30 Jahre Campino: Seine Verwandlung vom Punkrocker zum Punk-Papa

Treffen sich Wolfgang, Michael – und drei Typen mit Namen Andreas. So geschehen Anfang der achtziger Jahre in Düsseldorf. Keiner von ihnen beherrscht ein Instrument. Egal, eine Band wird gegründet, „Die Toten Hosen“. Andreas Nr. 1 nennt sich „Kuddel“, der zweite „Andi“ – und der dritte im Bunde, Andreas Frege, heißt jetzt wie ein Zuckerl, „Campino“. In den nächsten 1.000 Konzerten, die die Punkrocker zwischen 1982 und 1997 geben werden, werden sie genug Gelegenheit haben, zu üben.

Tage wie diese

Recht viel mehr als drei Akkorde brauchen die vier rund um Frontmann Campino auch nicht zu können, denn die musikalische Bandbreite
der „Hosen“ ist eher schmal. Dafür geben sie bei jedem ihrer Auftritte Vollgas, und dafür werden sie von der riesigen Fangemeinde nun schon seit 30 Jahren geliebt. Die (Zwischen-)Bilanz 2013: 15 Studioalben, fünf Konzertalben und sieben „Best-of“.

Allein Songwriter Campino soll über ein Vermögen von 25 Millionen Euro verfügen. Besser gesagt: verfügt haben. Der 51-Jährige macht keinen Hehl daraus, dass er sich an der Börse ordentlich verspekuliert hat. Am Hungertuch nagt er jedoch sicherlich nicht, und seinem Sohn Lenny (10) wird Campino irgendwann noch ein ansehnliches Erbe hinterlassen.

Zur Erziehung hat der Düsseldorfer, der selbst mit fünf Geschwistern aufgewachsen ist, eine pragmatische Einstellung. „Alles braucht er nicht von mir zu übernehmen, und es wäre auch schön, wenn er sich in der Schule anders entwickelte als ich“, hofft der Papa. „Letztendlich sind die Eltern ganz kleine Rädchen in der Entwicklung der Kinder.“ Von Lennys Mutter, der Schauspielerin Karina Krawczyk, hat sich Campino getrennt. Eine leidenschaftliche (aber nie bestätigte) Liaison mit der Linzer Schauspielerin Birgit Minichmayr ging ebenfalls in die Brüche. Aktuell datet der Frauenschwarm Melanie Winiger, Moderatorin aus der Schweiz.

Viel mehr an Privatleben gibt Campino nicht preis, Homestorys des glühenden Fans von Fortuna Düsseldorf und der englischen Fußballnationalmannschaft sucht man vergebens. Aber auch mit Exzessen kann der Rocker nicht (mehr) dienen. Sind die wilden Zeiten vorbei? „Ich bin heute nicht mehr der, der ich mal war. Aber ich bin heute der, weil ich früher mal so war.“

21.05.2014