Omikron-Variante könnte in HIV-Patienten entstanden sein

Die neue Virusvariante wurde zuerst im südlichen Afrika festgestellt. Mittlerweile sind in etlichen Ländern Fälle der Variante aufgetaucht, darunter auch ein bestätigter Fall in Österreich. Auch Großbritannien, Israel, Kanada, Dänemark, Belgien, Tschechien, Deutschland und Italien meldeten Fälle. In den Niederlanden wurden bei 13 Reisenden Omikron-Infektionen festgestellt. Zuletzt kam in der Schweiz ein Verdachtsfall dazu.

Virologe Drohten ist "ziemlich besorgt"

Der deutsche Virologe Christian Drosten sagte er sei wegen der Variante "ziemlich besorgt". Man wisse nicht allzu viel über sie. Berichte über milde Verläufe hätten noch nicht sehr viel Substanz angesichts von nur gut 1.000 Fällen, so Drosten. Hier müsse man die klinischen Verläufe abwarten. Man sehe aber, dass sie häufig bei jungen Leuten in Südafrika auftauche und auch Menschen betreffe, die eine Erkrankung schon hinter sich haben. Er habe die Sorge, dass man die erste wirkliche "Immunfluchtmutante" vor sich habe.

Omikron könnte in HIV-Patient entstanden sein

Welche genauen Auswirkungen die Mutante hat, steht allerdings noch nicht fest. Die überraschend viele Mutationen tragende Variante Omikron könnte Experten zufolge in einem Patienten mit einer Form der Immunschwäche, etwa HIV, entstanden sein. Viele HIV-Patienten in Afrika, wo die Variante zuerst auffiel, werden nicht ausreichend therapiert, weshalb ihr Immunsystem deutlich geschwächt ist. In Menschen mit geschwächtem Immunsystem kann sich das Virus über viele Wochen vermehren.

Staaten reagieren mit Reisebeschränkungen

Viele Länder, darunter die USA, Großbritannien oder Israel, haben wegen Omikron wieder schärfere Reisebeschränkungen eingeführt. Österreichische Reiserückkehrer aus südafrikanischen Ländern müssen einen negativen PCR-Test vorweisen und eine bis zu zehntägige Quarantäne antreten. Das Bundesheer kontrolliert und hat dabei Umsteige-Flughäfen im Blick. Zuletzt kündigte Regierungschef Fumio Kishida für Japan an, dass Ausländer ab Dienstag (30. November) nicht mehr einreisen dürfen. Aus bestimmten Ländern zurückkehrende Japaner müssen in Quarantäne in speziellen Einrichtungen.

Israel schloss Grenzen komplett

Auch Israel schloss seine Grenzen am Sonntagabend erneut komplett für Ausländer. Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa kritisierte die Reisebeschränkungen als ungerechtfertigt. "Diese Beschränkungen sind eine unfaire Diskriminierung unseres Landes und unserer Schwesterstaaten", sagte Ramaphosa in einer Fernsehansprache und appellierte, die Entscheidungen noch einmal zu überdenken, "bevor sie noch mehr Schaden anrichten". Vergangenen Donnerstag hatten südafrikanische Virologen die Entdeckung der neuen Variante bekanntgegeben. Sie waren stutzig geworden, weil die landesweite Inzidenz von knapp zwei plötzlich auf neun Prozent in die Höhe geschnellt war. Der südafrikanische Virologe Salim Abdool Karim erwartet in dem Kap-Staat bis zum Ende der Woche einen Anstieg der landesweiten Corona-Infektionen um rund 10.000 neue Fälle. Dennoch bestehe kein Grund zur Panik, sagte er am Montag. Für Dezember erwartet er ein schnelles Ansteigen der Fallzahlen und mehr Druck auf die Krankenhäuser.

Autor: APA Chronik, 29.11.2021