Bankerin erschlich sich 90.000 Euro von Kollegen

Die einst erfolgreiche Bankerin hatte zwei Arbeitskollegen dazu gebracht, ihr fast 90.000 Euro zu borgen, indem sie ihnen "Lügenmärchen" auftischte. Unter anderem behauptete sie, hinter ihrem linken Auge habe sich ein bösartiger Tumor eingenistet, sie benötige Geld für eine Krebs-Operation. Jetzt stand sie in Wien vor Gericht und wurde schuldig gesprochen. 

Kleidung und Schuhe trieben sie ins Verderben 

In Wahrheit litt die Bankerin unter Kaufsucht, die sie allein mit ihrem Gehalt - mehr als 3.000 Euro netto - nicht mehr befriedigen konnte. Als sie von ihrem Arbeitgeber und anderen Banken keine Darlehen mehr bekam, wandte sie sich hilfesuchend an zwei Kollegen. Neben Krebs machte sie eine andere schwere Krankheit und kostspielige Therapien geltend, einmal erbat sie eine Kaution für einen Platz in einem Altersheim, in das angeblich ihre Mutter übersiedeln sollte. Vor einem Schöffensenat gestand die 51-Jährige nun, dass nichts davon der Wahrheit entsprach: "Ich hab' mich nicht zu sagen getraut, in welcher Situation ich mich befunden habe."

400.000 Euro Schulden wegen Kaufsucht

Sie sei "unkontrolliert einkaufen gegangen." Schulden von 400.000 Euro hätten sich angehäuft gehabt, weil sie hemmungslos Kleidung und Schuhe erstand. Den beiden hilfsbereiten Kollegen, die ihr insgesamt drei bzw. vier Darlehen überließen und darauf vertrauten, das Geld zurückzubekommen, täuschte die Bankerin an Sicherheiten vor, im Besitz einer Eigentumswohnung und eines halben Hausanteils zu sein. Auch das war gelogen. Der eine Mitarbeiter überließ ihr 48.000 Euro, "weil ich persönlich das Geld zu diesem Zeitpunkt nicht gebraucht habe", wie er dem Gericht erläuterte. Der andere nahm selbst einen Kredit auf, weil er Mitleid mit der vorgeblich Krebskranken hatte.

"Habe die Kontrolle verloren"

Bis auf wenige tausend Euro ist bisher keine Schadensgutmachung erfolgt. Die Angeklagte war umfassend geständig: "Es ist alles so gewesen. Ich kann heute nicht sagen, wann ich die Kontrolle verloren habe. Es gibt nichts zu sagen. Ich kann es nicht ungeschehen machen." An sich habe sie in bescheidenen Verhältnissen gelebt: "Ich bin in einer kleinen Wohnung, die fast nix kostet. Ich habe kein Auto, keine teuren Hobbys." Der Zwang, Gewand und Schuhe kaufen zu müssen, habe sie jahrelang gestresst: "Ich habe geschaut, dass ich meinen Job behalte, meine Leistung erbringe, dass ich irgendwie weiterkomme." Nach der Anzeige sei sie psychisch zusammengebrochen und habe sich vorübergehend stationär in einer Klinik aufnehmen lassen, um ihre Sucht in den Griff zu kriegen. Seither sei sie in therapeutischer Behandlung. Ihren Job hat die Bankerin verloren. Über sie wurde der Privatkonkurs eröffnet, ein Schuldenregulierungsverfahren ist im Gang. Die 51-Jährige lässt sich derzeit zur Krankenpflegerin umschulen. 

Autor: APA Chronik, 10.01.2022