Bierwirt schreibt anzügliche Briefe: "Meine scharfe Richterin"

Verwunderung bei Justiz und Anwälten: Der Wiener Bierwirt, der am 29. April 2021 in Wien-Brigittenau seine 35-jährige Ex-Freundin erschossen haben soll, stellte einen Enthaftungsantrag. Dieser wurde jetzt vom Landesgericht abgewiesen. 

Bierwirt wollte U-Haft in seiner Wohnung verbringen

"Er wollte frei sein", teilte dazu der Wiener Anwalt Gregor Klammer mit. Klammer vertritt neben Manfred Arbacher-Stöger - dem aktuellen Verteidiger des 42-Jährigen - den Gastronomen. In seinem Antrag hatte der Bierwirt darauf verwiesen, er werde im Fall seiner Enthaftung in seiner Wohnung bleiben, und "künftiges Wohlverhalten" versprochen. Wenig überraschend blitzte er mit seinem Vorschlag bei der zuständigen Richterin ab.

Psychiatrisches Gutachten noch nicht fertig

Die Ermittlungen gegen den Mordverdächtigen sind noch nicht abgeschlossen und auch eine Anklage wurde beim Landesgericht noch nicht eingebracht. Ausständig dürfte vor allem noch ein von der Staatsanwaltschaft in Auftrag gegebenes psychiatrisches Gutachten mit einer Gefährlichkeitsprognose sein. Das Gutachten soll klären, ob von dem Mann zukünftig weitere Straftaten mit schweren Folgen zu erwarten sind.

Opfer machte kurz vor der Tat Schluss

Die erschossene Frau - eine Krankenschwester - soll wenige Tage vor den tödlichen Schüssen ihre Beziehung zu dem 42-Jährigen endgültig beendet haben. Darauf soll er bewaffnet in ihrer Wohnung aufgetaucht und in Gegenwart eines Nachbarn in Tötungsabsicht mehrfach auf sie gefeuert haben. 

Fragliches Frauenbild vom Bierwirt

Die Grüne Klubobfrau Sigrid Maurer hatte den Mann schon im Frühjahr 2018 beschuldigt, er habe ihr via Facebook obszöne Privatnachrichten geschickt und sie unter anderem "dreckige kleine Bitch" genannt. Das hatte einen jahrelangen, vom Wirten inszenierten Rechtsstreit zur Folge, der erst im heurigen Februar ein Ende fand, indem er seine Klage gegen die Politikerin zurückzog.

Anzügliche Briefe an Häfn-Chefin und Richterin

Als U-Häftling macht der 42-Jährige auch mit anderen Aktionen deutlich, wie es um seinen Respekt Frauen gegenüber bestellt ist. Er soll der Leiterin der Justizanstalt Josefstadt, aber auch der derzeit für ihn zuständigen Richterin anzügliche Briefe zukommen haben lassen. Letztere musste sich nach APA-Informationen die Anrede "Meine scharfe Richterin" bieten lassen.

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Autor: APA Chronik, 07.10.2021