Berlin: Fahrzeug fuhr in Menschenmenge

In der Berliner Innenstadt, beim Breitscheidplatz nahe der Gedächtniskirche, ist Mittwochfrüh ein Auto in eine Menschenmenge und ein Geschäft gefahren.
Autor: APA Chronik, 08.06.2022 um 11:44 Uhr

Nach Angaben der Feuerwehr wurden dabei eine Frau getötet und neun Personen verletzt. Sechs davon schwebten in Lebensgefahr. Laut Polizei handelte es sich bei dem Fahrzeug um einen Pkw. Bei dem Lenker handelte es sich um einen 29-jährigen, in Berlin lebenden Deutsch-Armenier, gab die Polizei via Twitter bekannt. Er wurde festgenommen. Die Hintergründe waren vorerst unklar.

Der Mann wird von der Polizei vernommen. „Ob es sich um einen Unfall handelt oder vorsätzliches Handeln, ist noch nicht bekannt“, gab die Berliner Polizei auf Twitter bekannt. Nach Informationen der „Bild“-Zeitung wurde in dem Auto ein Bekennerschreiben gefunden. Das Motiv des Fahrers sei noch nicht ganz klar, aber es soll nicht politisch gewesen sein. Die Zeitung zitierte einen Ermittler: „Auf keinen Fall ein Unfall – ein Amokläufer, ein eiskalter Killer.“ Eine Polizeisprecherin bestätigte das zunächst nicht. Der Vorfall ereignete sich gegen 10.30 Uhr im Stadtteil Charlottenburg, in der Tauentzienstraße, nahe der Gedächtniskirche und dem Ku'damm. Dabei handelt es sich um eine bei Touristen und Shoppern sehr beliebte Gegend.

Passanten hielten Fahrer auf

Wenige Stunden nach dem dramatischen Ereignis wurde der genaue Ablauf klarer. Wie die Polizei mitteilte, fuhr der Mann gegen 10.26 Uhr seinen Renault-Kleinwagen an der Straßenecke Ku'damm und Rankestraße auf den Gehsteig des Ku'damms und in eine Menschengruppe. Dann fuhr er den Angaben zufolge zurück auf die Kreuzung und knapp 200 Meter weiter auf der Tauentzienstraße Richtung Osten. Kurz vor der Ecke Marburger Straße lenkte er das Fahrzeug erneut von der Straße auf den Gehsteig, touchierte ein anderes Auto, überquerte die Marburger Straße und landete im Schaufenster eines Parfümerie-Geschäfts. Im Geschäft selbst gab es keine Verletzten.

Die „Bild“-Zeitung verwies auf Augenzeugen-Berichte, wonach der Fahrer zunächst weggerannt sei. Passanten sollen ihn festgehalten und an die Polizei übergeben haben, berichtete auch Polizeisprecher Thilo Cablitz.

60 Einsatzkräfte vor Ort

Polizei und Feuerwehr waren im Einsatz und versorgten die Verletzten. Die Umgebung war weiträumig abgesperrt. „Aktuell befinden sich rund 60 Einsatzkräfte vor Ort oder sind auf der Anfahrt“, twitterte die Feuerwehr. Zunächst hatte die Feuerwehr von 30 Verletzten gesprochen. Auf einem Foto, das im Internet gepostet wurde, war ein Pkw zu sehen, der im Schaufenster eines Geschäfts stand. Die Polizei war mit 130 Kräften im Einsatz. Augenzeuginnen und -zeugen wurden via Twitter gebeten, keine Aufnahmen des dramatischen Ereignisses im Internet zu posten bzw. Hinweise und Mediendateien an die Polizei zu senden.

Erinnerungen an Weihnachtsmarkt-Anschlag

Der Schauplatz lag in der Nähe des Ortes eines tödlichen Angriffs am 19. Dezember 2016, als Anis Amri, ein gescheiterter tunesischer Asylbewerber mit islamistischen Verbindungen, einen Lastwagen entführte, den Fahrer tötete und ihn dann auf einen überfüllten Westberliner Weihnachtsmarkt pflügte. Elf Menschen starben in den Trümmern, einige Jahre später erlag ein 49-Jähriger den Spätfolgen einer Verletzung, die er erlitten hatte, als er den Opfern zu Hilfe eilte. Er wird als 13. Todesopfer des Anschlags eingestuft.