Fake-Profile im Internet: Die fiesen Tricks der Netz-Betrüger

Knapp 1,3 Millionen Singles in Österreich bewegen sich regelmäßig im Internet. Genau sie sind es, die mit ihrer Hoffnung, den passenden Deckel zu finden, auf

Online-Dating-Plattformen

gelockt werden. Aber während die Partnersuchenden zuversichtlich surfen, wird ihnen mit fiesen Tricks das Geld aus der Tasche gezogen. Und wenn's ganz schlimm kommt, auch noch das Herz gebrochen.

Virtuelle Liebesfalle

"Kimberly sucht Mann mit Herz. 25 Jahre, Fitnesstrainerin, blonde Haare, blaue Augen, liebesbedürftig." Kimberly ist genau der Typ Frau, den Markus gesucht hat. Aber er wird Kimberly niemals kennenlernen. Denn sie existiert gar nicht. Sie ist ein Lockvogel, den das Online-Portal selbst angestellt hat, um mit falscher Identität zu chatten und wild zu flirten, ohne dass es jemals zu einem Treffen kommen soll.

Online-Abzocke

Warum das falsche Spielchen überhaupt beginnt, hat einen einfachen Grund: Geld. Denn Fake-Profile wie jenes von Kimberly sollen vor allem Männer dazu animieren, auf kostenpflichtige Portale zu wechseln und Cash zu bringen. Bekannt sind die "Kimberly"-Jobs in Insiderkreisen unter "IKM-Schreiber" (Internet-Kontaktmarkt-Schreiber).

Mysteriöse Stellenangebote

Diese Machenschaften will die Autorin des Artikels selbst überprüfen und begibt sich auf die Suche. Schnell wird sie fündig: Nach ein paar Sekunden entdecke ich ein Inserat, in dem ein "IKM-Schreiber/Werber/Promoter" gesucht wird. "Es handelt sich um ein IKM-Projekt, in dem der Endkunde kostenlos einen Internetauftritt testen kann", so die Beschreibung. Der Anbieter der Stelle wird nicht genannt ("Kein Unternehmensname, da Einzelunternehmer"), eine Telefonnummer oder Adresse ist ebenfalls nicht auffindbar. Die Bewerbung funktioniert nur durch Anmeldung auf der Plattform. Als Voraussetzung für den Job gelten neben "guten Deutschkenntnissen", ein "kreativer Schreibstil und keine Scheu vor Erotik". Außerdem wird Heimarbeit mit variablem Gehalt angeboten. Alles, was ich hier lese, beschreibt indirekt den Job des skrupellosen Online-Flirters.

Real-Fakes

Richtig übel wird es, wenn man im Netz auf Menschen trifft, die nicht des Geldes wegen lügen, sondern weil sie das Manipulieren genießen. Und davon gibt es genug, ist Buchautorin Victoria Schwartz überzeugt. In "Wie meine Internet-Liebe zum Albtraum wurde" beschreibt sie ihre persönlichen Erfahrungen. Schwartz kommunizierte über Monate mit einem Mann, der von einem anderen Profil Fotos klaute und als seine eigenen ausgab. Um seine Identität glaubwürdiger zu machen, erstellte er zusätzlich immer mehr Profile, die seine angeblichen Freunde und Familie zeigten. "Dieser Mensch ist in mindestens 16 von mir nachrecherchierte und mir inzwischen als Fake bekannte – männliche wie weibliche – Identitäten geschlüpft und hat gleich mehrere Leben vorgetäuscht, um sein Lügengerüst zu stützen", schreibt Schwartz auf ihrer Website www.realfakes.net. Und das, ohne jemals Geld verlangt zu haben.

Tipps zum Selbstschutz

Aber woran erkennt man Fake-Profile und wie kann man sich schützen? "Bei Fake-Profilen werden oft verpixelte oder zu perfekte Bilder eingesetzt, die meist irgendwo im Netz geklaut werden", erklärt Anja Distelrath, Geschäftsführerin der Agentur "Social Media Konzepte". Außerdem bitten sie ihre Flirtpartner meist, auf andere, kostenpflichtige Portale umzusteigen, weichen Fragen aus und antworten häufig mit Gegenfragen. "Stellen Sie deshalb z. B. Fragen nach Ortsteilen seiner Heimat oder zum Tagesgeschehen und achten Sie auf die Reaktion. Überprüfen Sie Fotos mit der umgekehrten Bildersuche von Google. Dadurch sehen Sie, wo das Bild noch verwendet wird“, rät Distelrath. "Schalten Sie Ihren Menschenverstand ein und treffen Sie sich so schnell wie möglich im echten Leben."

Alle Themen finden Sie in der aktuellen Ausgabe

Autor: Tamara Hörmann, 07.07.2015