HAKA: Vom Sprung ins kalte Wasser

Der Mut, sich aus der Abhängigkeit eines schlecht zahlenden Großkunden zu lösen, gab Familie Hackl und ihrem Unternehmen HAKA so viel Selbstvertrauen, dass sich der Küchenhersteller zu dem entwickeln konnte, was er jetzt ist.
Autor: Klaus Schobesberger, 23.06.2022 um 00:00 Uhr

Wer weiß, ob es den Küchenhersteller HAKA noch gäbe, wenn sich die Eigentümerfamilie 1987 anders entschieden hätte. Das Jahr ist der Meilenstein, in der man die Unternehmensphilosophie neu ausrichtete und quasi ins kalte Wasser sprang. HAKA beendete damals über Nacht die Zusammenarbeit mit einem Großkunden, der den Küchenhersteller zu dieser Zeit mit 50 Prozent der Arbeit auslastete. „Es war ein schmaler Grat, schließlich lastete uns dieser Kunde gut aus, aber zahlte schlichtweg zu wenig, als dass wir langfristig hätten überleben können“, begründet Gerhard Hackl diese mutige Entscheidung. Sie trägt seine Handschrift. Der 58-Jährige war damals bereits neun Jahre im Unternehmen, fünf Jahre später zog sich sein Vater, das Familienunternehmen in guten Händen seines Sohnes wissend, ganz zurück. „Wir wurden nur noch dirigiert, das war fürs Selbstvertrauen nicht gut. Alle haben sich zusammengerissen und das Schiff aus ziemlichem Sturm wieder in ruhigere Gewässer gesteuert.“

Keine Nachahmer der Küche in neun Tage

Statt zu Großhandelspreisen zu produzieren, wollte man auf Qualität setzen. Die Küchen wurden nun ausschließlich über den Fachhandel verkauft. „Man hat uns prophezeit, dass das nicht gut geht – aber wir hatten den Umsatz ein Jahr später wieder aufgeholt und konnten mehr in unsere Entwicklung, Maschinen und Marke investieren.“ Das Konzept „Küche nach Maß in neun Tagen“ ist mittlerweile 25 Jahre alt. „Nachahmer gibt es bis jetzt keine – darauf sind wir schon sehr stolz“, so Hackl. Er war insgesamt 42 Jahre im Unternehmen und zog sich 2020 nach 27 Jahren aus der operativen Geschäftsführung zurück. Die hat mit Mario Stifter ein Nicht-Familienmitglied übernommen. „Das hält mir den Rücken frei für strategische Angelegenheiten“, so Hackl. Schließlich gibt es die Zukunft und auch die Nachfolge zu regeln.

Tochter will Unternehmen auf jeden Fall übernehmen

Die scheint in groben Zügen bereits festzustehen: Tochter Anna Richter (24) arbeitet seit 2016 im Unternehmen, hatte vier Jahre die Marketingleitung inne, bis sie jetzt in andere Unternehmen Erfahrung sammeln ging. „Ich habe ein Jahr lang jeden Monat in einem anderen Betrieb Praktikum gemacht, um zu sehen, wie es da läuft“, erzählt sie. Doch für sie steht längst fest, dass sie HAKA Küche übernehmen will: „Ich bin hier quasi aufgewachsen. Für mich ist klar, dass ich hier bleiben will, das ist meine Familie.“ Geregelt muss noch werden, in welcher Funktion sie einsteigt. „Ich kann es so gestalten, wie ich möchte, und muss es nicht so machen, wie es jemand anderes gemacht hat.“ Selbstbewusst Entscheidungen zu treffen ist für sie kein Problem. „Ich habe in den Jahren in unserer Firma schon gelernt, mich durchzusetzen und musste mir mit 19 Jahren den Respekt erst erarbeiten.“

Ich habe in den Jahren in unserer Firma gelernt, mich durchzusetzen und musste mir mit 19 Jahren den Respekt erst erarbeiten.

Unternehmensgründung in der Not der Wirtschaftskrise

Willensstärke und Durchhaltevermögen bewies schon ihr Urgroßvater Karl Hackl, der arbeitslos in der Wirtschaftskrise 1930 als letzten Ausweg, seine Familie zu ernähren, sich mit einer Bau- und Möbeltischlerei in Traun selbstständig machte. Als er aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückkehrt, beginnt er 1948 mit der Serienfertigung von Möbelstücken und baut auch schon erste Küchen. 1964 spezialisierte er sich schließlich erst auf Kredenzen, später auf Küchen, sein Sohn Karl junior ist bereits mit in der Firma. Ab 1968 wird aus der Tischlerei eine serienmäßige Küchenmöbelproduktion. Heute werden die Küchen über rund 200 Partner in ganz Österreich verkauft. Neben dem Center am Hauptsitz Traun ist der größte Küchen-Schauraum seit einem Jahr in Wien stationiert. Seit 2015 gibt es auch HAKAhome-Wohnkonzepte. Richter: „Wer Küchen machen kann, kann auch jedes andere Möbelstück produzieren. Wir können auf Wunsch ein ganzes Haus einrichten.“

Suche nach Grundstück für großes Lager

Fixfertige Küche in neun Tagen – ist dieses Erfolgsrezept in Zeiten von Lieferengpässen jetzt in Gefahr? „Ehrlich gesagt, ja. Wir können es zwar einhalten und haben die Lager voll, aber im Hintergrund Material und Geräte zu beschaffen ist derzeit eine Katastrophe“, berichtet Hackl. Bei Spanplatten hätten die Lieferanten statt früher drei Tage jetzt 23 Wochen Lieferzeit. Es gibt extreme Lieferengpässe bei Kühlgeräten und Geschirrspülern. Deswegen suche man ein großes Grundstück für ein zusätzliches Lager, „wo wir mehr Ware einbunkern können“.

Gemeinsame Strategiereise nach Ibiza mit 60 Mitarbeitern

Was der Seniorchef seiner Tochter mitgeben will? „Den Kunden und Mitarbeitern gut zuhören – aber nicht alles glauben. Und Führen nach Zahlen.“ Gute Leistung wird belohnt. Gerade sind Hackl und seine Tochter aus Ibiza zurück: Mit 60 Mitarbeitern verbrachten sie dort fünf Tage auf Firmenkosten, um „uns auf die Zukunft vorzubereiten“. Jedes Jahr wird eine Umsatz-Zielvorgabe gemacht, wird die erreicht, lädt HAKA alle in diesem Zeitraum beteiligten Mitarbeiter auf einen Kurztrip ein.