Experte: Pandemie hat "neue Phase" erreicht

Der Aussage des deutschen Virologen Christian Drosten, dass die Covid-Pandemie sich in Richtung "Endemie" verschiebt, kann auch der Virologe Andreas Bergthaler etwas abgewinnen.
Autor: APA Chronik, 28.12.2022 um 12:50 Uhr

Die Entwicklung sei im Jahresverlauf in einer "neuen Phase" angelangt, in der die Gefahr von Systemüberlastung durch den SARS-CoV-2-Erreger definitiv "massiv reduziert" ist. Im Hinblick auf "Long Covid" und die weiter große Belastung des Gesundheitssystems könne man aber nicht von einem Ende sprechen.

Definitionsfrage

Ob man die nunmehrigen Entwicklung, bei der der Covid-19-Erreger zwar weiter prominent in der Bevölkerung kursiert, aber zum größten Teil auf bereits Genesene oder geimpfte Personen trifft, als "Endemie" bezeichnet, sei auch eine Definitions- oder Geschmacksfrage, so der Forscher zur APA: "Grundsätzlich haben wir in den vergangenen zwölf Monaten erlebt, dass wir zum Glück keine neuen Wellen mit systemkritischen Ausmaß erlebt haben." Aber auch eine endemische Situation, bei der eine sozusagen einheimisch gewordene Infektionskrankheit, mehr oder weniger ständig in einem begrenzten Gebiet zirkuliert, sei nicht per se positiv: An der vor allem in Afrika endemischen Malaria sterben pro Jahr laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mehr als eine halbe Million Menschen.

Bedrohungspotenzial massiv reduziert

Was SARS-CoV-2 betrifft, habe sich zuletzt das "gesamtgesellschaftliche Bedrohungspotenzial massiv reduziert", so der Forscher von der Medizinischen Universität Wien und dem Forschungszentrum für Molekulare Medizin (CeMM) der Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Weiter gelte aber, dass Covid-19 eine relativ große Gefahr für vulnerable Gruppen, wie etwa Menschen mit Vorerkrankungen birgt. Auch die Gefahr, mit "Long Covid" konfrontiert zu sein, bestehe natürlich weiter. Bergthaler: "Ich wäre also vorsichtiger, die Pandemie für grundsätzlich beendet zu erklären."