Hitzewelle erreicht Nordeuropa

Nach Angaben von Meteorologen verschiebt sich die Hitzeglocke über Europa nach Norden. Damit könnte sich die Lage in Südeuropa etwas entspannen.
Autor: APA Chronik, 19.07.2022 um 12:16 Uhr

Die glühende Hitze hatte verheerende Waldbrände vor allem in Frankreich, Portugal und Spanien ausgelöst. Sicherheitskräfte sind dort seit Tagen im Einsatz, Hunderte Menschen starben an den Folgen der Hitze und Tausende Menschen mussten angesichts nahender Feuersbrünste vorsorglich ihre Häuser verlassen.

Bis zum „Hitze-Notstand“

Großbritannien und Deutschland stellten sich indes auf den vorläufigen Höhepunkt der Hitzewelle mit neuen Rekorden ein. In Großbritannien bereiteten staatliche und private Einrichtungen nach der heißesten je gemessenen Nacht auf Rekordtemperaturen in Höhe von 40 Grad vor. "Wir werden wahrscheinlich den heißesten Tag erleben, der jemals aufgezeichnet wurde", sagte Transportminister Grant Shapps. Die Regierung in London hat angesichts der Hitze den Notstand ausgerufen.

"Unsere Infrastruktur, von der ein großer Teil noch aus der viktorianischen Zeit stammt, ist einfach nicht für solche Temperaturen geeignet", sagte Shapps. Am Vortag hatte der Londoner Flughafen Luton wegen einer Überhitzung der Landebahn seinen Betrieb eingestellt. Zugverbindungen wurden wegen der Gefahr der Verformung von Gleisen ausgedünnt oder eingestellt.

Hitze fordert vielerorts Einschränkungen

Auch der Deutsche Wetterdienst warnte am Dienstag vor starken Wärmebelastungen. Punktuell wird im Westen am Nachmittag mit Temperaturen um die 40 Grad gerechnet. Die Behörde schätzte die Waldbrandgefahr aufgrund hoher Trockenheit als sehr hoch ein.

Verkehrseinschränkungen löst das Wetter auch in Frankreich aus. Wegen einer durch Sonne und Hitze verursachten Luftverschmutzung verhängte die Region Grand Est im Osten des Landes Einschränkungen für Autofahrer. Zu den Maßnahmen, die ab Dienstag 6.00 Uhr greifen sollten, zählt eine Temporeduzierung um 20 Stundenkilometer auf Autobahnen und Straßen mit zwei Richtungsfahrbahnen.

In den Niederlanden erwartete der Wetterdienst am Dienstag Höchsttemperaturen von mehr als 40 Grad. Es gilt "Code Oranje": Das heißt, Menschen sollen körperliche Anstrengungen vermeiden, viel trinken und möglichst nicht in die Sonne gehen. Eigentlich sollte Europas größtes Wanderereignis - die "Vierdaagse" von Nimwegen - am Dienstag starten. Doch der erste Tag des vier Tage dauernden Wander-Marathons von täglich mehr als 50 Kilometern wurde mit Blick auf die hohen Temperaturen gestrichen.

In Italien sind von heißen Temperaturen und schwüler Luft unter anderem Bozen, Brescia, Florenz und Perugia betroffen. Zudem sind die Feuerwehren weiter in Alarmbereitschaft und kämpfen landesweit gegen Wald- und Buschbrände. Der Zivilschutz auf Sizilien sprach für Dienstag in einigen Gegenden die höchste Gefahrenstufe für Waldbrände aus.

„Brand-heiß“

Weiterhin brannte es auch in Teilen Spaniens, Portugals und Frankreichs. Die seit etwa zehn Tagen wütenden Brände zerstörten in Spanien bisher nach amtlichen Schätzungen insgesamt 25.000 Hektar Wald sowie Dutzende Häuser, Geschäfte und Fabriken. Hier gab es aber eine gute Nachricht: Die Hitzewelle, die Spanien schon seit dem 9. Juli im Griff hat, werde am Dienstag zu Ende gehen, versicherte der dortige Wetterdienst Aemet. Auch im Westteil Frankreichs dürfte es gebietsweise abkühlen.

Unterschiedliche Wärmepole

Während die Menschen in Nord-, West- und Mitteleuropa unter der Hitzewelle stöhnen, herrschten am Dienstag in Griechenland vergleichsweise angenehme Temperaturen um die 30 Grad. In der von Hitzewellen geplagten Hauptstadt Athen sagte das Wetteramt Temperaturen um die 29 Grad voraus. Für die griechische Ferieninsel Rhodos wurde indes die Höchsttemperatur um die Mittagszeit mit 32 Grad vorausgesagt. Dieses "Traumwetter", wie es ein Meteorologe im Staatsrundfunk nannte, ist das Ergebnis starker Winde, die in und um die Ägäis wehen. Es solle noch bis kommenden Freitag andauern. Danach sollen die Thermometer Werte um die 40 Grad zeigen. Diese Hitze werde aber nicht lange dauern. "Die in Westeuropa herrschende Hitze wird uns wohl nicht in voller Stärke erreichen", fügte der Meteorologe hinzu.