Ist Tempo 130 auf der Autobahn bald Geschichte?

Die Tiroler ÖVP und Grünen streiten um generelle Tempolimits.
Autor: APA Chronik, 02.06.2022 um 13:13 Uhr

Verkehrsministerin Leonore Gewessler (Grüne) präsentierte eine Novelle der Straßenverkehrsordnung (StVO) und schlägt eine generelle Temporeduktion auf allen Straßen vor. Doch ÖVP und Grüne sind sich offenbar uneins bei diesem Thema. Statt den Tempolimits 50/100/130 km/h im Ortsgebiet, auf Freilandstraßen und Autobahnen soll dann dort 30/80/100 km/h gelten.

Kein Konsens zwischen ÖVP und Grünen

Die ÖVP bezeichnete den Vorstoß als "ideologiegetrieben". Die Grüne Verkehrslandesrätin und Landeshauptmannstellvertreterin Ingrid Felipe (Grüne) sagt hingegen. "Eine Temporeduktion erhöht die Verkehrssicherheit, reduziert den CO2-Ausstoß, mindert die Luft-und Lärmbelastung und spart zudem auch noch Treibstoff". Mit dem Koalitionspartner ÖVP soll ebenjener akkordiert sein, doch das wird jetzt bestritten. An Tempo 100 auf der Autobahn sind die Tiroler mittlerweile gewöhnt - schließlich gilt das Limit seit Einführung des "IG Luft-100ers" auf Teilen der Inntal- und Brennerautobahn.

Tiroler ÖVP trägt Entscheidung nicht mit

Doch bei der Abstimmung zwischen den Koalitionären dürfte etwas schief gelaufen sein: VP-Verkehrssprecher LAbg. Florian Riedl zeigte in einer Aussendung nämlich "kein Verständnis für die grünen Rufe nach einer generellen Tempo-Reduktion". Die Tiroler Volkspartei trage dies nicht mit, dadurch würde man im "Bemühen, die Verkehrsbelastung für die Menschen zu reduzieren, keinen Schritt" weitergebracht.

FPÖ zeigte sich über Vorschlag empört

Verkehrspolitik dürfe "nicht aus ideologischen Motiven heraus betrieben und Autofahrer dürfen nicht pauschal ausgebremst werden", meinte Riedl.  Die FPÖ zeigte sich über eine Temporeduktion sogleich empört: "Denkt eigentlich in der ÖVP und bei den grünen Autohassern noch irgendwer an die Bevölkerung?", fragte Landesparteiobmann Markus Abwerzger. Durch die Maßnahme würde der ländliche Raum ausgedünnt, ein "Massenzuzug in die Ballungszentren" sei die Folge, meinte er.

"Rückkehr in die Neandertaler-Epoche"

Das Öffi-Netz entspreche zudem nicht dem, "was die Grünen und die ÖVP immer der Bevölkerung vorgaukeln". Die niedrigeren Tempolimits wären "eine verkehrspolitische Rückkehr in die Neandertaler-Epoche", sagte Abwerzger. Mit der Neufassung der StVO sollen Radfahren und Zufußgehen sicherer und attraktiver werden. Zukünftig soll beim Radverkehr unter anderem Rechtsabbiegen bei Rot oder Nebeneinanderfahren möglich sein, fußgängerfreundlichere Ampelschaltungen und neue Regeln an Öffi-Haltestellen sind weitere Neuerungen.