US-Studie: Wird der Regenwald bald zur Savanne?

Weltweit sind im vergangenen Jahr rund 3,75 Millionen Hektar tropischer Urwald zerstört worden. Experten warnen: „Wir nähern uns einem Kipp-Punkt.“
Autor: APA Chronik, 28.04.2022 um 13:23 Uhr

3,75 Millionen Hektar zerstörter Urwald ist etwas weniger Fläche als 2020, aber etwa gleich viel wie in den Jahren 2018 und 2019. Das geht aus einer neuen Berechnung des Washingtoner World Resources Institute (WRI) hervor, die am Donnerstag veröffentlicht wurde. Besonders stark sei weiterhin der brasilianische Regenwald betroffen, heißt es darin.

Nahe am Kipp-Punkt

„Wir nähern uns einem Kipp-Punkt, an dem der Amazonas von einem Regenwald zur Savanne würde – verbunden mit massiven Emissionen“, warnte Mikaela Weisse, stellvertretende Leiterin von Global Forest Watch. Mit Hilfe dieser Plattform beobachten zahlreiche Naturschutzorganisationen unter Leitung des WRI seit 2014 unter anderem mit Satellitentechnik Veränderungen von Waldlandschaften weltweit. Das WRI erstellte den Report gemeinsam mit Forschenden der Universität Maryland.

Alle sechs Sekunden ein Fußballfeld futsch

Urwald, also vom Menschen weitgehend unberührter Naturwald, hat eine große Bedeutung bei der Erhaltung von Biodiversität und ist bei der Speicherung von Kohlendioxid – kurz CO2 – besonders wichtig. Die im Jahr 2021 zerstörte Fläche von 3,75 Millionen Hektar entspricht dem WRI zufolge einem Verlust von einem Fußballfeld Urwald alle sechs Sekunden.

Emissionen wie in Indien

2,5 Milliarden Tonnen CO2 seien dadurch im vergangenen Jahr freigesetzt worden, rechneten die Autoren der Studie vor. Dies entspreche ungefähr den jährlichen Emissionen durch fossile Brennstoffe in Indien.

Es kam aber auch Wald hinzu

Insgesamt seien in den Tropen 11,1 Millionen Hektar an baumkronenbedeckter Fläche verloren gegangen. Allerdings berücksichtigt diese Zahl – bei der es auch um Wirtschaftswald und Baumplantagen geht – nicht, dass auch wieder Wald hinzugekommen ist.