisse mittelprächtig und würde einem durchschnittlichen Wall Street-Broker nur ein müdes Grinsen entlocken. Biden wird also auf das Präsidentengehalt kaum verzichten können. Es beläuft sich auf brutto 400.000 US-Dollar jährlich und wird mit 35 Prozent versteuert. Dazu kommen noch eine Reisekostenpauschale von 91.000 $, eine Repräsentationspauschale von 19.000 $ und eine steuerfreie Aufwandsentschädigung von 50.000 $.  

Weisses Haus

Die Küche schickt eine Rechnung

Das Leben im Weißen Haus ist für den Präsidenten nämlich nicht ganz kostenlos. Zwar stehen für den Hausherrn und seine Familie fünf angestellte Spitzenköche zur Verfügung, aber die stellen Ende des Monats eine Rechnung. Auch alle anderen Dienstleistungen und Dinge des persönlichen Bedarfs von der Anzugreinigung über die Kleider der First Lady bis hin zur Zahnpasta muss der Präsident selbst bezahlen. A propos First Lady: sie hat zwar jede Menge Verpflichtungen, bekommt aber kein Salär. Weil es immer wieder Präsidentenfrauen gab, die mit dem Haushaltsgeld nicht auskamen, genießt die First Family und die des Vizepräsidenten ein einzigartiges Privileg: sie darf, was den Bundesbeamten strikt untersagt ist, auch Geschenke annehmen, sofern keine Gegenleistung dafür verlangt wird.

Der Arzt ist gratis

Während längere medizinische Behandlungen für Millionen von US-Bürgern schlicht unleistbar sind, muss sich der Präsident diesbezüglich keine Sorgen machen. Er braucht für sich und seine engste Familie nicht einmal eine Krankenversicherung, weil er als Oberster Befehlshaber der Streitkräfte rund um die Uhr von Militärärzten betreut wird, was inklusive aller Medikamente kostenlos ist. Im Weißen Haus steht eine voll eingerichtete Krankenstation bereit und auch bei Reisen und Ortswechseln ist ein Ärzteteam immer dabei. Wird eine längere Behandlung notwendig, erfolgt diese ebenfalls in einer Klinik des Militärs. Auch Donald Trump hat diesen Service gern in Anspruch genommen. Hätte er seine Corona-Behandlung privat bezahlen müssen, hätte sie ihn 100.000 Dollar gekostet, wie die Los Angeles Times ausgerechnet hat.

Das Flugzeug des US-Präsidenten | Credit: Getty Images

Zwei Jumbo-Jets

Auch die beiden Präsidentenflieger („Airforce One“ heißen sie dann, wenn der Präsident damit unterwegs ist) sind für medizinische Notfälle bestens ausgerüstet, sogar ein kleiner OP-Raum ist mit an Bord. Bis zum Ende seiner Präsidentschaft muss Biden noch mit den bereits über 30 Jahre alten Jumbo Jets vorlieb nehmen, erst Ende 2024 sind die neuen Boeing 747-8 startklar. Sie werden derzeit auf einer Werft in San Antonio/Texas auseinandergenommen und höchst aufwändig adaptiert. Zwischen 3,9 und 5 Milliarden $ sollen die beiden fliegenden Kommandozentralen zusammen kosten, was sie zu den teuersten Fluggeräten der Welt und aller Zeiten machen wird.

110 Millionen Marktwert

Dagegen mutet der Wert des Weißen Hauses von 110 Millionen $ geradezu bescheiden an.  Auf diesen - selbstverständlich fiktiven - Verkaufspreis sind findige Immobilienexperten gekommen, als sie das Anwesen rein von seiner Ausstattung her mit anderen Luxusimmobilien in den Bestlagen Washingtons verglichen haben. Der 1800 erbaute und 1949-1952 komplett erneuerte Präsidentensitz hat 132 Zimmer auf sechs Stockwerken, 35 Bäder, 28 offene Kamine und einen atombombensicheren Bunker unter dem Ostflügel. Die meisten der 147 Fenster sind mit schusssicherem Glas versehen. Außerdem gehören ein Tennisplatz, eine Bowling-Bahn, ein Kino für Previews, ein Swimmingpool, ein Basketball-Platz, eine Jogging-Strecke und vier Gärten zu den Annehmlichkeiten des Hauses.  

Präsidentensuite

Die Bidens logieren nun im „Executive Mansion“ im zweiten Stock des Haupthauses auf 13 Zimmern plus drei Gästezimmern. Der dritte Stock ist ebenfalls ihr Privatbereich und bietet unter anderem ein Musik- und ein Billardzimmer sowie ein Solarium. Jede Präsidentenfamilie darf die Privaträume nach Gusto gestalten und kann sich aus dem Fundus an hauseigenen Antiquitäten und Geschenken aussuchen, was sie will. Für neue Teppiche, Möbel oder Tapeten gibt’s ein Budget von 50.000 Dollar. Es besteht auch die Möglichkeit, Kunst aus öffentlichen Museen zu leihen, was Familie Obama gerne tat.

Sehr bodenständig

Über den Einrichtungsgeschmack von Joe und Jill Biden ist kaum etwas bekannt, er dürfte aber eher konventionell sein. Bodenständig sind auch die Essgewohnheiten. Des Präsidenten Lieblingsgericht ist Spaghetti mit Tomatensauce, von Jill zubereitet.  Er legt Wert auf Low Carb, aber Eiscreme kann er nicht widerstehen. Alkohol rührt er überhaupt nicht an.  Keine besonders guten Nachrichten also für den Kellermeister des Weißen Hauses.

First Pets

Good News gibt es allerdings jetzt für die Tierfreunde der Nation. Endlich haben die USA wieder First Dogs – nach dem hundelosen Interregnum der Trump-Ära.  Die beiden Schäferhunde heißen Champ und Major. Letzterer ist der erste Hund im Weißen Haus aus einem Tierheim.  

Autor: Gert Damberger, 20.01.2021