Attacke am Spielfeld: Es war kein Fan, sondern ein Spieler

Der Gewaltausbruch bei einem Jugend-Fußballspiel ist geklärt. Der Täter sagt, es passierte "in der Hitze des Gefechts".
Autor: APA Chronik, 14.04.2022 um 12:08 Uhr

Unfassbare Szenen haben sich Anfang April bei einem Fußballspiel in Wien-Favoriten abgespielt: Ein Gegenspieler hat einen anderen Fußballer mit dem Fuß gegen den Kopf getreten, der 28-Jährige erlitt schwere Verletzungen und wurde bewusstlos in ein Spital geflogen.

Eskalation bei Jugend-Fußballspiel

Als Angreifer wurde ein 18-jähriger Österreicher ausgeforscht, gegen ihn wird wegen schwerer Körperverletzung ermittelt. Außerdem gibt es Anzeigen gegen sieben Personen wegen Raufhandels. Der Gewaltausbruch erfolgte bei der Partie GS United gegen SV Penzing in der unteren Klasse am 3. April. Laut Polizei kam es gegen 16.45 Uhr zuerst unter den beiden Fußballern zu einer körperlichen Auseinandersetzung. Schließlich mischten sich auch Betreuer und Zuschauer ein, woraus sich eine Massenschlägerei entwickelte.

"In der Hitze des Gefechts"

Der 18-jährige GS United-Spieler soll dann den am Boden knienden Spieler des SV Penzing ins Gesicht getreten haben. Das Opfer brach bewusstlos zusammen, wurde von der Wiener Berufsrettung erstversorgt und vom Notarzthubschrauber Christophorus 9 ins Spital geflogen. Vergangene Woche wurde der junge Mann laut Angaben des Vereins aus dem Spital entlassen, er ist auf dem Weg der Besserung. Der 18-Jährige gestand in seiner Einvernahme die Tat, er habe den Spieler der gegnerischen Mannschaft nicht so schwer verletzten wollen, die Attacke sei "in der Hitze des Gefechts passiert".

Gewalt im Sport im Fokus

In Wien kümmern sich 40 szenekundige Beamte (SKB) der Wiener Polizei um den möglichst reibungslosen Ablauf von Fußballspielen. Auch Eishockey-Spiele und einzelne Spiele anderer Sportarten in Österreich werden regelmäßig von den SKB beobachtet. In der ersten und zweiten Fußball-Liga müssen alle Vereine von speziellen Beamten betreut werden. In der Unterliga waren die Fan-Polizisten in der Bundeshauptstadt zuletzt vor mehreren Jahren im Einsatz, nach dem Gewaltausbruch wurde nun aber Kontakt zu den Vereinen aufgenommen, berichtete SKB-Chef Oberst Wolfgang Lang.

100 bis 200 "Problemfans" in Wien

Prinzipiell sei man hierzulande "sehr, sehr gut behütet". Die szenekundigen Beamten "können in alle Sektoren gehen und sich dort frei bewegen", sagte Lang. In anderen Ländern ist das keineswegs der Fall. Österreich sei ein "seliger Staat, was die Fanszene betrifft". Jeder Vorfall - ob Gewalt oder der Einsatz von Pyrotechnik - ist "ein Fall zu viel, keine Frage", betonte Lang. Auch Handshakes mit den Fans gehören dazu, schließlich ist "Gewinnung von Informationen die Hauptaufgabe" der SKB. "Persönlicher Kontakt ist das Um und Auf." Distanz ist natürlich angebracht.

 

Fan-Polizisten in ziviler Kleidung bei Spielen

Den Job im szenekundigen Dienst machen die Beamten nebenberuflich zu ihrem normalen Polizeidienst. Bei den Spielen selbst sind die SKB in ziviler Kleidung mit einer Weste unterwegs, auf der "Polizei - Szenekundiger Dienst" zu lesen ist. Die Fan-Polizisten sind präventiv tätig und sammeln Informationen zu den Fanszenen - etwa auch im Internet - und geben diese an andere Sicherheitsbehörden weiter. Im Kontakt mit den Fans werden die Polizisten mit "jeglicher Art von Problemstellungen, auch privater Probleme", kontaktiert. Viele Fans sehen in der Szene ein soziales Gefüge, eine Familie. Bei mehreren Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen waren auch Hooligans Seite an Seite mit rechtsradikalen Randgruppen und Verschwörungstheoretikern mitgelaufen.