Unvergessen: Jochen Rindt, der erste Popstar der Formel Eins

Draufgänger, Fahrer-Genie,  cooler Hund: Jochen Rindt war bereits zu Lebzeiten ein Mythos. Sein viel zu früher Tod setzte einer spektakulären Karriere ein grausames Ende.

Der Steirebua war Deutscher  

Am Anfang steht ein tragisches Schicksal: Karl Jochens Eltern (die Mutter stammte aus Graz, heiratete einen Deutschen) sterben bei einem Bombenangriff auf Hambur.g. Der erst 15 Monate alte Vollwaise wächst fortan in Graz bei den Großeltern auf. Als Heranwachsender steckt Jochen das väterliche Erbe in seine Motorsportbegeisterung. Und fährt, stets mit einer österreichichen Rennlizenz startend, innerhalb weniger Jahre ganz nach vorn: erst in derFormel Junior, später in der Formel 2 und  schließlich in der Königsklasse, der Formel Eins. Einer seiner Wegbegleiter, der Motorsport-Fotograf Ferdi Kräling erinnert sich: "Jochen wollte es schnell, nicht schön."

Dort will es zunächst nicht so recht klappen, weder im Rennstall von Cooper noch bei Brabham. Dafür ist er in jenen Jahren von 1964 bis 1969 privat vom Glück verfolgt. Im März 1967 heiratet  der 24-Jährige das finnische Topmodel Nina, 1968 kommt Tochter Natascha zur Welt.  

Lotus wird sein Schicksal

Als der charismatische Draufgänger nach der Saison 1968 schließlich zu Lotus wechselt, ist er im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr zu bremsen. 1970 gewinnt er fünf Rennen. Nächste Station: Der Große Preis von Monza…

Porträt des Grazer Rennfahrer Jochen Rindt.

Das letzte Training vor dem Rennen. In voller Geschwindigkeit überholt Rindt seinen Konkurrenten Dennis Hulme. Im Bremsbereich vor der Parabolica schaltet Rindt herunter – da bricht die linke Bremswelle am Lotus 72. Der Wagen schert aus, wird gegen die Leitplanke geschleudert und schließlich geradezu zerfetzt. Der Verunglückte wird zur Unfallstation der Strecke gebracht. Er stirbt noch im Rettungswagen. Bitter: Die Konstruktion des Lotus 72 war schon vor dem tödlichen Unfall umstritten. Dennoch blieb er mit einigen Veränderungen bis 1975 im Einsatz und gilt als einer der erfolgreichsten Rennautos aller Zeiten.

Ein schwarzes Kleid im Koffer

„Wir Frauen hatten immer ein schwarzes Kleid im Koffer“, erzählte Nina Rindt einmal. „Nach einem Rennen mussten wir oft zu einer Beerdigung gehen.“ Sie hatte immer gehofft, ihr Mann würde rechtzeitig aus dem Rennzirkus aussteigen. Bis zum 5. September 1970. An diesem Tag musste sie und die gesamte Öffentlichkeit erfahren: Es ist zu spät.

Autor: Andrea Schröder , 31.08.2020