Beide Morde in Wien vermutlich geklärt

Ein Obdachloser aus Polen dürfte zwei Menschen in Wien getötet haben - ohne erkennbares Motiv.
Autor: APA Chronik, 10.01.2023 um 10:01 Uhr

Die Morde an einem Apotheker in Wien-Donaustadt und einer zweifachen Mutter in Floridsdorf dürften von ein- und demselben Täter verübt worden sein. Die Polizei hat am Sonntag einen Verdächtigen festgenommen, seine DNA wurde an beiden Tatorten entdeckt. Es handelt sich um einen 50-jährigen, obdachlosen Polen. Die Taten dürfte ohne erkennbares Motiv verübt worden sein. "Es scheint sich um willkürliche Taten gehandelt zu haben", sagte Oberstleutnant Dietmar Berger.

An den Tatort zurückgekehrt

Auf die Spur des Mannes kam die Polizei durch einen Hinweis von Journalisten, die eine verdächtige Person beim zweiten Tatort wahrgenommen hatten, die versuchte, Stunden nach der Bluttat in das Haus einzudringen. Die Beamte nahmen den Mann vorerst wegen versuchten Einbruchs fest. Aufgrund der DNA-Spuren war aber bald klar, dass es sich um den Täter handeln könnte.

Kein erkennbares Motiv

Der Fall ist selbst für die erfahrensten Ermittler sehr ungewöhnlich, denn der Mann dürfte ohne jegliches Motiv gehandelt haben. Beim getöteten Apotheker, der massive Kopfverletzungen, gefesselte Beine sowie Misshandlungsspuren am ganzen Körper aufwies, fanden die Polizisten zwar eine hergerichtete Tasche mit Diebesgut aus dem Haus, diese wurde aber zurückgelassen. Der Verdächtige dürfte sich aber über längere Zeit am Tatort aufgehalten und auch alkoholische Getränke konsumiert haben. Mitgenommen hat der mutmaßliche Täter dann aber lediglich eine Geldbörse und die Schuhe des Opfers.

Auch zweiter Mord ohne Motiv

Auch beim den zweiten Delikt, bei dem eine zweifache 31-jährige Mutter an massiven Kopfverletzungen und mehreren Messerstichen getötet wurde, dürfte es sich nicht um einen regulären Einbruch gehandelt haben. Auch hier war der Tatort Berger zufolge "chaotisch und kompliziert", die Szene wirkte "surreal". Der Verdächtige hielt sich vermutlich ebenfalls mehrere Stunden in dem Haus auf, konsumierte Getränke und stahl letztlich wieder nur Schuhe. "Es ist nicht nachvollziehbar, was der Täter gemacht hat", so Berger. Die beiden Kinder (vier und fünf Jahre alt) blieben körperlich unversehrt, sie werden nun schonend befragt.

„Ein klassisches U-Boot“

In die Häuser kam der Verdächtige jeweils durch unverschlossene Türen. Der Mann rüttelte so lange an den Klinken, bis die Tür aufging. Bei dem mutmaßlichen Täter handelt es sich um einen 50-jährigen polnischen Staatsbürger, der sich illegal in Österreich aufgehalten hatte. "Es ist ein klassisches U-Boot", sagte Berger. In Österreich war er Ende 2022 erstmals durch zwei Delikte aufgefallen: am 27. Dezember 2022 wegen Körperverletzung an seiner - ebenfalls odachlosen - polnischen Lebensgefährtin sowie am 29. Dezember 2022 wegen Brandstiftung. In Deutschland hatte er aber von 2001 bis 2018 insgesamt 23 Delikte gesetzt - von Diebstahl über Körperverletzung bis hin zum Raub.