185 Millionen ungenutzte Kleidungsstücke in Österreichs Schränken

Die Arbeiterkammer und Greenpeace haben herausgefunden, dass wir Österreicher rund die Hälfte unserer Kleidungsstücke nicht tragen. Rund 185 Millionen Stücke fristen daher ein tristes Dasein in unseren Schränken.
Autor: APA Chronik, 18.01.2023 um 16:00 Uhr

Rund die Hälfte der Kleidung, die in den Kästen der Österreicherinnen und Österreicher liegt, wird kaum bis gar nicht getragen. Eine Umfrage im Auftrag der Arbeiterkammer (AK) und Greenpeace errechnete 185 Millionen fast ungenützte Kleidungsstücke. "Die Trends von heute sind morgen schon wieder Müll", brachte es Greenpeace-Konsumexpertin Lisa Panhuber am Mittwoch bei einer Pressekonferenz auf den Punkt. Die Fast Fashion wurde zum Umweltproblem.

Die schnelllebige Modeindustrie "heizt die Klimakrise an, verschmutzt Flüsse und Meere und ist für untragbare Arbeitsbedingungen für Millionen von Menschen verantwortlich", sagte Panhuber. Nur drei Prozent der Textilien weltweit werden recycelt. "Es wird zu viel produziert und weggeworfen, Kleidung wird zu kurz getragen", betonte auch AK-Konsumforscherin Nina Tröger. "Es braucht Änderungen im Verhalten - ein Umdenken bei Produzentinnen und Produzenten, Händlerinnen und Händlern, aber auch Konsumentinnen und Konsumenten - und gesetzliche Regeln".

Befragung unter Tausenden

Für die Erhebung, wie es in Österreichs Kleiderkästen aussieht, wurden 1.506 Personen vom Institut Integral befragt. Jeder Zweite kauft bei große Modeketten oder in Online-Shops. Für die meisten ist zwar lang tragbare und funktionelle Kleidung wichtig, doch die Realität sieht anders aus. Da ist vor allem der günstige Preis ausschlaggebend, vor allem aufgrund der derzeit herrschenden Teuerung. "Obwohl den Konsumentinnen und Konsumenten die Schattenseiten der Modebranche bewusst sind, sind oft ein günstiger Preis und Bequemlichkeit, Stichwort Online-Shoppen, bestimmend", sagte Tröger.

Vier Fünftel der Befragten stimmten der Aussage zu, die Umwelt werde durch Kleiderüberproduktion massiv belastet (86 Prozent) und Fast Fashion sei ein großes Übel (81 Prozent). "In einer klimaverträglichen Welt kaufen wir nicht Wegwerfkleidung, sondern können in vielen Geschäften Second Hand-Kleidung kaufen, Mode ausleihen und reparieren", meinte Panhuber. 20 Prozent der weltweiten Wasserverschmutzung gehe auf die Textilindustrie zurück.

Jährliche Ausgaben recht hoch

Die Befragten geben im Schnitt jährlich 792 Euro für Bekleidung aus. Sie sagen, im vergangenen Jahr durchschnittlich 18 Kleidungsstücke gekauft zu haben, was allerdings deutlich unter der bei Handelsbilanzen ausgewiesenen 50 bis 60 Kleidungsstücken pro Person und Jahr liegt. 49 Prozent der Befragten kaufen in Filialen von großen Modeketten wie H&M oder Zara ein sowie in Online-Shops oder aus Katalogen von großen Händlern wie Amazon oder Shein (48 Prozent). Ein Drittel der Befragten haben immerhin Kleidung im Second Hand gekauft, allen voran junge Menschen, die allerdings auch gerne bei Billig-Händlern wie Shein kaufen, wo T-Shirts mit einem Preis von 50 Cent angeboten werden.

Rund die Hälfte der Kleidung (48 Prozent) wird oft getragen, 25 Prozent gelegentlich, 15 Prozent selten bzw. maximal einmal im Quartal und zwölf Prozent nie. Die Nutzungsdauer liegt bei Schuhen bei rund 2,9 Jahren, bei Hosen rund drei Jahre und bei Jacken und Mäntel bei 4,8 Jahre. Junge Menschen tauschen ihre Garderobe öfter aus als ältere. Der Anteil von Kleidung, die nur ein Jahr lang getragen wird, wurde immer höher. Im Bundesländervergleich geben die Tiroler monatlich das meiste Geld für neue Kleidung aus. Die Niederösterreicher besitzen die meisten Kleidungsstücke, die Vorarlberger die wenigstens. Dafür ist in Wien der Anteil der nicht getragenen Kleidung am höchsten.

Zu wenig Recycling

Ein bisschen mehr als die Hälfte der Befragten (52 Prozent) sagt, aussortierte Kleidung in Textilboxen zu geben. 38 Prozent spenden sie gemeinnützigen Organisationen. Jeder bzw. jede Dritte (33 Prozent) entsorgt Textilien aber im Müll. 24 Prozent verschenken sie weiter, zwölf Prozent verkaufen sie online weiter.

Nur der geringste Teil entsorgter Kleidung wird recycelt. Der größte Teil wird noch in den Ländern des Globalen Nordens verbrannt oder in den Globalen Süden exportiert und flutet dort die Textilmärkte, wird verbrannt oder landet im Müll, machte Panhuber aufmerksam. So wurden 2018 in Österreich 170.042 Tonnen Textilabfälle verbrannt und 41.000 Tonnen getragene Kleidung exportiert, aber nur 15.071 Tonnen recycelt. Weltweit wird jede Sekunde eine Lkw-Ladung an Kleidungsstücken verbrannt oder auf einer Mülldeponie entsorgt.