Erdrutsch auf Ischia: Mindestens 13 Menschen vermisst

Nach heftigen Niederschlägen hat ein Erdrutsch einen Teil der Insel Ischia vor Neapel verwüstet.
Autor: APA Chronik, 26.11.2022 um 15:03 Uhr

Die Behörden im nördlichen Küstenort Casamicciola suchten nach mindestens 13 Leuten im Schlamm. Berichte über mindestens acht Tote wurde von den Behörden vorerst nicht bestätigt. Die Suche gestaltete sich wegen des schlechten Wetters und der verschütteten Straßen äußerst schwierig.

Dutzende Gebäude eingestürzt

Ein 60-jähriger Mann konnte aus dem Geröll gerettet werden und wurde mit schweren Verletzungen ins Spital eingeliefert. Ein Ehepaar mit einem Neugeborenen, nachdem gesucht worden war, wurde lebend gefunden. Zwei Personen konnten lebend aus ihrem Auto geborgen werden. Mehrere Familien sind noch isoliert, die Behörden berichteten von Dutzenden eingestürzten Gebäuden. Unzählige geparkte Autos und Kleinbusse wurden ins offene Meer gerissen. Auch im Meer wird nach Vermissten gesucht.

Strom- und Wasserversorgung teils ausgefallen

Der Hafen der wegen seiner Thermalbäder bekannten Insel war vorerst gesperrt. Über 100 Menschen sind in ihren Häusern ohne Strom und Wasser isoliert, berichteten die Behörden. Der Verkehr war auf vielen Straßen der Insel blockiert, und die Rettungskräfte hatten Mühe, in die am stärksten von den Überschwemmungen betroffenen Gebiete zu gelangen. Da einige Häuser nur über schmale Straßen zu erreichen sind, konnten die Rettungskräfte noch nicht alle Gebäude kontrollieren und das tatsächliche Ausmaß der Schäden feststellen. Mehrere Personen saßen in einem Hotel ohne Strom fest.

Schwierige Bedingungen

"Im Moment gibt es keine bestätigten Todesfälle, es gibt einige Schwierigkeiten bei den Rettungsarbeiten, weil die Wetterbedingungen immer noch schlecht sind", sagte der italienische Innenminister Matteo Piantedosi. Zuvor hatte Infrastrukturminister Matteo Salvini erklärt, acht Menschen seien bei dem Erdrutsch ums Leben gekommen.

Einsatzkräfte aus Neapel

Die Bevölkerung wurde von den Behörden gebeten, ihre Häuser nicht zu verlassen, um die Rettungsarbeiten nicht zu behindern. Feuerwehrleute und Rettungseinheiten wurden aus Neapel entsendet, um die Straßen frei zu machen. Der Bürgermeister von Ischia, Enzo Ferrandino, sprach von einer Tragödie und bat um Hilfe.

Meloni in Kontakt mit lokalen Behörden

"Ich versuche ununterbrochen, einige als vermisst gemeldete Personen anzurufen, aber leider habe ich bisher noch keine Antwort erhalten", berichtete Gino Ballirano, Pfarrer der Kirche Santa Maria Maddalena in Casamicciola. Die Diözese Ischia mobilisierte die Caritas für erste Hilfe. Die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni dankte den Rettungskräften für ihren Einsatz, wie ihr Amtssitz in Rom mitteilte. Sie stehe in Kontakt mit den Behörden am Einsatzort. Die am Samstagabend geplante Saisoneröffnung des Theaters San Carlo in Neapel mit der Oper "Don Carlo" wurde als Zeichen der Trauer für die Erdrutschtragödie auf Ischia verschoben.

Unwetter-Alarm in Süditalien

Italien wird immer häufiger von schweren Erdrutschen getroffen. Bei Unwettern in der Adria-Region Marken waren im September 13 Menschen ums Leben gekommen. Seit Freitag herrscht Unwetter-Alarm in Süditalien. In Venedig wurde Hochwasser gemeldet, die Lagunenstadt wird von einem System von Dammbarrieren vor den Fluten geschützt.