Wertvolle Lehrlinge
Österreich bildet derzeit nur noch knapp 103.000 Lehrlinge aus – ein historischer Tiefstand. Auch in der Steiermark ist die Zahl rückläufig: Gegenüber 2024 sank sie um 3,3 Prozent auf 14.442. Hauptgrund ist die Demografie: Seit 1980 gibt es rund 220.000 Jugendliche weniger im Land. Für Betriebe bedeutet das spürbar weniger Bewerbungen, wodurch es zur regelrechten Herausforderung wird, offene Lehrstellen zu besetzen.
AMS-Daten untermauern diesen Trend: Ende Jänner 2026 standen österreichweit 17.564 offene Lehrstellen nur 13.507 aktiv Suchenden gegenüber. Gleichzeitig steigt der zeitliche, personelle und auch finanzielle Aufwand für Unternehmen deutlich. Ein Lehrling verursacht im ersten Jahr Kosten von rund 32.000 Euro, im zweiten 33.800, im dritten knapp 44.500 und im vierten etwa 23.400 Euro. Zudem weist das durchschnittliche Lehrlingseinkommen allein im ersten Lehrjahr zwischen 2015 und 2024 einen Anstieg von 97 Prozent auf.
Die Lehre wird dadurch zwar attraktiver, zugleich wachsen aber die finanziellen Belastungen für die Ausbilder. Neben Löhnen und Lohnnebenkosten fallen auch Ausgaben für Betreuung, Ausbilderstunden, Maschinen, Material, Kurse und die Organisation an.
Jeder Euro, den die Politik in die Ausbildung unserer Lehrlinge investiert, sichert die wirtschaftliche Zukunft unseres Standorts.
Nachwuchsförderung
Trotz dieser Größenordnungen investieren Unternehmen weiterhin massiv in den Nachwuchs: Insgesamt flossen zuletzt rund drei Milliarden Euro in die Lehrlingsausbildung, was den Stellenwert der Lehre für die Fachkräftesicherung unterstreicht. Klein- und Mittelbetriebe treffen diese Kosten besonders hart. Über zwei Drittel der Ausbildungsbetriebe beschäftigen daher nur ein oder zwei Lehrlinge, wodurch vor allem im ländlichen Raum wertvolle Ausbildungsplätze verloren gingen.
Staatliche Förderungen sollen diesbezüglich Entlastung bringen, sind jedoch seit 2023 gedeckelt – trotz steigender Kosten durch Inflation und Entgeltanpassungen. Angesichts angespannter Budgets stehen nun sogar Kürzungen im Raum. Für den Unternehmer Josef Herk ist das ein falsches Signal: „Die Lehrlingsausbildung ist kein Kostenfaktor, sondern die beste Investition in unseren Standort“, warnt er und ergänzt: „Wer heute spart, zahlt morgen doppelt – mit Fachkräftemangel, weniger Wachstum und verlorenen Chancen für junge Menschen.“
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