Dolomiten: 6 Tote und 20 Vermisste nach Gletscherbruch

Die hohen Temperaturen der vergangen Woche könnten verantwortlich für das Unglück sein.
Autor: APA Chronik, 04.07.2022 um 10:02 Uhr

Ein Gletscherbruch an der Marmolata (Marmolada) in den Alpen des norditalienischen Trentino hat mindestens sechs Menschen in den Tod gerissen.

20 Personen noch vermisst

Vier Todesopfer konnten identifiziert worden. Dabei handelt es sich um drei Italiener und einen Tschechen. Ein Mann und eine Frau müssen noch identifiziert werden. Zu den bis zu 20 Vermissten zählen auch deutsche und rumänische Staatsangehörige, teilten die Rettungseinheiten mit. Bergsteiger Reinhold Messner hält die Erderwärmung für die Ursache des Unglücks. 

Zahl der Opfer wird noch steigen

Die Identifizierung könnte länger dauern, eine Obduktion könnte notwendig werden. Die geborgenen Leichen sind nach dem Gletscherbruch mit Eis, Steinen und Geröll zerstückelt, daher sei es schwierig, die genaue Zahl der Todesopfer zu erkennen. Aus diesem Grund sind am Montag DNA-Tests vorgesehen: Die genetischen Daten werden mit denen von Familienmitgliedern und Verwandten abgeglichen.

Wenig Hoffnung für Vermisste

"Im Moment wissen wir nicht, ob die Autos den sechs Toten oder den Vermissten gehören", erklärte der Präsident des Trentino, Maurizio Fugatti. Auch auf der Seite des Berges in der Provinz Belluno werden Kontrollen durchgeführt, da möglicherweise auch von diesem Hang Personen aufgestiegen sind. "Wir haben wenig Hoffnung, die Vermisste lebend zu finden", so der Leiter des Trentiner Zivilschutzes, Raffaele De Col.

Riskante Bergungsarbeiten 

Die Such- und Bergungsarbeiten an der Marmolata waren am Sonntagabend unterbrochen worden, weil die Gefahr bestand, dass weitere Eisblöcke abgehen könnten. Das gesamte Gebiet rund um den Gletscher wurde für die Öffentlichkeit gesperrt. Die Suche nach den Vermissten wurde mit Drohnen fortgesetzt. 

Enorme Geschwindigkeit 

Die vom Marmolata-Gletscher abgelöste Masse stürzte mindestens 500 Meter mit einer Geschwindigkeit von 300 Kilometern pro Stunde auf zwei Seilschaften von Bergsteigern, berichteten die Experten der Alpinen Rettung. Die abgelöste Masse erstreckt sich über eine zwei Kilometer lange Front auf einer Höhe von etwa 2.800 Metern.

Hohe Temperaturen verantwortlich

Die hohen Temperaturen der vergangenen Wochen könnten für das Unglück verantwortlich sein, vermuten Experten. Am Samstag war auf der Marmolata ein Temperaturrekord von zehn Grad am Gipfel gemessen worden, die Durchschnittstemperatur der vergangenen Jahre lag etwa bei sieben.