Kärnten: Ganze Ortschaft überflutet

Schwere Unwetter haben in der Nacht auf Mittwoch ganze Ortschaften im Bezirk Villach-Land verwüstet. Bäche traten über die Ufer, Muren gingen ab und verschütteten die Häuser teils bis zum ersten Stock.
Autor: APA Chronik, 29.06.2022 um 09:21 Uhr

Besonders betroffen war das Gegendtal: In Treffen am Ossiacher See und in der Gemeinde Arriach wurde noch in der Nacht eine Zivilschutzwarnung ausgegeben. Die Bewohner wurden aufgefordert, in den Häusern zu bleiben – im Freien herrsche Lebensgefahr.

30 Feuerwehren im Einsatz

„Mehrere Bäche sind über die Ufer getreten. Der Großraum Treffen ist komplett überflutet und vermurt“, sagte Hans-Jörg Rossbacher von der Landesalarm- und Warnzentrale (LAWZ) Mittwochfrüh auf APA-Anfrage. Ein Einsatzstab wurde einberufen, er tagte im Feuerwehrhaus in Treffen. Erstes Ziel der rund 30 Feuerwehren, die in dem Gebiet im Einsatz sind, war es vorerst, Häuser zu erreichen, in denen noch Personen eingeschlossen sind.

Bundesheer und Rotes Kreuz

Wie viele Gebäude genau betroffen sind, könne man vorerst nicht sagen. In den frühen Morgenstunden startete ein Polizeihubschrauber zu Erkundungsflügen, auch das Bundesheer wurde angefordert. Seit 4.00 Uhr stand das Rote Kreuz im Einsatz, sagte Rot-Kreuz-Sprecherin Melanie Reiter. Was den Einsatz aber enorm erschwert, sind die Vermurungen: „Ab dem Feuerwehrhaus Treffen kommt man nicht mehr weiter. Es kommt kein Fahrzeug durch, man braucht schweres Gerät.“ Neben der Katastrophenhilfsmannschaft ist das Rote Kreuz auch mit einem Kriseninterventionsteam im Gegendtal.

Ausgelöst worden waren Muren und Überflutungen durch heftigen Regen in der Nacht. Laut Wetteraufzeichnungen fiel allein in der Zeit von 2.00 bis 6.00 Uhr 117 Liter Niederschlag pro Quadratmeter – damit regnete es innerhalb von vier Stunden so viel wie ansonsten innerhalb von mehreren Wochen.

Noch nie so viel Regen in so kurzer Zeit

Seit Messbeginn der jeweiligen Wetterstation gab es laut ZAMG noch nie so große Regenmengen in so kurzer Zeit. In Villach wird seit dem Jahr 1930 gemessen, auf der Flattnitz seit 1971 und in Arriach seit 1990. Statistisch gesehen könne man von einem Ereignis sprechen, das ungefähr alle 100 Jahre zu erwarten ist, erklärte Hohenwarter. Der Wetterausblick für das betroffene Gebiet war vorerst nicht optimal: Bevor sich das Wetter am Donnerstag beruhigt, sind in Kärnten, der Steiermark und Teilen von Ober- und Niederösterreich noch weitere Regenschauer und Gewitter möglich.

Orkanartige Böen

Bereits am Dienstagabend hatten die Unwetter in Kärnten begonnen, in Villach, den Bezirken Villach-Land und Feldkirchen sowie rund um den Millstätter See und in Bad Kleinkirchheim rückten 70 Feuerwehren zu 150 Einsätzen aus. Besondere Probleme bereitete Sturm mit teilweise orkanartigen Böen. Bäume stürzten um und ganze Dächer wurden abgedeckt. Laut Polizei wurden auch Stromkabel gekappt. Wie zum Beispiel in Ferlach: Durch einen Blitzschlag stürzte eine 15 Meter hohe Linde auf eine Oberstromleitung. Durch die Zugkraft der niedergedrückten Stromleitung wurden die Dächer von zehn Gebäuden beschädigt, indem die Dach-Stromhalterungen ausrissen.