Missbrauchsvorwurf gegen Wiener Kindergärtner

In einem städtischen Wiener Kindergarten soll ein Pädagoge Mädchen und Buben sexuell missbraucht haben.
Autor: APA Chronik, 16.05.2022 um 14:42 Uhr

Schwere Vorwürfe gegen einen männlichen Pädagogen in einem Kindergarten der Stadt Wien: Dem Mann wird vorgeworfen, ein Kind beim Wickeln unsittlich berührt zu haben. Zwei weitere Fälle werden derzeit untersucht. Der Fall liegt bei der Staatsanwaltschaft.

Eltern wurden nicht informiert

Die Eltern der anderen Kindergartenkinder übten scharfe Kritik an der Vorgehensweise der zuständigen Behörde. Sie seien erst nach einem Jahr über die Vorfälle informiert worden, kritisieren sie. Der zuständige Stadtrat Christoph Wiederkehr (NEOS) will ihnen nun umfassend berichten.

Auslöser war Fall im März 2021

Eine Familie habe das Gespräch mit der Kindergartenleitung gesucht, da ihre Tochter von intimen Berührungen des Pädagogen erzählte, heißt es. Nun gibt es zwei weitere Fälle. Laut Staatsanwaltssprecherin Nina Bussek werden nun drei Fälle von der Behörde überprüft. Es geht um den Vorwurf des schweren sexuellen Missbrauchs von Unmündigen bzw. sexueller Missbrauch von Unmündigen. In dem Fall, der ein Jahr zurückliegt, wurde ein Gutachten beauftragt, auf dessen Ergebnis nun laut Bussek gewartet werde.

Verdächtiger arbeitet im Innendienst

In den zwei neuen Fällen, die eben erst bekannt geworden sind, müssen Gutachten noch eingeholt werden. Laut einem Bericht der "Kronen Zeitung" wurde der Verdächtige zwar nach Bekanntwerden des Verdachts in den Innendienst versetzt und angezeigt, einem größeren Personenkreis wurde von der Causa aber offenbar nicht erzählt. Eltern anderer Kinder werfen der Magistratsabteilung 10 (Kindergärten) laut "Krone" vor, viel zu spät informiert zu haben. Konkret soll dies erst 13 Monate später bei einem Elternabend - und nicht sofort nach Bekanntwerden des ersten Falls - geschehen sein. Wiederkehr will dies nun nachholen.

Wiederkehr will den Fall aufklären

"Der konkrete Verdachtsfall macht betroffen - wir können die Emotionen der Eltern völlig nachvollziehen, unabhängig davon, ob sich die Vorwürfe gegen den Pädagogen als richtig herausstellen oder nicht", so Wiederkehr. Er habe eine Reihe von Maßnahmen eingeleitet. Der Stadtrat versprach eine "umfassende und transparente Information" an die Eltern des Kindergartens. Dazu sei noch für diese Woche ein Elternabend mit externer Begleitung durch die MA10 einberufen worden. Die Kinder- und Jugendanwaltschaft habe er zudem beauftragt, den Fall unabhängig und zügig zu prüfen. Sie diene auch als zusätzliche Anlaufstelle für die betroffenen Eltern.

Kritik der Opposition am Vorgehen

Die Wiener ÖVP befand, dass der Fall "regelrecht totgeschwiegen" wurde. Die medial ebenfalls kolportierte Bitte an die Eltern, sich nicht an Medien zu wenden, wurde als "Sprechverbot" tituliert. Die FPÖ zeigte sich erstaunt, dass der Mann nicht suspendiert wurde - und fordert nun auch die Suspendierung der Leiterin der MA10. Die Grünen zeigten sich laut eigenen Angaben ebenfalls "entsetzt" und verwundert darüber, dass Wiederkehr selbst offenbar erst vor wenigen Tagen informiert wurde. Via Aussendung wurde volle Transparenz in der Causa eingefordert.