Medikamenten-Engpass: Krisenlager dringend notwendig

Mehr als 540 Medikamente sind derzeit nicht verfügbar. Die Kritik an der Abhängigkeit von Indien und China wird immer lauter.
Autor: APA Chronik, 03.01.2023 um 11:21 Uhr

Aktuell sind laut Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) mehr als 540 Arzneimittel nicht oder nur eingeschränkt verfügbar. Ärztekammer-Vizepräsident Harald Mayer kritisiert die Abhängigkeit in der Herstellung von Asien. Andreas Windischbauer, Präsident des Verbands der Arzneimittelgroßhändler (Phago), verwies auf eine "außergewöhnliche Situation", ein "Krisenlager" sei nötig.

Krisenlager für wichtige Arzneimittel

"Wir brauchen ein Krisenlager für ganz wichtige Arzneimittel, weil es in globalen Lieferketten immer wieder zu Problemen kommen kann. Das ist ein Faktum und wir müssen gerade bei jenen, die nicht austauschbar sind, wesentlich autarker sein", sagte Windischbauer. Vieles könne nur auf europäischer Ebene passieren, aber in diesem Bereich müsse Österreich selbst einen Vorrat schaffen.

Schlechte Verfügbarkeit von Antibiotika

"Nach zwei sehr schwachen Jahren mit sehr niedrigen Infektionsgeschehen haben wir jetzt auch für ein Normaljahr ein sehr starkes Infektionsgeschehen", meinte er weiter. Das merke man vor allem bei der schlechteren Verfügbarkeit von Antibiotika. "Und wir sehen leider überall, dass auch durch die Pandemie die globalen Lieferketten stark unter Druck geraten sind."

Keine Produktion in Europa

"Aus Kostengründen produzieren die meisten Arzneimittelhersteller nicht mehr in Europa, sondern fast nur noch in Asien, vor allem in China und Indien. Oft wird ein Wirkstoff nur noch an einem oder zwei Standorten weltweit produziert. Dasselbe gilt für die Lagerung, die zunehmend an wenigen Standorten der Hersteller im Ausland und nicht mehr in Österreich oder anderen EU-Ländern erfolgt", wird das Engpass-Problem in einer Stellungnahme der Apothekerkammer beschrieben.

Abhängigkeit von Drittländern

"Wir sind weiter abhängig von Rohstoffen aus diversesten Drittländern und wir haben es nicht geschafft, eine vernünftige EU-weit einheitliche oder von mir aus auch gemeinsam mit den Vereinigten Staaten und Großbritannien eine Versorgung an Medizinprodukten herzustellen oder zu versuchen aufzubauen", kritisierte Mayer. 

Eigene Vorräte für Österreich gefordert

Nötig sei, "die Vorräte nicht nur in Europa, sondern auch die Vorräte in Österreich" zu erhöhen. Dafür müsse man diese Produkte aber auch kaufen können, "und derzeit sind wir abhängig von den Kontingenten, die wir in Österreich zugeteilt bekommen". Die Herstellung nach Europa zu holen "ist ein langjähriger Vorgang". Zudem hätten gerade die gängigsten Mittel enorm niedrige Preise - "70 Prozent der Arzneimittel liegen unter sechs Euro". Auf diesem Niveau sei "keine Herstellung in Europa möglich", betonte Windischbauer.