Michael Michalsky im Weekend Style Interview

Sie haben in Berlin Ihre erste Haute Couture-Show „Atelier Michalsky“ erfolgreich über den Laufsteg geschickt. Warum der Wechsel von Prêt-à-porter- Mode zur gehobenen Schneiderei?

Alles ist viel schnelllebiger geworden und ich als Independent-Designer musste darauf eben auch reagieren. Meine Überlegung war schließlich ein komplett radikaler Gegenentwurf zur Alltagsmode – und das war eben Couture. Alles ist sehr hochwertig, wird aufwendig angepasst, extra angefertigt. Ich denke, dass die Menschen in Zukunft weniger kaufen, dafür aber mehr Wert auf die Qualität legen werden. Natürlich wird es immer beide Arten von Schneiderkunst geben, schließlich ist es cool, beide zu kombinieren, doch ich wollte dem Ganzen einfach eine höhere Wertigkeit geben.

Nach Mode, Accessoires und Lifestyle- Produkten haben Sie nun auch eine neue Duftkollektion gelauncht. Wie kam es dazu?

Ich denke, dass es der Traum eines jeden Designers ist, sein eigenes Parfüm zu kreieren. Neben meiner Mode, die natürlich das Kerngeschäft ist, war es mir wichtig auch eine Duftlinie herauszubringen, weil es für mich persönlich das ultimative Accessoire ist. Nichts kommt näher an die Haut als ein Duft!

Ihre Duftlinie heißt Michalsky Berlin. Wie sehr hat die Modemetropole Einfluss auf den Entstehungsprozess Ihres Parfüms?

Es ist ein von der Großstadt inspirierter Duft. Der typische Michalsky-Kunde führt ein sehr kosmopolitisches, weltoffenes Leben und ich finde, dass gerade Berlin ein sehr schönes Symbol dafür ist. Es gibt unzählige Möglichkeiten, sich selbst zu entfalten und zu verwirklichen. Individualität ist mir in der Mode besonders wichtig! Die dazugehörige Kampagne heißt „Welcome to the Top“ und soll ein gewisses „Ankommen“ versinnbildlichen. Der Michalsky-Kunde schaut positiv in die Zukunft, genießt das Leben, ist aber auch erfolgsorientiert. Um das alles auf einem Bild einzufangen, fand das Kampagnen- Shooting auch auf einer Dachterrasse statt – mit Berlin im Hintergrund.

Würden Sie sagen, dass auch Michael Michalsky bereits „on top“ ist?

Gerade für eine kreative Person wäre es sehr schade zu behaupten, dass man bereits alles erreicht bzw. geschafft hat. Ich habe noch sehr viele Ideen, möchte mich weiterhin mit meiner Kreativität ausdrücken und „Michalsky“ zu einem kompletten Lifestyle entwickeln. Als Designer habe ich nach jeder Kollektion bereits neue Ideen für weitere Shows. Zu sagen, man sei „on top“ hört sich für mich sehr endgültig an. Ich lerne gerne dazu, begegne neuen Menschen, probiere Neues aus, verbessere mich ständig, und das motiviert natürlich auch. Es kommt mir nicht so vor, als ob ich bereits da bin, wo ich gerne sein möchte!

Welche Visionen haben Sie diesbezüglich? Was darf man von Ihnen noch erwarten?

Ich möchte auf alle Fälle meine Mode weiterbringen und internationalisieren, möchte meinen „Living“-Bereich ausbauen. Eine weitere Option wäre natürlich eine Zweitlinie auf den Markt zu bringen, die etwas jünger ist und mehr Jeans-Elemente beinhaltet. Aber auch das Kreieren von Kindermode würde mich reizen. Also wie Sie sehen, es gibt nichts, was ich mir nicht vorstellen kann.

Wo sehen Sie sich selbst in zehn Jahren?

Ich hoffe natürlich, dass ich noch so erfreut am Leben sein werde, wie ich es jetzt bin, ich möchte weiterhin so wissund lernbegierig sein und hoffentlich nie die Möglichkeit verlieren, neue Menschen und Kulturen kennenzulernen. Natürlich wünsche ich mir auch, immer noch an Mode interessiert zu sein, mich internationaler auszurichten und große Projekte zu starten, an die ich mich bisher noch nicht gewagt habe.

Autor: Mio Paternoss, 02.12.2015