Eisenmangel: Was kann man dagegen tun?

Unser Körper benötigt das Spurenelement Eisen für wesentliche Prozesse wie die Blutbildung und den Sauerstofftransport im Blut. Mangelt es dem Körper an Eisen, produziert er zu wenig Hämoglobin – und Hämoglobin sorgt als Bestandteil der roten Blutkörperchen dafür, dass alle Zellen des Körpers ausreichend mit Sauerstoff versorgt sind. Die Folge eines Eisenmangels ist die sogenannte Eisenmangelanämie, auch als Blutarmut bekannt: Die Organe und Zellen werden zu wenig mit Sauerstoff versorgt. Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen und Schwindel, aber auch brüchige Nägel, rissige Mundwinkel und Konzentrationsprobleme sind typische Symptome.

Auf Frauen mit Kinderwunsch kann sich der Eisenmangel besonders fatal auswirken. Michael Schenk, Facharzt für Frauenheilkunde, erklärt: „Jede Mangelversorgung behindert die Fruchtbarkeit. Das Spurenelement Eisen ist in diesem Zusammenhang besonders essenziell, weil es die Energie für die Zellen liefert.“ Er verweist auf eine Harvard-Studie, bei der durch Untersuchungen an 18.000 Frauen der Zusammenhang zwischen Fruchtbarkeit und Eisenstatus untersucht und eindeutig belegt wurde. Vom Anfang einer Eisenmangelanämie bis hin zu ausgeprägten Beschwerden können allerdings mehrere Monate bis Jahre vergehen.

Zu wenig Eisen im Körper kann viele Ursachen haben: Blutverlust, etwa durch eine starke Menstruation, gilt als eine der Hauptursachen von Eisenmangel bei Frauen. Kleinere Blutungen im Darm, wie sie bei Frauen und Männern im fortgeschrittenen Alter immer wieder auftreten, senken den Eisenwert ebenfalls. Doch auch eine vegetarische Ernährung, Erkrankungen im Verdauungstrakt sowie bestimmte Medikamente können zu einem Mangel führen. Manche Nahrungsmittel, wie beispielsweise schwarzer Tee, Kaffee und Milchprodukte, erschweren die Eisenaufnahme im Körper. Gewisse Menschen haben zudem einen erhöhten Eisenbedarf – dazu zählen beispielsweise Sportler, vor allem Leistungssportler, oder Schwangere.

Jede Mangelversorgung behindert die Fruchtbarkeit. Das Spurenelement Eisen ist in diesem Zusammenhang besonders essenziell, weil es die Energie für die Zellen liefert. Michael Schenk, Facharzt für Frauenheilkunde

Eisenmangel: Müdigkeit & Schlafprobleme | Andrea Piacquadio/Pexels

Selbsthilfe

Aufschluss über einen möglichen Eisenmangel kann eine Blutuntersuchung geben. Michael Schenk: „Von einem Hämoglobinmangel spricht man, wenn der Wert bei Frauen unter 12 g/dl und bei Männern unter 14 g/dl liegt. Sinkt der Wert unter 10 g/dl, ist das bereits eine ausgeprägte Anämie.“ Ist der Wert zu niedrig, gilt es zunächst, die Ursache des Mangels zu finden. Dabei können weitere Untersuchungen, etwa eine Kolo- oder Gastroskopie, nötig sein. Gleichzeitig muss auch versucht werden, den Eisenbedarf des Körpers wieder zu decken.

Durch eine reine Ernährungsumstellung ist ein Mangel allerdings nicht immer zu beheben, da die Menge des Eisens in Nahrungsmitteln oft sehr gering ist und der Körper zudem nur eine begrenzte Menge an Eisen aufnehmen kann. Im Normalfall nimmt der Körper bei Mischkost etwa 2 mg Eisen pro Mahlzeit auf, sofern sich eisenhaltige Lebensmittel am Teller befinden. Bei einem durchschnittlichen Bedarf von etwa 10 mg pro Tag (bei Männern) bzw. 15 mg pro Tag (bei Frauen) lässt sich dadurch die erforderliche Menge allerdings nur schwer erreichen. Tierisches Eisen kann der Körper besser nutzen als Eisen aus rein pflanzlichen Nahrungsmitteln, wodurch Vegetarier doppelt gefährdet sind – bei vegetarischen Mahlzeiten wird durchschnittlich nur 1 mg Eisen vom Körper resorbiert. Das liegt daran, dass vegetarische Lebensmittel, auch wenn sie einen hohen Eisenwert besitzen, oftmals auch gleichzeitig Stoffe beinhalten, die die Eisenaufnahme hemmen.

Tipp: Wird Eisen in Kombination mit Vitamin C aufgenommen, kann es besser verwertet werden. Daher öfter einmal ein Glas Orangensaft zum Steak trinken.

Eisenlieferant: Zimt | Credit: Дарья Яковлева/Pixabay

Eisenpräparate

Michael Schenk weiß: „Die wichtigste Empfehlung ist eine gesunde, abwechslungsreiche Ernährung unter Einbeziehung von guten Eisenlieferanten wie Fleisch, Eidottern, Thunfisch, Haferflocken und Vollkornnudeln. Ist der Hämoglobinund Ferritin-Wert niedrig, rate ich unterstützend zur Einnahme von oralen Eisenpräparaten in Verbindung mit ausgewählten Vitalstoffen wie Folsäure und Vitaminen.“ Je nach Höhe des Eisenspiegels im Blut gibt es Präparate in verschiedenen Dosierungen, die man über einen bestimmten Zeitraum zu sich nehmen sollte – an die Empfehlung des Arztes sollte man sich auf jeden Fall halten.

Reich an Eisen: Zu den eisenhaltigen Nahrungsmitteln zählen z. B.

  • Schweine- und Kalbsleber
  • getrocknete Gewürze wie Petersilie,
  • Minze oder Thymian
  • Hirse
  • Sojabohnen
  • Leinsamen
  • Blutwurst
  • Sonnenblumenkerne
  • Austern
  • Leberstreichwurst
  • Vollkornbrot
Autor: Cornelia Stiegler , 26.08.2020