Geldfluss für Einfluss: So ist Dubai wirklich!

Wer dieser Tage auf Instagram unterwegs ist, kommt um ein Thema nicht herum: Dubai. Ganz Instagram-Deutschland scheint in den Stadtstaat ausgewandert zu sein. Während Europa also von einem Lockdown in den nächsten schlittert, dürfen Follower deutschen Influencern dabei zusehen, wie sie sich am Strand sonnen, Jetski fahren, Shisha rauchen oder fein dinieren. Doch was zieht Simon Desue, Sarah Harrison oder Fiona Erdmann in den Osten?

Wahrgewordenes Insta

Auf den ersten Blick scheint diese Frage leicht beantwortet: Dubai ist das wahrgewordene Instagram. Alles ist darauf ausgerichtet, schöne Fotos oder Videos zu produzieren. Vorm Burj Khalifa schießen Wasserfontänen in die Höhe, Restaurants laden mit "instagrammablem" Essen und Wüstensafaris machen sich immer gut im Feed. Dass das Schöne aber auch recht viele Schattenseiten hat, zeigt jetzt Jan Böhmermann in einem Video für das "ZDF Magazin Royale". In klassischer Böhmermann-Manier hinterfragt er das glänzende Dubai und macht wieder einmal das, was viele Influencer nicht können: Kritik äußern. Übrigens: Das dürfen sie in der Millionenstadt auch nicht. Denn jeder dort lebende Instagramer muss eine staatliche Influencer-Lizenz erwerben, die es unter anderem verbietet, sich kritisch gegenüber Dubai zu äußern. Zensur scheint den meisten jedoch egal zu sein, solange sie keine Steuern zahlen müssen. Auch das ist der Fall, denn es gibt weder Gewerbe- noch Einkommenssteuer, Eine Mehrwertsteuer gibt es erst seit 2018, diese beträgt jedoch nur fünf Prozent. Perfekt für Sparfüchse à la Instagram: Sie müssen zwar nichts zahlen, können aber weiterhin mit ihrer Reichweite in Deutschland Geld verdienen. 

Sugar Daddy?

Dubai profitiert natürlich davon, denn ohne viel Geld zu investieren, landen die schönsten Fotos auf sozialen Plattformen und machen Followern Lust auf Urlaub. Wobei: so ganz stimmt das mit dem Geld nicht, denn Mohammed bin Rashid al-Maktum, der Scheich von Dubai, fungiert als Sugar Daddy für Influencer. Ganz nach dem "Zuckerbrot-Peitsche"-Prinzip füttert er Fiona Erdmann und Co. mit Einladungen in seine Hotels, Lokale oder Privatjets. In "Vox Prominent" fasst Influencerin Yvonne Bar die Lage zusammen: "Also, wenn du es darauf auslegst, könntest du hier als Influencer echt umsonst leben."

Goldener Käfig

Der Scheich mag zwar seine Schäfchen gut behandeln, im realen Leben ist er aber nicht "Daddy Cool". 2018 wollte seine Tochter Latifa, die ihn übrigens "das Böse" nennt, vor ihm fliehen, Sie wurde jedoch gefasst und zurückgebracht. Seitdem ist sie eingesperrt in einem "Goldenen Käfig", das letzte Lebenszeichen gab es im Februar als der BBC Handyvideos zugespielt wurden, die die Prinzessin ihren Freunden schickte. Mittlerweile läuft sogar die "freelatifakampagne, initiiert von Tiina Jauhiainen. Die Finnin unterstützte Latifa bei der Flucht und war dabei, als sie von Sicherheitsbeamten gefangen genommen wurde.

Nachgefragt

Doch wie ist es wirklich, in Dubai zu leben? Ex-Golfprofi Stefanie Kogler wohnt seit Jänner dort, über den Stadtstaat äußert sie sich hauptsächlich positiv. Warum sie dorthin zog? "Ich bin ein Sommerkind und wollte immer in Los Angeles wohnen, das ist einfach mein happy place. In die USA auszuwandern ist aber alles andere als einfach, also war Dubai die zweitbeste Option. Wegen der geringen Zeitverschiebung kann ich weiterhin super an meinem Business in Österreich arbeiten. Außerdem mag ich die Leute und den Vibe. jeder ist offen und herzlich." Was sie zum Scheich sagt? "In welcher Regierung läuft nichts falsch? Natürlich unterstütze ich sein Verhalten nicht, es ist schrecklich." Für die Steirerin ist Dubai Zuhause und ein Ort, der Unmögliches möglich macht. "Ich mag es, wie die Leute hier denken. Sie sprechen über Pläne und Ideen und nehmen ihr Leben selbst in die Hand", erklärt die Steirerin. Auf die Frage, ob die Steuerfreiheit, etwas mit ihrem Umzug zu tun hatte, gab sie folgende Antwort: "Nein, denn ich könnte nie an einem Ort wohnen, der mir nicht gefällt, nur, weil ich keine Steuern zahlen muss. Ich muss glücklich sein mit meiner Umgebung." Und wie fühlt sie sich in Dubai? Schließlich ist im Stadtstaat einiges verboten: beispielsweise küssen, Musik hören, fluchen oder tanzen in der Öffentlichkeit. Neben solchen "banalen" Dingen gibt es aber auch Verbote, die das Leben vieler stark einschränken: so sind uneheliche Kinder oder homosexuelle Beziehungen in Dubai ein Tabu und werden strafrechtlich verfolgt. "Ich fühle mich hier sehr wohl und unglaublich sicher. So sicher wie vielleicht noch nirgends vorher", erklärt Kogler auf die obrige Frage. 

Prinzipiell soll jeder so leben, wie er es moralisch vertreten kann. Wenn jedoch Fiona Erdmann in ihre Story kreischt, "wie schön es hier doch ist", hat das mittlerweile einen bitteren Beigeschmack, vor allem, was die Authentizität betrifft. Und die ist für Influencer doch angeblich das Wichtigste, oder? 

Hier geht es zum Böhmermann-Video:

Autor: Cornelia Scheucher, 29.03.2021