Regional und saisonal: Genuss mit gutem Gewissen

Stichworte wie Umweltschutz und Nachhaltigkeit gehen auch an Österreichs Verbrauchern nicht spurlos vorbei. Sie achten vermehrt beim Einkaufsverhalten darauf, den eigenen ökologischen Fußabdruck kleinzuhalten. Das hat auch eine Studie zum Thema regionale Lebensmittel gezeigt. Dieser zufolge ist regional mittlerweile sogar wichtiger als bio.

Saisonale Leckerbissen

Tatsächlich gibt es eine Fülle von saisonalen und regionalen Lebensmitteln, die auch in moderne Lebensmittelversorgung, beispielsweise in Form von Kochboxen Einzug gehalten haben. Jetzt im Herbst gehört beispielsweise Kürbis dazu, den man zu weit mehr verarbeiten kann als nur zu Suppe. Ausgefallene Rezeptideen bringen Abwechslung auf den Tisch.

Kürbis und Co schmecken jedoch nicht nur gut – sie helfen entscheidend mit, das Klima zu verbessern. Es gibt mittlerweile zahlreiche Untersuchungen darüber, wie lange Transportwege die Bilanz eines Lebensmittels verändern. Ein Beispiel: Der heimische Apfel, der vor Ort geerntet und verzehrt wird, kommt auf 0,3 Kilogramm CO2-Äquivalent. Ein Apfel aus Neuseeland dagegen kommt auf 0,8 kg. Unter dem Begriff CO2-Äquivalent versteht man eine Maßeinheit zur Vereinheitlichung der Klimawirkung verschiedener Treibhausgase.

Was steckt hinter den Begriffen?

Allerdings hat man bisweilen den Eindruck, als würden Schlagworte wie „regional“ oder auch „saisonal“ inflationär verwendet. Deshalb ist es wichtig, diese genau zu definieren. Regionale Produkte – wie beispielsweise der Vorarlberger Bergkäse –stammen aus einer geografisch klar bestimmten Region. Dort werden sie produziert und auch verarbeitet. Als Faustregel gilt dabei, dass die Rohstoffe, die Verarbeitung und auch der Vertrieb in einem Radius von rund 100 Kilometer stattfinden.

Unter „saisonal“ versteht man Produkte, die zu einer bestimmten Jahreszeit wachsen und geerntet werden. Allerdings muss man da schon ein wenig genauer hinschauen: Erdbeeren zum Beispiel, die im Winter in geheizten Treibhäusern angebaut werden, gelten nicht als saisonal – auch wenn diese Treibhäuser in Österreich stehen.

Verbraucher, die auf Umwelt und Klima achten, sollten dementsprechend darauf achten, sowohl regional als auch saisonal einzukaufen. Denn: Wenn österreichische Äpfel nach der Ernte über den Winter bis ins Frühjahr im Kühlhaus gelagert werden, verschlechtert sich die CO2-Bilanz erheblich. Dann ist sogar ein Apfel aus Neuseeland, der mit dem Schiff transportiert wurde, klimafreundlicher.

Dass regionale und saisonale Produkte gut für die Klimabilanz sind, gilt längst als unstrittig. Aber es gibt weitere gute Gründe dafür, auf solche Lebensmittel zurückzugreifen. Einer davon ist der Geschmack. Obst und Gemüse aus dem anderen Ende der Welt werden vor dem eigentlichen Reifezeitpunkt geerntet und reifen auf dem Transport weiter. Das geht auf Kosten des Geschmacks. Anders dagegen verhält es sich mit heimischen Erzeugnissen. Sie werden dann geerntet, wenn sie wirklich reif sind. Das schmeckt man nicht nur, das macht sich auch beim Gehalt von Vitaminen und Mineralstoffen positiv bemerkbar.

Es gibt aber noch ein anderes Argument für den Kauf von heimischen Lebensmitteln: Während große Supermarktketten oftmals auf ein Sortiment mit schlechter Klimabilanz setzen, bekommt man heimische Waren oftmals am besten beim lokalen Händler. Und den suchen Österreicher immer häufiger auf. Das hat auch eine neue Befragung zum Thema regionales Shopping gezeigt. Der wichtigste Grund, um beim Händler vor Ort einzukaufen, ist für die Konsumenten zwar die Unterstützung des lokalen Handels. Aber auch Vertrauen gegenüber dem lokalen Handel spielt eine entscheidende Rolle.

Einkaufserlebnis Wochenmarkt

Neben dem lokalen Handel sind auch Wochenmärkte eine gute Adresse, um lokale und saisonale Lebensmittel einzukaufen. Diese Form des Verkaufs hat in Österreich eine lange Tradition. Bereits im Mittelalter kamen die Bauern in die Städte, um hier ihre Waren anzubieten. Schon seit damals gilt der Besuch des Wochenmarkts nicht allein dem Einkauf, sondern hat auch eine soziale Funktion: Wo kann man besser mit dem Nachbarn ratschen, als vor dem Obst- und Gemüsestand? Wer regelmäßig auf dem Wochenmarkt unterwegs ist, wird zudem schon bald die Händler ermitteln, bei denen er die beste Qualität bekommt. Denn im Gegensatz zum Supermarkt liegen die Waren hier offen in Kisten – vergleichen ist also leicht. Wenn man zudem einen Blick auf die Kennzeichen der Marktbeschicker wirft, stellt man fest, dass die meisten von ihnen tatsächlich in der gleichen Region zu Hause sind wie man selbst. Das gibt Vertrauen in Regionalität. Auch werden auf dem Wochenmarkt die Salatgurken lose angeboten und nicht etwa in Folie eingeschweißt wie im Supermarkt. Das reduziert den Verpackungsmüll.

Nicht nur für den täglichen Bedarf, sondern auch für Events wie beispielsweise das herbstliche Grillen bekommt man alle Zutaten regional und saisonal. Genuss mit gutem Gewissen – das funktioniert!

Autor: Ute Daniela Rossbacher, 20.10.2020