Betrugsanrufe: Falsche „Interpol-Agenten“ geschnappt

Ein indisches Callcenter wurde zerschlagen, es folgten seither keine Anzeigen wegen Betrugsanrufen mehr.
Autor: APA Chronik, 17.11.2022 um 13:54 Uhr

2,7 Millionen Euro Schaden haben falsche "Interpol-Agenten", die aus einem indischen Callcenter Menschen um ihr Geld brachten, in Österreich verursacht. Nun ist dem Bundeskriminalamt (BK) in Zusammenarbeit mit der echten Interpol und einer indischen Behörde ein Ermittlungserfolg geglückt. Laut BK-Direktor Andreas Holzer sei das Callcenter Ende September zerschlagen und seither keine Anzeigen zu falschen "Interpol-Agenten" mehr erstattet worden.

Immer dieselbe „Interpol“-Masche

Auf einem vor den Journalisten abgespielten Video sieht man mehrere Personen, die in einem kleinen Raum an ihren Monitoren arbeiten. "Wie in einem ganz normalen Büro", stellte der stellvertretende Direktor des Bundeskriminalamts Manuel Scherscher fest. Opfer wurden zunächst von einem Bot angerufen und benachrichtigt, ihr Name sei bei einer Interpol-Ermittlung aufgetaucht. Drückten sie den Einser, wurden sie mit dem Callcenter verbunden. Dort handelten die Täter nach einem vorgegebenen Skriptum: Sie sprachen von Identitätsdiebstahl und warnten die Angerufenen, dass die Polizei sie festnehmen würde, sollten sie den Anweisungen nicht Folge leisten. Die Opfer sollten schließlich Gutscheine kaufen und deren Codes per Telefon durchgeben, anschließend wurde der Anruf abgebrochen.

Über 1.000 Anzeigen in Österreich

Die Anrufe hätten im Dezember 2021 begonnen. Holzer berichtete von 1.100 Anzeigen und 387 Opfern in Österreich. Das Callcenter hätte allerdings weltweit operiert. Ein Mann, der nach einem solchen Telefonat zur Polizei gegangen sei, wurde schließlich auch von einem "Scambaiter“ – einer Hacker, der die Opfer kontaktiert – angerufen. Er übergab der Polizei schließlich Hinweise, woraufhin man die Betrüger in die indische Hauptstadt Neu-Delhi zurückverfolgen konnte.

Das Geld ist trotzdem „futsch“

Ende September 2022 seien das Callcenter zerschlagen und "drei Drahtzieher" festgenommen worden. Kryptowallets wurden sichergestellt, Girokonten eingefroren und 15.000,– Euro an die Opfer rückerstattet. Angesichts der Schadenssumme sei das nicht viel, das Geld in den meisten dieser Fälle sei unwiederbringlich weg, erklärte Holzer. Man habe aber einen "künftigen Schaden in Millionenhöhe" verhindert.