Städtetrips in historische Kleinstädte Österreichs

Österreich entdecken: Städtetrips in historische Kleinstädte mit viel Charme

Urlaub im eigenen Land – so lautet bei vielen heuer das Motto. Nicht nur, weil das Coronavirus und die damit verbundenen Maßnahmen nach wie vor omnipräsent sind, sondern auch, weil viele die Situation zum Anlass nehmen, um einmal das eigene Land zu erkunden. Vor allem Städtetrips, die kurzfristig geplant werden können und für Abwechslung sorgen, sind gefragt. Und hier muss es nicht immer ganz klassisch Wien oder Salzburg sein, sondern Österreich hat auch einige kleine, charmante Orte zu bieten, die mit einer interessanten Geschichte punkten können, über eine malerische Altstadt verfügen oder von einer traumhaften Landschaft umgeben sind. Im Folgenden werden fünf davon vorgestellt, für die es sich lohnt, den Flieger in den Süden sausen zu lassen und stattdessen Österreich ganz neu zu entdecken.

Schärding: Die charmante Barockstadt am Inn

Bunte Fassaden, barocke Rundgiebel und das betörende Blau des Inns, der sich durch die Region zieht und Österreich von Deutschland trennt. Das ist Schärding. Die Bezirkshauptstadt blickt auf eine lange Geschichte zurück: Archäologische Funde bestätigen, dass das Gebiet schon seit der Jungsteinzeit besiedelt war. Zirka 500 n. Chr. besetzten dann westgermanische Bajuwaren das Gebiet zwischen Wienerwald und Lech. Davon zeugen nach wie vor Ortsnamen mit den Endungen „-ing“, „-ham“ oder „heim“. Zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde Schärding 804 als Passauer Gutshof. Auf dem optimal gelegenen Burgfelsen in der Nähe des Inn-Ufers wurde schon früh eine Burganlage errichtet. Ab dem 10. Jahrhundert florierte der Handel in Schärding, wodurch die Stadt zu einem wichtigen Marktzentrum wurde. Im 15. Jahrhundert wurden die Befestigungsanlagen ausgebaut – auf diese Zeit geht beispielsweise das Wassertor zurück. Später gehörte Schärding zeitweise zu Bayern und kam unter den Habsburgern wieder zu Österreich zurück. Wer durch Schärding spaziert taucht unweigerlich in seine Geschichte ein. Im Zentrum reiht sich ein schmuckes Barockhaus an das andere – vor allem die spätbarocke Silberzeile am Oberen Stadtplatz sollte genauer inspiziert werden. Die weitgehend erhaltene Stadtmauer, der Stadtgraben oder die Burgtore sind für historisch interessierte Touristen wahre Highlights. Wer noch mehr erfahren will, stattet dem Stadtmuseum im Vorburgtor einen Besuch ab. Sehr gut erkunden lassen sich Schärding und die umliegende Natur mit dem Rad – zum Beispiel am Donauradweg, Innradweg, Rauernradweg oder Römerradweg. Wanderer sollten den Donausteig in Angriff nehmen.

Pfarrkirche Steyr-St. Michael Steyr

Steyr: Die hübsche Zwei-Flüsse-Stadt südlich von Linz

Die Steyr-Brücke, die sich über die blaue Steyr spannt. Die barocken Türme der Pfarrkirche St. Michael gleich dahinter. Und die hübschen Häuser, die sich entlang des Flusses befinden. Das ist eines der bekanntesten Fotomotive Steyrs. Aber das ist längst nicht alles, was die hübsche Zwei-Flüsse-Stadt zu bieten hat. Hier, wo sich Enns und Steyr treffen, ließen sich ebenfalls schon sehr früh Menschen nieder. Vor allem Eisen spielt in der Geschichte Steyrs seit jeher eine Rolle. Die Römer brachten den Rohstoff auf der alten Eisenstraße nach Lauriacum, dem heutigen Enns, später entstand daraus eines der ältesten Industriegebiete Europas, die Eisenwurzen. Die Styraburg, heute als Schloss Lamberg bekannt, wurde 980 erstmals urkundlich erwähnt. Heute sind von der alten Befestigungsanlage zum Beispiel noch das Schnallentor, das Neutor oder das Kollertor erhalten, sowie Teile des alten Stadtgrabens und der Stadtmauer. Vor allem im 14. Jahrhundert blühte Steyr durch den Handel und den Zuzug vieler Handwerker auf und war im 15. Jahrhundert nach Wien die wohlhabendste Stadt Österreichs. Im 16. Jahrhundert hatte die Stadt erstmals mit einem verheerenden Hochwasser zu kämpfen – an einer der Wände des Hauses Nr. 4 zeugen Hochwassermarken nach wie vor von dieser Katastrophe. In der Barockzeit kam es zu einem erneuten Aufschwung. Heute birgt die Stadt Steyr noch zahlreiche historische Schätze, wie beispielsweise das gotische Bummerlhaus mit seiner markanten Fassade und dem goldenen Hund als Wahrzeichen. Auch die Christkindl-Kirche oder der idyllische Dunklhof sind sehenswert und eines der bekanntesten Fotomotive ist auch die Enge Gasse mit dem Schlosstor. Weihnachtsfans finden hier das österreichische Weihnachtsmuseum, Naturliebhaber tauchen unmittelbar vor den Toren der Stadt in die Buchenwälder des Nationalparks Kalkalpen ein.

