Terror-Anschlag in Istanbul: Verdächtige festgenommen

Bei einem Anschlag auf einer Einkaufsstraße in Istanbul sind mindestens sechs Menschen getötet worden. Eine Verdächtige wurde festgenommen.
Autor: Stefanie Hermann, & APA Politik 14.11.2022 um 06:51 Uhr

Bei einem Anschlag im Zentrum der türkischen Metropole Istanbul sind am Sonntag nach offiziellen Angaben mindestens sechs Menschen getötet und 81 weitere verletzt worden. Hinweise, dass sich auch Österreich unter den Opfern befinden könnten, gibt es aktuell nicht. Der türkische Vizepräsident Fuat Oktay spricht von einem "Terroranschlag" auf der belebten Einkaufsstraße Istiklal. Einsatzkräfte hätten die Person, die die Bombe dort deponiert habe, festgenommen, zitierte der staatsnahe Sender TRT Innenminister Süleyman Soylu in der Nacht auf Montag.

Verdächtige festgenommen

Es gebe Verbindungen zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, hieß es. Sie steht in der Türkei, Europa und den USA auf der Terrorliste. Soylu kündigte laut TRT Vergeltung an. Videoaufnahmen zeigen, wie eine Frau etwa 40 Minuten lang auf einer Bank sitze und wenige Minuten vor der Explosion aufstehe, sagte Justizminister Bekir Bozdag. In den sozialen Medien wurde das Foto der mutmaßlichen Attentäterin verbreitet: "Das erste Foto der Frau, die vor der Explosion angeblich das Bombenpaket auf den Rand des Blumentopfs gelegt hatte."

"Geruch von Terror"

Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte kurz zuvor erklärt, es handle sich bei der Explosion um einen "hinterhältigen Anschlag". Definitiv von Terrorismus zu sprechen, sei vielleicht falsch, schränkte er ein. Aber der Gouverneur der Metropole, Ali Yerlikaya, habe ihm gesagt, es liege ein "Geruch von Terror" in der Luft, so Erdogan weiter. "Die Verantwortlichen werden die Strafe bekommen, die sie verdienen", fügte er hinzu. Istanbul und andere türkische Städte waren in der Vergangenheit wiederholt von politisch motivierten Anschlägen militanter kurdischer oder islamistischer Gruppen erschüttert worden.

Dutzende Menschen verletzt

Die Detonation hatte sich laut Yerlikaya um 16.20 Uhr Ortszeit (14.20 Uhr MEZ) zugetragen. Oktay zufolge kamen vier Menschen an Ort und Stelle ums Leben. Unter den Toten seien auch ein Ministeriumsmitarbeiter und seine Tochter, schrieb Familienministerin Derya Yanik am Abend auf Twitter. Während 39 Verletzte bis zum Abend aus dem Krankenhaus entlassen werden konnten, befanden sich 42 Personen noch in Behandlung. Davon waren fünf auf der Intensivstation, zwei von ihnen galten als schwer verletzt, sagte Gesundheitsminister Fahrettin Koca.

Explosion in der Einkaufsstraße

Auf nicht verifizierten Aufnahmen, die über die sozialen Medien verbreitet wurden, war ein Feuerball inmitten der belebten Straße zu sehen. Andere ebenfalls zunächst nicht verifizierte Bilder zeigten mit Blut überströmte Menschen, die reglos auf dem Boden lagen. Ein Kellner in einem Restaurant in der Nähe des Anschlagsorts berichtete, er habe einen lauten Knall gehört und Menschen wegrennen sehen.

Nachrichtensperre, um Panik zu vermeiden

Rettungskräfte und Polizei waren in großer Zahl am Ort im Einsatz, berichtete der staatliche Sender TRT. Hubschrauber überflogen das Stadtviertel Beyoglu und angrenzende Stadtteile. Die Rundfunkbehörde verhängte eine vorläufige Nachrichtensperre, damit es nicht zu Panik in der Bevölkerung kommt.

Beileidsbekundungen aus Österreich

Umgehend gab es zahlreiche internationale Beileidsbekundungen, auch aus Österreich. Bundespräsident Alexander Van der Bellen war in "Gedanken bei den Familien der Opfer". "Ich hoffe, dass die Hintergründe schnellstmöglich aufgeklärt werden können", schrieb Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) am Sonntagabend auf Twitter.

Das Außenministerium schrieb von "grauenvollen Nachrichten" aus Istanbul und übermittelte den Verletzten Genesungswünsche. Ihr "tiefes Mitgefühl" den Opfern und deren Familien bekundete auch die Vorsitzende des außenpolitischen Ausschusses im Parlament, SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner. Der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) zeigte sich auch in einem Tweet auf Türkisch "tief betroffen" vom "Gewaltakt" in Istanbul.