Affenpocken: WHO ruft weltweiten Notstand aus

Regierungen sollen Maßnahmen zur Eindämmung ergreifen, fordert die Weltgesundheitsorganisation.
Autor: APA Chronik, 24.07.2022 um 08:06 Uhr

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den Affenpocken-Ausbruch in mehr als 60 Ländern zu einer "Notlage von internationaler Tragweite" erklärt. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus hat am Samstag in Genf die höchste Alarmstufe ausgerufen. Praktische Folgen hat das nicht. Die Einstufung soll die Regierungen der Mitgliedsländer dazu bewegen, Maßnahmen zu ergreifen, um den Ausbruch einzudämmen.

Europa besonders gefährdet

Weltweit schätzt die WHO das Pockenrisiko gegenwärtig als moderat ein. Ausnahme ist Europa. Dort sei die Gefahr einer weiteren Verbreitung hoch, füge Tedros hinzu. In Österreich wurden laut AGES bisher 99 Fälle von Affenpocken gemeldet (Stand 22. Juli). Die Erkrankung ist meldepflichtig.

Aufklärung dringend nötig

Die neue Einstufung sollen Ärzte und Kliniken sensibilisieren, bei Verdachtsfällen Schutzmaßnahmen treffen und die Bevölkerung aufklären, wie sie sich vor einer Ansteckung schützen kann. Tedros nannte die Zahl von mehr als 16.000 bestätigten Fällen in mehr als 60 Ländern, von denen viele vorher praktisch keine Affenpocken-Fälle kannten. In sechs afrikanischen Ländern, in denen das Virus schon früher auch Menschen infiziert hat, waren es über 240 Fälle.

Nicht mit Corona vergleichbar

Auch den Ausbruch des Coronavirus SARS-CoV-2 hatte die WHO am 30. Jänner 2020 als solche Notlage deklariert. Das bedeutet aber nicht, dass die Menschen sich nun bei Affenpocken auf dieselben Maßnahmen wie bei der Corona-Pandemie einrichten müssen. Während sich das Coronavirus durch Aerosole mit Virenpartikeln verbreitet, die Infizierte beim Atmen, Sprechen oder Husten ausstoßen, erfolgen Infektionen mit Affenpocken nach derzeitigem Wissensstand in der Regel durch engen Körperkontakt.

Notlagen in der Vergangenheit

Die WHO richtet je nach Krankheit bei Bedarf Notfallausschüsse ein, die mit jeweils anderen Fachleuten besetzt werden. Zur Zeit gilt neben der Notlage internationaler Tragweite wegen Corona seit 2020 auch eine Notlage wegen Polio-Ausbrüchen (seit 2014).

  • 2010: Schweinegrippe H1N1
  • 2014-2016: Ebola
  • 2016: Zika-Virus
  • 2014 bis heute: Polio
  • 2020 bis heute: Corona