Salzburg: Schwere Missstände in Horror-Pflegeheim

Eine Bewohnerin wog nur mehr 42 Kilo und war bereits so wundgelegen, dass der Steißknochen zu sehen war. Sie starb.
Autor: APA Chronik, 08.09.2022 um 10:03 Uhr

Die Volksanwaltschaft hat bei der Prüfung eines Salzburger Seniorenheims schwere Pflegemängel aufgedeckt. So fand sie eine "Bewohnerin, die nur mehr 42,5 Kilo wog und bereits so wundgelegen war, dass durch die offene Wunde der Steißknochen frei zu sehen war", heißt es in dem Bericht.

Angehörige meldeten die Misstände

Anlass der unangekündigten Kontrolle am 21. April 2022 war eine Meldung der Bewohnervertretung, die Mitte März an die Volksanwaltschaft und die Aufsichtsbehörde beim Land Salzburg herangetreten war und von pflegerischen Defiziten, anhaltender Personalfluktuation und hohen Krankenständen sprach. All diese Hinweise haben sich bei der Kontrolle bestätigt.

Aus der Wunde trat Fäulnisgeruch

Als "besonders dramatisch" wurde der Fall einer nur mehr 42,5 Kilo schweren Frau eingestuft, die unter starken Schmerzen litt. Bei der Beobachtung eines Verbandswechsels wurde "ein massives Druckgeschwür mit Beteiligung des Steißknochens und einer etwa zwei Hände großen Hauttasche freigelegt". Vom Wundgeschehen sei bereits Fäulnisgeruch ausgegangen. Der Frau sei vor dem Verbandswechsel weder ein Schmerzmedikament angeboten, noch sei sie nach aktuellen Schmerzen gefragt worden. Es sei auch keine professionelle Reinigung der Wundränder erfolgt. Zudem sei aus der Pflegeaufzeichnung nicht hervorgegangen, wann der Zustand der Frau zuletzt mit einem Arzt besprochen wurde.

Die Frau starb nach dem Besuch

Die Kommission stufte die Situation als lebensbedrohlich ein und befürwortete einen sofortigen Transfer in eine Krankenanstalt. Wie die Kommission später erfuhr, verstarb die Frau kurze Zeit nach dem Kommissionsbesuch. Generell beurteilte die Kommission das Ernährungs-, Schmerz- und Wundmanagement des Pflegeheims "in weiten Teilen mangelhaft". Auch der Umgang mit Mangel- bzw. Unterernährung zeigte pflegerische Defizite und dringenden Handlungsbedarf auf.

Wer trägt die Verantwortung?

Dem Bericht zufolge führte die Aufsichtsbehörde zwar mehrmals Kontrollen im Heim durch, habe es aber unterlassen, "Mängel förmlich festzustellen und einen verbindlichen Auftrag zur Behebung bzw. Verbesserung zu erteilen". Nach Ansicht der Volksanwaltschaft wäre das Land aber zu "aufsichtsbehördlichen Maßnahmen" verpflichtet gewesen. Sollte dies nicht erfolgen, seien die Maßnahmen durch einen behördlichen Auftrag einzufordern, bei Nichterfüllung der behördlichen Aufträge sei die Pflegeeinrichtung teilweise oder gänzlich zu schließen.

Politik sieht kein Versagen

Der für die Aufsicht verantwortliche LHStv. Heinrich Schellhorn (Grüne) sagte gegenüber Ö1, die Heimaufsicht sei "nah dran" gewesen, habe Empfehlungen ausgesprochen und verbindliche Vereinbarungen mit dem Heimbetreiber getroffen, um die Situation zu verbessern. Es habe aber tatsächlich zu wenig Personal gegeben, was zu Qualitätsproblemen in der Pflege geführt habe. Mit dem Träger sei daher eine Reduktion der Bewohnerzahl vereinbart worden. Volksanwalt Bernhard Achitz sieht neben dem Land aber auch den Bund in der Pflicht.

Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft

Laut "Salzburger Nachrichten" ermittelt inzwischen in der Sache auch die Staatsanwaltschaft Salzburg, und zwar wegen des Verdachts auf "Quälen und Vernachlässigung unmündiger, jüngerer oder wehrloser Personen" und wegen des Verdachts auf Körperverletzung.