Antibiotika-Resistenzen fordern mehr Menschenleben

In Europa sterben jedes Jahr rund 35.000 Menschen an antibiotika-resistenten Bakterien.
Autor: APA Chronik, 17.11.2022 um 11:31 Uhr

Der am Donnerstag präsentierte Antibiotika-Bericht der europäischen Seuchenbehörde ECDC zeigt einen Anstieg der Todesfälle gegenüber früheren Schätzungen. "Jeden Tag sterben im EU/EWR-Gebiet fast 100 Menschen an diesen Infektionen", betonte ECDC-Direktorin Andrea Ammon. Die gesundheitlichen Auswirkungen seien vergleichbar mit denen von Influenza, Tuberkulose und HIV/AIDS zusammen.

Zahl der Toten nimmt zu

"Wir sehen einen besorgniserregenden Anstieg der Zahl der Todesfälle, die auf Infektionen mit antibiotika-resistenten Bakterien zurückzuführen sind, insbesondere solche, die gegen antimikrobielle Mittel der letzten Wahl resistent sind", erläuterte Ammon. In den 2018 und 2019 veröffentlichten ECDC-Berichten war noch von 33.000 Todesopfern ausgegangen worden. Es brauche u.a. mehr Anstrengungen, um den unnötigen Einsatz von Antibiotika weiter zu reduzieren sowie die Praktiken zur Infektionsprävention und -kontrolle zu verbessern, auch auf nationaler Ebene, sagte Ammon.

Antibiotika zu oft im Einsatz

Von 2012 bis 2021 wurde in den EU- und EWR- Staaten ein Rückgang des Gesamtverbrauchs antimikrobieller Mittel beim Menschen um 23 Prozent erzielt. Trotz dieses Erfolgs hat laut ECDC im gleichen Zeitraum der Anteil der eingesetzten Breitband-Antibiotika zugenommen, insbesondere in Krankenhäusern um 15 Prozent. Die niedrigsten Prozentsätze von Antibiotika-Resistenzen wurden aus nordeuropäischen Ländern gemeldet, die höchsten im Süden und Osten Europas.