Kohle-Demo in Lützerath: Gegenseitige Gewaltvorwürfe

Polizei und Aktivisten werfen sich nun gegenseitig Gewalttätigkeit vor. Mehr als 70 Einsatzkräfte sollen verletzt worden sein, ebenso eine "hohe zweistellige bis dreistellige Zahl" an Demonstranten.
Autor: APA Chronik, 15.01.2023 um 16:22 Uhr

Nach Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizisten vor dem umkämpften Dorf Lützerath haben sich beide Seiten Gewalttätigkeit vorgeworfen. Der Abriss des Dorfes schritt unterdessen schnell voran, die meisten Gebäude standen am Sonntag schon nicht mehr. Auch hielten sich nach Polizei-Angaben nur noch wenige Aktivisten auf dem Gelände auf. Zwei Klimaaktivisten harrten allerdings noch immer in einem unterirdischen Tunnel aus.

Riesige Demonstration

Wenn die Räumung und der Abbruch beendet sind, will der Energiekonzern RWE die unter Lützerath liegende Kohle abbaggern. Dagegen hatten am Samstag viele Tausend Menschen im Nachbarort Keyenberg demonstriert. Die Polizei sprach von 15.000 Teilnehmern, Fridays for Future von mindestens 35.000. Um vermummte „Störer“ abzuwehren, setzte die Polizei Wasserwerfer, Schlagstöcke und Pfefferspray ein.

Polizei: Viele verletzte Einsatzkräfte

Seit Beginn der Räumung von Lützerath am Mittwoch seien insgesamt mehr als 70 Polizisten verletzt worden, die meisten davon bei der Demo am Samstag, sagte ein Polizeisprecher. Die Verletzungen gingen aber nur zum Teil auf Gewalt durch Demonstranten zurück. Teilweise seien die Beamten zum Beispiel auch im schlammigen Boden umgeknickt. Den Angaben zufolge attackierten einzelne Demonstranten am Samstag auch Einsatzwagen der Polizei und warfen Pyrotechnik in Richtung der Beamten. Seit Mittwoch seien etwa 150 Strafverfahren wegen Widerstands gegen Polizeibeamte, Körperverletzung und Landfriedensbruchs eingeleitet worden.

Aktivisten sprechen von Gewalt-Exzessen der Polizei

Die Veranstalter der Demo warfen umgekehrt der Polizei Gewalt-Exzesse vor. Bei der Demo habe es "ein unglaubliches Maß an Polizeigewalt" gegeben, sagte eine Sprecherin von "Lützerath lebt" der Deutschen Presse-Agentur. Eine Sprecherin des Sanitätsdienstes der Demonstranten sagte, es sei am Samstag eine "hohe zweistellige bis dreistellige Zahl" von Teilnehmern verletzt worden. Darunter seien viele schwerverletzte und einige lebensgefährlich verletzte Personen gewesen. Die Verletzungen seien teils durch Pfeffersprays, Schlagstock- und Faustangriffe der Polizisten zustande gekommen.

Greta Thunberg in Lützerath

Ein Video zeigt, wie auch die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg, die deutsche Aktivistin Luisa Neubauer und andere auf einem Feld von Polizisten abgedrängt werden. Thunberg war die Hauptrednerin bei der Kundgebung. "Lützerath ist noch da, und solange die Kohle noch in der Erde ist, ist dieser Kampf nicht zu Ende", sagte die 20-Jährige unter dem Jubel der Zuhörer. In einem Interview der Deutschen Presse-Agentur kritisierte die weltbekannte Aktivistin die Grünen wegen ihrer Unterstützung für den Abriss von Lützerath.