Experten schlagen Alarm: Kinderärzte sind Mangelware

Laut Experten gibt es in Österreich zu wenige Mediziner und Therapeuten für Kleinkinder und Jugendliche. Ein Kinderministerium könnte die Situation verbessern.
Autor: APA Chronik, 01.12.2022 um 11:52 Uhr

Die Gesundheitsversorgung für Kinder und Jugendliche ist in Österreich unzureichend, kritisierten Experten Donnerstag bei einer Online-Pressekonferenz. Laut einer Erhebung der Kinderliga gäbe es zu wenige Therapeuten und Mediziner für diese Altersgruppe, die ein Viertel der Bevölkerung ausmacht. Die Wartezeiten seien oft monatelang und die Versorgung gleiche landesweit einem "Fleckerlteppich". Ein Kinderministerium und diverse vorgeschlagene Maßnahmen könnten die Situation verbessern, sagten sie.

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Zu wenige Kassen-Kinderärzte

In ganz Österreich gäbe es zum Beispiel nicht einmal 300 Kinder- und Jugendärzte (Pädiater) mit Kassenvertrag. Das bedeutet, im Durchschnitt wäre einen Fachmediziner für 5.000 Kinder zuständig. Ihre Verteilung ist zudem ungleich. Während es in der Wiener Innenstadt dreimal mehr als im Durchschnitt sind, gibt es in 15 politischen Bezirken keinen einzigen. In sämtlichen Bundesländern herrsche entgegen des "Österreichischen Strukturplans für Gesundheit 2017" eine Unterversorgung an kassenfinanzierten Kinderärzten, so Culen.

Jugendlicher wird von einem Arzt untersucht. | Credit: Science Photo Library / picturedesk.com

Lange Wartezeiten bei Psychotherapie

Knapp 39.000 Kinder waren 2020 bei Psychotherapeuten in Behandlung, und 41.000 bei klinischen Psychologen. Sie mussten allerdings im Schnitt rund vier beziehungsweise dreieinhalb Monate auf ihre Termine warten. Die Zahl der mit der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) verrechneten Stunden variiert landesweit enorm. In Krems (NÖ) waren es etwa 747 Psychotherapiestunden pro 1.000 Kinder, in Salzburg Umgebung (S) 45. In Villach (K) gab es 292 abgerechnete Stunden pro 1.000 Kinder bei Psychologen, in der Südoststeiermark 16.

Forderung nach Bürokratieabbau und einem Kinderministerium

Um die Versorgungssituation für Kinder und Jugendliche zu verbessern und etwa lange Wartezeiten zu verkürzen, fordere man zum Beispiel eine unbürokratische Abrechnung von psychotherapeutischen und klinisch-psychologischen Behandlungen, so Hedwig Wölfl von der Kinderliga. Sie plädierte ebenso für "psychische Gesundheit auf e-Card" und gezielte Investitionen in Regionen mit nachteiliger Ausgangslage. Auch die pädiatrischen Primärversorgungseinrichtungen sollten ausgebaut werden, wünscht die Kinderliga. 

"Wir werden auch nicht müde, unsere Forderung nach einem eigenen Kinderministerium zu erneuern. Denn für 25 Prozent unserer Bevölkerung, nämlich die Kinder und Jugendlichen in Österreich, gibt es keine repräsentative Vertretung in der Politik", sagte Kinderliga-Präsident Christoph Hackspiel.