Grazerin wegen Messerattacke auf Ex-Freund vor Gericht

Mit den Worten „Ich werde dich töten“ soll eine 33-jährige Frau im Oktober 2021 im Bett mit einem Messer auf ihren Ex-Freund losgegangen sein. Am Mittwoch stand sie vor Gericht.
Autor: APA Chronik, 27.04.2022 um 10:44 Uhr

Eine 33-Jährige ist am Mittwoch im Grazer Straflandesgericht wegen versuchten Mordes und versuchter schwerer Nötigung vor einem Geschworenensenat gestanden. Sie soll im Oktober 2021 mit einem Messer auf ihren im Bett liegenden Bekannten losgegangen sein und gedroht haben: "Ich werde dich töten". Der Mann konnte sich durch die Bettdecke schützen und wehrte den Angriff mit Fußtritten ab. Die Beschuldigte fühlte sich zum Mordversuch nicht schuldig.

„Sie wollte ihn quälen“

„Sie ist gefährlich und unberechenbar“, beschrieb Staatsanwalt Christian Kroschl die Grazerin. Vier Tage, nachdem sie ihre letzte Gefängnisstrafe verbüßt hatte, kam es bereits zu dem Vorfall mit dem Messer. Die Frau stand in der Nacht vor der Türe ihres Ex-Freundes und wollte bei ihm übernachten. Als er schon im Bett lag, stand sie laut Ankläger plötzlich vor ihm und wollte mit einem Küchenmesser auf ihn losgehen. Er konnte den Angriff abwehren, doch sie zwang ihn, sich auf einen Sessel zu setzten und wollte ihn quälen. Doch der Mann konnte schließlich fliehen und rief die Polizei. „Das Opfer ist glaubwürdig“, meinte Kroschl.

Mann blieb unverletzt

Die Verteidigerin bot eine andere Sicht auf den Vorfall. „Es finden sich auf der Decke keine Spuren von Beschädigungen durch ein Messer“, erklärte die Anwältin. Außerdem hätte die Grazerin den Mann jederzeit töten können, wenn sie es wirklich gewollt hätte. Aus Sicht der Verteidigung sei es auch nicht nachvollziehbar, warum das Opfer geblieben war, während die Frau mit ihrem Verlobten telefonierte. Der Mann war bei dem Vorfall unverletzt geblieben.

„Er hat mich stundenlang vergewaltigt“

„Es tut mir sehr leid und ich schäme mich sehr“, sagte die Angeklagte gleich zu Beginn. Dann schilderte sie, dass sie mit dem späteren Opfer ein paar Monate liiert war und in der Beziehung sehr gelitten hatte. „Er war pornosüchtig und wollte jeden Tag stundenlang Sex haben, er hat mich auch vergewaltigt und geschlagen“, erzählte sie. Angezeigt hatte sie die Übergriffe aber nie: „Aus Angst, dass er abgeschoben wird“. Nachdem sie ihn verlassen hatte, kam sie mit dessen Cousin zusammen, mit dem sie dann fast drei Jahre verlobt war. Sie hatte ihn nie getroffen, nur telefoniert, aber „es war meine erste schöne Beziehung ohne Gewalt“, erzählte sie. Trotzdem suchte sie immer wieder den Kontakt zum späteren Opfer. „Ich habe ihn immer geliebt“, doch nach einem einmaligen Treffen sei alles „wieder schnell beendet“ gewesen.

Psychisch schwer krank

Der psychiatrische Sachverständige Manfred Walzl bescheinigte der 33-Jährigen eine seelisch-geistige Abartigkeit höheren Grades. Sie sei zum Zeitpunkt der Tat aber zurechnungsfähig gewesen, betonte der Gutachter. Mit „großer Wahrscheinlichkeit“ sei davon auszugehen, dass die Frau unter dem Einfluss ihrer Erkrankung weiter schwere Taten bis hin zum Mord begehen könnte, stellte der Psychiater eine düstere Zukunftsprognose. Er empfahl daher eine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher.

Ein Urteil der Geschworenen wurde für den Nachmittag erwartet.