Heftiges Erdbeben erschüttert Norditalien

Ein Erdbeben der Stärke 5,7 auf der Richterskala hat Mittwochfrüh die mittelitalienische Adria-Region Marken erschüttert.
Autor: APA Chronik, 09.11.2022 um 10:03 Uhr

Es folgte ein zweiter Erdstoß und über 20 Nachbeben. Das Epizentrum lag in der Adria zwischen Italien und Kroatien in einer Tiefe von 25 Kilometer und 64 Kilometer östlich von Rimini, wie das italienische Institut für Erdbeben und Vulkanologie (INGV) mitteilte. Besonders betroffen war die Küstenstadt Senigallia, berichteten italienische Medien.

Bis nach Kärnten spürbar

Die beiden ersten Erdstöße nach 7.00 Uhr waren klar in mehreren nord- und mittelitalienischen Regionen sowie auch im Trentino Südtirol und in Rom zu spüren. Die Menschen gingen auf die Straße. Die Feuerwehr wurde von Anrufen besorgter Bürger überflutet. Das Beben wurde außerdem deutlich bei Klagenfurt und Villach in Kärnten wahrgenommen, wie die österreichische Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) mitteilte.

Menschen waren in Panik

In der Badeortschaft Rimini rannten die Menschen in Panik auf die Straße. Viele Hotels wurden evakuiert. Touristen bestürmten den Bahnhof in der Hoffnung, die Stadt verlassen zu können. Bei Gebäuden wurden Schäden gemeldet. In der Nähe der Adria-Hafenstadt Ancona wurde der Bahnverkehr für Kontrollen unterbrochen. Einige Menschen steckten in Aufzügen fest.

In der Adria-Hafenstadt Ancona, von der aus Fähren in Richtung Kroatien und Griechenland abfahren, mussten mehrere Gebäuden, darunter ein Krankenhaus, vorsorglich evakuiert wurden. Patienten der Privatklinik Villa Igea in Ancona gingen im Pyjama auf die Straße. Die Feuerwehr wurde von Anrufen besorgter Bürger überflutet. Der Bahnhof von Ancona war nicht zugänglich. Die Schulen blieben in der ganzen Region Marken geschlossen.

Gebäude werden auf Schäden kontrolliert

"Wir führen Kontrollen durch, viele Menschen sind auf der Straße. Im Moment gibt es keine größeren Schäden, aber wir führen alle möglichen Kontrollen in öffentlichen Gebäuden durch. Der Schreck war groß, denn die Erdbeben waren heftig, und wir fürchten Nachbeben", betonte der Bürgermeister der Kunststadt Pesaro, Matteo Ricci. Kontrollen wurden eingeleitet, um festzustellen, ob das Erdbeben Schäden in den Museen und den Kirchen der Renaissance-Stadt verursacht hat.

Das Büro von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni erklärte, die Regierungschefin stehe in ständigem Kontakt mit der Katastrophenschutzbehörde und dem Regierungschef der Region Marken.

Schock war groß

"Ich hörte, wie sich das Bett bewegte, ich sah den Kronleuchter schwingen. Es waren zwei wirklich starke Erdbeben, alles hat gezittert", erzählt Sergio Schiaroli, ein Einwohner der Adria-Küstenstadt Fano gegenüber der Nachrichtenagentur ANSA, über die ersten dramatischen Momente nach dem Erdbeben. Schiaroli hält den Schaden für "begrenzt", der Schreck sei jedoch groß gewesen.

Mitte September die letzte Naturkatastrophe

Die Adria-Region um Ancona und Senigallia war Mitte September bereits von einer Naturkatastrophe erschüttert worden. Nach einer Nacht heftiger Niederschläge hatten sich die Straßen einiger Ortschaften in der Provinz Ancona in Flüsse verwandelt. 13 Menschen starben, 90 Personen mussten ihre schwere beschädigten Häuser verlassen.

Aktivste Erdbebenregion Europas

Der Mittelmeerraum gehört zu den aktivsten Erdbebenregionen Europas. Die mittelitalienische Apennin-Stadt L'Aquila war 2009 von einem schweren Erdbeben mit über 300 Todesopfern erschüttert worden. Im August 2016 waren fast 300 Menschen ums Leben gekommen, als ein Beben der Stärke 6,2 die Stadt Amatrice und einige Nachbarorte im Appennin-Gebirge erschütterte.