Personalmanagement: Cloud statt Aktenstapel

Corona ist ein Beschleuniger der Digitalisierung – eine Aussage, die in keiner politischen Rede mehr fehlen darf. Aber sie ist mehr als ein Kalenderspruch für Manager. Viele Unternehmen verstehen die Pandemie inzwischen als Weckruf. Interne Strukturen werden nach Effizienzpotenzialen durchforstet oder lang aufgeschobene Digitalisierungsprojekte endlich in Angriff genommen. Zugute kommt das Lösungsanbietern aus dem IT- und Softwaresektor. Firmen wie Infoniqa zählen dazu. Die Welser Softwareschmiede gehört zu den marktführenden Komplettanbietern für den Personalbereich und ist innerhalb eines Jahres von 200 auf 280 Mitarbeiter gewachsen. In den nächsten vier Jahren soll der Umsatz (aktuell 34 Mio. Euro) mehr als verdoppelt werden – auch durch Zukäufe von Mitbewerbern. Mit der Übernahme von Haveldata mit Sitz in Brandenburg an der Havel und Ratingen ist Infoniqa nun – neben dem Fokus auf HR Software und Payroll Services – zusätzlich deutscher Marktführer für Navision-Payroll im Microsoft-Umfeld. Brandneu im Firmenportfolio ist außerdem StoneData, ein Payroll-Outsourcing-Spezialist mit ebenfalls zwei Standorten in Deutschland. „Wir können das gesamte HR-Business eines Unternehmens abbilden – und Digitalisierung sowie Automatisierung sind im Personalbereich ein riesiger Treiber“, sagt Tarek El-Dabbagh, verantwortlich für Personalwesen, IT, Organisation und Marketing bei Infoniqa.

Zitat Tarek El-Dabbagh

Expansion mit Private Equity

El-Dabbagh wurde von ­Firmengründer und CEO Siegfried Milly mit Jahreswechsel 2020 zu Infoniqa geholt. Die HR-Expertise des Linzers und ehemaligen Personalchefs großer Unternehmen wie Silhouette International soll helfen, den Wachstumskurs nach innen abzusichern. Infoniqa ist an zwölf Standorten in Österreich, Deutschland und der Schweiz tätig und betreut rund 3.500   Kunden mit mehr als 2,5 Millionen Arbeitnehmern – Tendenz: steigend. Der Expansionskurs machte es notwendig, die Unternehmensstruktur zu straffen und die unterschiedlichen Angebote unter einer Marke zu vereinen. Zur Finanzierung des Wachstums konnte Infoniqa starke Finanzpartner wie ganz aktuell die internationale Private-Equity-Größe Warburg Pincus gewinnen.

Wachsender Payroll-Bereich

Die Materie, mit der sich ­Infoniqa über Jahre eine hohe Expertise aufgebaut hat, ist heute wichtiger denn je: Human Resources. Die digitalen Lösungen decken alles rund um den Employee Life Cycle ab – von der Zeiterfassung über die Personalverrechnung bis hin zum Human Capital Management. Während Bewerbungsmodule den ­Recruitingprozess digitalisieren, werden allein im Payroll-Bereich fünf auf länder- und plattformspezifische Anforderungen zugeschnittene Lösungen angeboten, die regelmäßig zusammen mit realen Anwendern weiterentwickelt, rechtlich und technologisch upgedatet und betrieblich begleitet werden. Zudem gibt es die Möglichkeit, die Personalverrechnung auszulagern – Infoniqa übernimmt diese Dienstleistung inzwischen jeden Monat für 51.000 Lohn- und Gehaltsempfänger im deutschsprachigen Raum.

Zitat Siegfrid Milly

Konzentration auf Kernkompetenzen

Infoniqa-CEO Siegfried Milly sieht hier einen der stärksten Wachstumsmärkte im Bereich HR: „Der Trend geht klar in Richtung Konzentration auf die wesentlichen Kernkompetenzen der Personalarbeit.“ Immer mehr Unternehmen lagern laut Milly daher ihre Personalabrechnung an externe Profis aus und suchen nach Wegen, um sich den Herausforderungen in der HR noch effizienter und schlagkräftiger zu stellen. Da bleibe einfach immer weniger Raum für Ablenkung oder unnötigen, nicht wertschöpfenden Aufwand. Genau hier setze Infoniqa an und bietet Möglichkeiten, vieles stark zu entlasten oder gleich direkt an erfahrene Spezialisten abzugeben. Die Digitalisierung im HR-Bereich ist vor allem bei größeren Firmen weit fortgeschritten. „Der Stellenwert des HR-Managers ist dank der automatisierten Prozesse heute ein ganz anderer als früher. Wenn ich die manuellen Tätigkeiten automatisiere, habe ich als HR-Manager durch professionelles Personalmanagement mehr Zeit, um wirklicher Business-Partner und strategischer Berater für das Management zu sein“, sagt El-Dabbagh.

Cloud-Lösungen mehr gefragt

Jetzt in der Krise ist die firmeneigene IT nicht selten unter Druck geraten, weil die Software plötzlich auch im Homeoffice funktionieren musste. Ein Wandel in Richtung Cloud-Lösungen ist sichtbar, was bei Infoniqa unter dem Trendbegriff „SaaS“ (Software as a Service) läuft. Die Daten liegen mit SaaS nicht mehr im firmeneigenen Rechenzentrum, sondern werden unter maximalen Sicherheitsstandards und hochverfügbar gehostet. Mehr als die Hälfte der Kunden entscheidet sich bei einem Abschluss für diese Online-Dienstleistung. „Als SaaS-Company werden wir zu einem First-Choice-Anbieter für immer mehr und immer größere Unternehmen“, sagt El-Dabbagh. Das Kundensegment reicht von Kleinstfirmen bis zu echten Jumbos wie XXXLutz, Spar oder Rewe. In Österreich ist Infoniqa unter den Top  3 in der Branche, in der DACH-Region unter den wachstumsstärksten 25  Anbietern auf Platz 15. Ziel ist es, unter die Top 10 zu kommen, dabei matchen sich die Welser mit Software-Giganten wie SAP. „Unser Vorteil ist es, dass wir schneller und wendiger sind und vielseitigere Lösungen anbieten als die Schwergewichte der Branche“, sagt El-Dabbagh.

Autor: Klaus Schobesberger, 19.01.2021