Freistadt: Die mittelalterliche Braustadt im Mühlviertel

Im nördlichen Mühlviertel, zwischen Granitsteinen und sanften Hügeln, liegt die Braustadt Freistadt. Über den genauen Ursprung gibt es nur Vermutungen, erstmals urkundlich erwähnt wurde die Stadt 1241 und avancierte im 14. Jahrhundert schnell zum wirtschaftlichen Zentrum des Mühlviertels. Grund hierfür war die gute Lage am Goldenen Steig, einer wichtigen Handelsstraße, auf der vor allem Eisen und Salz transportiert wurden. Erste Stadtmauern wurden im 14. Jahrhundert errichtet, die heute noch existierende Befestigung und das Schloss Freistadt gehen auf das 15. Jahrhundert zurück. Das Besondere an Freistadt: In der gesamten Geschichte blieb es von größeren, kriegerischen Zerstörungen verschont, wodurch die mittelalterliche Altstadt nach wie vor fast zur Gänze erhalten ist. Auch sechs der acht Wehrtürme ragen noch immer in den Himmel empor. Lediglich Großbrände ließen sich nicht verhindern. Später verlor das Mühlviertler Zentrum seine Privilegien, der Handel ging zurück. Stattdessen wurde 1770 die Braucommune Freistadt gegründet. Alle 149 Innenstadt-Hausbesitzer wurden damals Mitglieder und sind es auch heute noch. Wer sich also ein Gebäude in der Innenstadt kauft, erhält nach wie vor zusätzlich einen Anteil an der Brauerei. Diese erzeugt jährlich rund 80.000 Hektoliter Bier und ist damit die größte Brauerei im Mühlviertel. Touristen kommen bei einem Stadtbummel in Freistadt an vielen Sehenswürdigkeiten vorbei – darunter das Linzertor und Böhmertor, die gotische Liebfrauenkirche, der Stadtgraben, der Hauptplatz, das Brauhaus oder das Schloss. Freistadt beherbergt außerdem das Mühlviertler Schlossmuseum und wer in die Mühlviertler Natur eintauchen will, findet zahlreiche Wanderwege, die zum Beispiel durchs Thurytal führen.

Schloss Ort Traunsee

Gmunden: Die historische Stadt am Traunsee

Egal, ob Gmundner Keramik oder die Fernsehserie Schlosshotel Orth – Gmunden ist schon lange über seine Stadtgrenzen hinaus bekannt. Die erste Besiedlung geht bis ins 5. Jahrhundert zurück. Der Name leitet sich vom Wort „gemunten“ ab, was so viel bedeutet wie: bei den Mündungen. Wichtigster Rohstoff für den 1278 zur Stadt erhobenen Ort war das Salz. Als dieses später wieder an Bedeutung verlor, entwickelte sich Gmunden zur Kurstadt und wird heute oft als Konkurrenz zu Bad Ischl gesehen. Zahlreiche Sehenswürdigkeiten reihen sich in der Stadt im Salzkammergut aneinander. Eines der berühmtesten Postkartenmotive sind das Landschloss und Seeschloss Ort. Das Seeschloss wurde bereits im 10 Jahrhundert erbaut und zählt damit zu den ältesten Gebäuden des Salzkammergutes. Weitere ehemalige Sitze von Burgherren und Adligen sind die Villa Toscana, in der einst Maria Antonie von Neapel-Sizilien residierte, das Schloss Cumberland oder das Schloss Weyer. In Gmunden steht auch der einzige Keramikbrunnen Österreichs, aus dem Trinkwasser sprudelt. Am Marktplatz freuen sich Geschichtsliebhaber zudem über das alte Rathaus mit einem Keramikglockenspiel aus dem 16. Jahrhundert, sowie über die erste Apotheke des Salzkammergutes. Ein Juwel ist auch der Kammerhof aus dem 15. Jahrhundert und wer sich für alte Transportmittel interessiert sollte die Gmundner Straßenbahn – die älteste, kürzeste und zudem steilste Straßenbahn Österreichs – genau inspizieren. Naturfans können auf den Traunstein hinaufwandern, den Laudachsee bewundern, den Baumwipfelpfad erkunden oder entlang des Kaltenbachs in die Natur eintauchen.

Bad Radkersburg: Die steirische Stadt mit dem mediterranen Charme

Im Süden Österreichs, zwischen Weinbergen und idyllischen Flüssen, unweit der slowenischen Grenze liegt Bad Radkersburg. Die charmante Kleinstadt wurde 1182 erstmals urkundlich erwähnt und ist bisher die einzige, österreichische Stadt, die mit der Europagoldmedaille für Denkmalpflege ausgezeichnet wurde. Der Ort wurde nach einem präzisen Konstruktionsplan errichtet und war bereits Ende des 13. Jahrhunderts mit einer Mauer und Türmen umgeben. Später wurden diese von einem italienischen Baumeister erneuert. 1920 kam es – nach jahrelangen sprachlichen, kulturellen und politischen Konflikten und Aufständen – zur Teilung der Stadt. Der Stadtteil Oberradkersburg kam so zu Slowenien. Im Zweiten Weltkrieg verschärfte sich die Situation und erst die Wiedereröffnung der Murbrücke 1969 brachte eine erneute Annäherung mit sich. Mittlerweile werden zahlreiche, grenzüberschreitende Projekte durchgeführt. Seit 1975 ist Radkersburg auch Kurort mitsamt einer Thermalquelle. Wer durch die Stadt spaziert, kann sämtliche Baustile begutachten – von der Romanik über den Jugendstil bis zur Gegenwart. Interessante Gebäude sind beispielsweise der Rathausturm, das Palais Herberstorff mit einem der schönsten Renaissance-Arkadenhöfe der Stadt, die Pistorkasterne mit alten Fresken, das alte Zeughaus, in dem sich ein Museum befindet oder der Kulturhof-Johannes-Aquila. Durch die romantischen Gässchen weht südländisches Flair und Wanderfreunde kommen im Biosphärenpark in den Murauen oder in den Weinbergern voll auf ihre Kosten.

Autor: Weekend Online, 27.07.2021