Wann gibt es wieder alle Medikamente zu kaufen?

612 Arzneiprodukte sind momentan eingeschränkt verfügbar, 340 davon nicht lieferbar.
Autor: APA Chronik, 23.01.2023 um 12:58 Uhr

Die Versorgungslage mit Medikamenten in Österreich ist noch immer prekär. Nur das Ende der Erkältungswelle kann Entspannung bringen. 612 Arzneiprodukte waren Montagfrüh eingeschränkt verfügbar, 340 davon nicht lieferbar. Jetzt fordert der Verband der pharmazeutischen Industrie (Pharmig) die Anpassung der Medikamentenpreise in Österreich an die Inflation. Zudem brauche es die Rückholung der Produktion nach Europa, hieß es bei einer Pressekonferenz in Wien.

Hohe Nachfrage an Schmerzmitteln

"Die jetzige Situation ist darauf zurückzuführen, dass wir extrem hohe Nachfrage haben nach Erkältungs- und Schmerzmitteln", berichtete Pharmig-Generalsekretär Alexander Herzog. Die Krankheitswelle habe die Erwartungen der Expertinnen und Experten übertroffen. Bei einem Abklingen werde sich die Entspannung bei manchen Produkten wahrscheinlich schneller einstellen als bei anderen, die Produktionsanlagen würden jedenfalls auf Hochtouren laufen, betonte Pharmig-Vizepräsident Bernhard Wittmann.

Lokale Versorgung aufbauen

"Schmerzmittel und Antibiotika kosten teilweise weniger als eine Wurstsemmel", sagte Herzog. Das habe die Produktion in den asiatischen Raum verlagert. "Das halten wir für nicht gut", so der Pharmig-Generalsekretär, der mehr einen "Lieferengpass" als einen "Versorgungsengpass" sah. "Wir tun gut daran, lokale Versorgungen aufzubauen", erläuterte auch Wittmann. Es sei aber "nicht realistisch", bei Arzneimitteln "alles" nach Europa zurückzuholen, meinte der Geschäftsführer der Sigmapharm Arzneimittel GmbH/MoNo chem-pharm Produkte GmbH.

Preise an Inflationsrate anpassen

"Was wir brauchen ist, dass wir unsere Preise an die Inflationsrate anpassen können", forderte Herzog. Der Pharmaindustrie sei es in Österreich nicht gestattet, selbst die Preise anzuheben, sondern jedes Unternehmen müsse dann einen Antrag bei der Sozialversicherung stellen. Das sei ein mühsamer Prozess, der in der Regel negativ entschieden werde, erläuterte Herzog. Es brauche einen automatisierten Prozess.

Pharmabranche hat viel investiert

Die heimischen Pharmaunternehmen hätten in den vergangenen zehn bis 20 Jahren "unglaublich viel investiert", etwa in Qualitätssicherung und Fälschungssicherheit, sagte Wittmann. Das habe sich nicht auf der Preisseite niedergeschlagen. "Preise, die zehn, 20 Jahre gleich bleiben, das funktioniert nicht", betonte er. Herzog warnte davor, dass man im österreichischen Erstattungssystem auf den Preis pro Packung schiele, statt den gesamtgesellschaftlichen Nutzen zu betrachten.

Innovationen auch im niedergelassenen Bereich

Pharmazeutische Innovationen haben beispielsweise dazu geführt, dass Krebs heutzutage besser behandelbar ist und die Überlebensraten gestiegen sind, erklärte Pharmig-Vizepräsidentin Ina Herzer. "Das sind Faktoren, die aus unserer Sicht vom Zahlersystem nicht genug anerkannt werden." Die Geschäftsführerin von Merck Sharp & Dohme Östereich forderte außerdem, dass innovative Arzneien schneller bei den heimischen Patientinnen und Patienten ankommen sollten - nicht nur in Krankenhäusern, sondern auch im niedergelassenen Bereich.