Das sind die Gründe für die vielen Skiunfälle in Österreich

Seit dem 1. November starben 13 Personen in Österreichs Skigebieten, davon elf in Tirol.
Autor: APA Chronik, 03.01.2023 um 14:20 Uhr

Nach vermehrt tödlichen Skiunfällen, vor allem in Tirol, wird über Ursachen und Konsequenzen diskutiert. Der Präsident des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit (ÖKAS), Peter Paal, sieht zwei Gründe für die vielen Unfälle: Neben den schwierigen Pistenverhältnissen wegen des warmen Wetters und dem fehlenden Schnee abseits mangle es bei den Skifahrern oft an "Ski-Fitness".

Keine Pistensperren und Verbote

Vehement sprach sich Paal gegen Pistensperren aufgrund der Unfälle aus. Verbote und Wegsperren seien das "Allerletzte", diese hätten im alpinen Raum "nichts verloren". Man müsse an die Eigenverantwortung appellieren. Menschen, die unter diesen schwierigen Bedingungen Skifahren gehen wollen, müsse klar sein, dass sie sich kein "Wohlfühlprogramm" einkaufen können und gegen jegliche Gefahr abgesichert sind.

Die Ski-Fitness sinkt

Paal, der als Anästhesist und Intensivmediziner arbeitet, sieht die mangelnde Ski-Fitness als Mitgrund für schweren Unfälle. Die Bevölkerung habe während der Corona-Zeit weniger Möglichkeiten gehabt, dem Skivergnügen zu frönen. Die Pandemie hat den generellen gesellschaftlichen Trend beschleunigt, dass sich die Menschen weniger bewegen bzw. sportlich betätigen. Besonders betroffen sei davon auch der Skisport. Dies sehe man an der geringeren Anzahl an verkauften Ski und am abnehmenden Kauf von Skitickets. 

Abseits der Piste liegt kaum Schnee 

Zu diesen erschwerenden Faktoren würden natürlich auch die schwierigen Pistenverhältnisse hinzukommen. Abseits der Piste liege aufgrund der Witterung fast gar kein Schnee - entsprechend seien die Sturzräume eingeschränkt und es komme in Fällen, wo die Menschen etwa durch Selbstüberschätzung oder hohes Tempo über den Pistenrand hinausgeraten, logischerweise zu umso gefährlicheren Situationen.

Kunstschnee-Pisten sind pickelhart

Der erzeugte Kunstschnee mache die Pisten bereits in der Früh "pickelhart", fast wie auf einer Rennstrecke. Am Nachmittag würden dann oft "Schneehaufen" entstehen. Generell sei der Schnee - vor allem in Verbindung mit der derzeitigen Witterung - härter und mache das Skifahren um einiges schneller. Umso mehr sei Vorsicht und entsprechendes Können gefragt. Das Produzieren von Kunstschnee und das Fahren auf den "Schneebändern" generell stellte Paal nicht in Frage - es sei unerlässlich und vollkommen legitim, dies zu nützen, sonst könne man unter 2.000 Metern bald überhaupt nicht mehr Skifahren.