Wiener Forscher wollte Tochter (1) umbringen

Der 40-Jährige ist ein anerkannter Molekularbiologe. Doch seit geraumer Zeit fühlte er sich von Männern mit schwarzen Sonnenbrillen verfolgt, die ihm wissenschaftliche Unterlagen stehlen wollten.

Seine Frau konnte die Tat verhindern

Im Dezember 2020 kam es dann zum schrecklichen Ereignis: Im Zuge einer akuten Psychose aufgrund seiner paranoiden Schizophrenie soll er versucht haben seine Tochter zu töten. Weil seine Frau durch das Weinen des Kleinkindes aufgewacht ist, konnte Schlimmeres verhindert werden. 

Forscher hatte Angst vor Entführung der Tochter

Zunächst hatte er die Verfolger nur gesehen, später sprachen die Gestalten auch mit ihm. "Dafür wirst du bezahlen", sagten sie laut seinen Aussagen zu ihm, weil er seine Forschungsdaten nicht herausrücken wollte. Ihm zufolge drohten sie, seine Tochter zu entführen. Um dem Kind Qual und Folter durch diese Männer zu ersparen, soll er dem damals 20 Monate alten Mädchen "etwas antun" wollen, gab er später bei der Polizei zu Protokoll. 

Verfolgungswahn wurde stärker

Seine Frau bemerkte, dass sich ihr Mann sich immer mehr veränderte. Er meinte, in seiner Wohnung würden sich Fremde aufhalten, die Unterlagen mitnehmen und woanders hinlegen. Bei einem Restaurantbesuch in England steigerte er sich so dermaßen in den Verfolgungswahn hinein, dass er aus dem Lokal flüchtete und dies auch seiner Frau anriet.

Forscher verweigerte die Therapie

Mindestens einmal in der Woche durchwühlte er stundenlang seine Dokumente, in der Annahme, es würde etwas fehlen. Im September 2020 war sein Zustand bereits so schlecht, dass ihn seine Frau zwei Mal zum psychosozialen Dienst in Wien brachte. Dort zeigte er jedoch keine Krankheitseinsicht, die verschriebenen Medikamente holte er sich nicht ab und eine Therapie nahm er nicht in Anspruch.

Ehefrau hatte Angst und sperrte sich ein

Im Oktober entdeckte die 39-Jährige dann in der Wohnung plötzlich ein Schwert, das ihr Mann dort versteckt hatte. Auch verlangte er, dass die Frau von ihrer Arbeitsstelle Zyanid mitbringen sollte. Die Wissenschafterin hatte daraufhin solche Angst vor ihrem Mann, dass sie sich teilweise zum Schlafen mit dem Kind im Schlafzimmer einsperrte und ihm untersagte mit der Tochter allein zu sein.

Vater wollte Baby den Nacken brechen

Am 10. Dezember 2020 eskalierte die Situation. Die 39-Jährige wachte auf, weil sie ihr Kind weinen hörte. Sie sah ihren Mann beim Gitterbett. Er hatte zuvor das Kind ins Gesicht geschlagen, dann soll er laut Staatsanwältin die Hand auf Nase und Mund gelegt haben und auch den Nacken des Mädchens überstreckt haben. Die Frau entriss ihm das Kind und bat ihn zu gehen. Danach alarmierte sie die Polizei. Der Mann wurde in der Wohnhausanlage festgenommen.

Keine Einweisung in die Anstalt

Der Antrag der Staatsanwaltschaft ihn in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher einzuweisen, ist am Montag abgewiesen worden. Für die Geschworenen lag keine sogenannte Anlasstat vor. Die Geschworenen verneinten einstimmig die Frage nach versuchtem Mord. Die Entscheidung ist bereits rechtskräftig. Der Mann muss keine Auflagen mehr erfüllen. Allerdings darf er sich seiner Familie nicht mehr nähern. "Sie sind ab sofort auf sich gestellt", sagte der Vorsitzende des Schwurgerichts, Stefan Apostol. Er rate dem Mann dringend, sich weiter behandeln zu lassen. Die medikamentöse Behandlung sei der "einzige Weg".

 

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Autor: APA Chronik, 18.10.2021