Täglich mindestens eine HIV-Diagnose in Österreich

Im Schnitt erhält in Österreich täglich eine Person eine HIV-Neudiagnose.
Autor: APA Chronik, 29.11.2022 um 14:14 Uhr

Im Schnitt hat in Österreich im Vorjahr jeden Tag eine Person eine HIV-Neudiagnose erhalten. Insgesamt waren es 376 Menschen, die Anzahl war etwas höher als 2020. Die Österreichische Aids Gesellschaft geht davon aus, dass es etwa 9.000 HIV-Infizierte Personen in Österreich gibt - das sind bei neun Millionen Einwohnerinnen und Einwohner etwa 0,1 Prozent der Bevölkerung. Am 1. Dezember findet der Welt-Aids-Tag statt. Die Aids Hilfe sieht dringenden Handlungsbedarf.

Kampf gegen Diskriminierung

Der Welt-Aids-Tag wurde heuer von UNAIDS unter das Motto „Equalize“ gestellt. Denn der Kampf gegen Ungleichheiten ist gerade im Bereich der AIDS-Pandemie besonders wichtig. Es geht nicht nur um einen gemeinsamen Kampf gegen Stigma und Diskriminierung, sondern um gleiche Rechte - insbesondere auch im Zusammenhang mit sexueller Gesundheit.

Über sexuelle Gesundheit wird zu wenig gesprochen. Oft gilt es noch als Tabu, unsere Bedürfnisse, Wünsche, Probleme oder auch Ängste anderen gegenüber auszudrücken und das kann zu gesundheitlichen Belastungen führen. – Andrea Brunner, Geschäftsführerin der Aids Hilfe Wien.

Jeder fünfte Erkrankte über 50 Jahre

Knapp 42,5 Prozent der betroffenen Personen erfahren von ihrer HIV-Infektion erst in einem fortgeschrittenen Stadium, informierte die Aids Hilfe. Eine späte Diagnose - auch late presentation - kommt vor allem bei Menschen über 50 Jahren sowie nicht aus Österreich stammenden Personen vor. Im Jahr 2021 war etwa jede fünfte Person zum Zeitpunkt der Diagnose über 50 Jahre alt. Bei MSM (Männer, die Sex mit Männern haben) wird eine Diagnose meist früher gestellt. Als Gründe dafür, dass die Infektion lange unbemerkt bleibt, können mangelndes Risikobewusstsein genannt werden oder die Angst vor eine Diagnose - auch aufgrund möglicher gesellschaftlicher Diskriminierung.

Beschwerlicher Zugang zu Präventionsmitteln

Außerdem wird eine Verbesserung der Verfügbarkeit und Qualität für HIV-Behandlung, -Tests und -Prävention, verlangt, damit alle Menschen gut versorgt sind. Dazu gehört unter anderem auch der niederschwellige und kostenfreie Zugang zur Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP). Dabei handelt es sich um HIV-Medikamente, die von einer HIV-negativen Person vorbeugend eingenommen werden. Bei korrekter Einnahme ist sie ein ebenso zuverlässiger Schutz wie das Kondom. Die PrEP ist in ausgewählten Apotheken um 59 Euro pro Packung (30 Stück) erhältlich, die Kosten werden ebenso wenig wie die nötigen Untersuchungen nicht von der Krankenkasse übernommen. Außerdem ist ein Privatrezept von einem HIV-Spezialisten notwendig. Damit ist dieses wirkungsvolle präventive Medikament für viele besonders vulnerable Gruppen nicht oder schwer leistbar - der Zugang ist somit sehr hochschwellig, kritisierte die Aids Hilfe Wien. Sie fordert eine Finanzierung der PrEP durch die öffentliche Hand dringend nötig.