Tödliche Messerattacke auf Vater: Lebenslange Haft

In Innsbruck wurde eine junge Frau wegen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Sie fügte ihrem Vater mit einem Küchenmesser zahlreiche Stich- und Schnittverletzungen zu. Das Urteil der Geschworenen fiel einstimmig aus.
Autor: APA Chronik, 08.12.2022 um 09:16 Uhr

Eine 29-Jährige ist am Mittwoch am Innsbrucker Landesgericht wegen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Das Urteil der Geschworenen fiel einstimmig aus. Der Frau war vorgeworfen worden, im November 2021 in Neustift im Stubaital ihren Vater mit einem Küchenmesser attackiert und ihm zahlreiche Stich- und Schnittverletzungen zugefügt zu haben, an deren Folgen der 57-Jährige schließlich verstarb.

Täterin sei „explodiert“

Vor Gericht hatte die Angeklagte zuvor die Tat gestanden. Sie habe "zugestochen und ihn getötet", sagte die Einheimische. Der Vater sei bei ihrem Besuch in seiner Wohnung "betrunken gewesen und immer aggressiver geworden", gab die Beschuldigte vor den Geschworenen an. "Zuvor habe ich ihn mit verschiedenen Dingen im Gespräch, etwa seiner Alkoholsucht, konfrontiert und er wurde immer bösartiger". Sie habe schließlich "Angst gehabt", sei "immer wütender geworden" und schließlich "explodiert". An den genauen Tathergang im Anschluss habe sie aber "keiner Erinnerung", auch nicht wie das Messer in ihre Hand gekommen sei. Laut ihrer Verteidigerin sei die Tat in einem "irrsinnigen Erregungszustand" begangen worden. "Direkt nach der Tat sei die Angeklagte dann "psychisch zusammengebrochen".

Von Zorn, Wut und Kränkung getrieben

Die einvernommenen Zeugen attestierten der Angeklagten einen "normalen Zustand" am Tag der Tat. Beim vorangegangenen Mittagessen sei "nichts bemerkbar" gewesen, sagte etwa die Mutter der Angeklagten: „Ich hatte einen guten Eindruck von meiner Tochter." Auch ihr Ex-Freund beschrieb sie beim gemeinsamen Essen mit der Mutter als "normal" und "wie immer". Über den genauen Zustand der 29-Jährigen zum Tatzeitpunkt gab schließlich die psychiatrische Sachverständige Adelheid Kastner in ihrem Gutachten Auskunft. "Sie hatte zwar eine eingeschränkte Steuerung ihres Tuns, aber die Zurechnungsfähigkeit war zu keinem Zeitpunkt aufgehoben", erläuterte Kastner im Prozess. Die Angeklagte habe im "dynamischen Tatgeschehen viele Entscheidungen" getroffen und angetrieben von "Zorn, Wut und Kränkung" agiert.

Vater verstarb an Halsverletzung

Gerichtsmediziner Walter Rabl sprach schließlich in dieser Hinsicht von einem Tatgeschehen mit "massiver Wucht". "Zum Tode des Vaters haben letzten Endes eine Kombination aus starkem Blutverlust und Luftembolie geführt". Letztere sei vor allem deshalb eingetreten, weil die "Halsvenen eröffnet waren". Die Halsverletzungen seien schließlich auch die "tödlichen Verletzungen" gewesen, so Rabl.

Gemetzel oder Mord im Affekt?

In seinem Schlussplädoyer plädierte der öffentliche Ankläger abermals auf schuldig im Sinne der Anklage: "Es hat sich bei der Tat um ein Gemetzel gehandelt, nicht um einen einzelnen Messerstich". Die Vorgeschichte mit den innerfamiliären Streitereien liege mit dem Jahr 2018 zudem schon etwas zurück. Es gebe somit aus seiner Sicht "keinen Spielraum", was die richtige Rechtssprechung betreffe. Dem widersprach die Verteidigerin der Angeklagten: "Mit dieser Familienvorgeschichte muss man absolut von Mord im Affekt ausgehen". Der Vater habe die Familie regelrecht drangsaliert und habe mehrere gefährliche Drohungen gegen diese ausgesprochen.