Direkt zum Inhalt
Schriftzug auf einem Polizeiauto
Prozess am Wiener Landesgericht.
Prozess am Wiener Landesgericht.
iStock.com/EKH-Pictures

Spielplatz: 18-Jähriger versuchte Bub (8) zu vergewaltigen

22.03.2024 um 08:47, Simone Reitmeier & APA, Red
min read
Der 18-Jährige mit offensichtlicher Intelligenzminderung wurde rechtskräftig zu acht Monaten bedingt und einer unbedingten Geldstrafe von 480 Euro verurteilt.

Am Wiener Landesgericht ist am Donnerstag ein 18-Jähriger wegen versuchter Vergewaltigung und versuchten schweren sexuellen Missbrauchs eines Achtjährigen verurteilt worden.

In Gebüsch gezerrt

Er hatte am 9. Mai 2023 – er war damals noch 17 – den Buben bei einem Spielplatz in Missbrauchsabsicht in ein Gebüsch gezerrt. Der Bub boxte ihm in den Bauch und konnte davonlaufen. Der bisher Unbescholtene erhielt rechtskräftig acht Monate bedingt und eine unbedingte Geldstrafe von 480 Euro.

Offensichtliche Intelligenzminderung

Die Verhandlung war insofern außergewöhnlich, als für Prozessbeobachter eine signifikante Intelligenzminderung des Angeklagten offensichtlich war. Er hat seit seinem 18. Lebensjahr einen Erwachsenenvertreter – seinen Vater. In dessen Begleitung ist er auch zur Verhandlung erschienen, konnte selbst einfache Fragen der Richterin nicht beantworten, zappelte auf dem Anklagestuhl und wirkte teilweise geistig abwesend. Ein im Vorfeld eingeholtes psychiatrisches Gutachten hatte ihm aber Zurechnungsfähigkeit und damit Schuldfähigkeit bescheinigt. Der Sachverständige ortete eine lediglich leichte bis mittelgradige Intelligenzminderung. Der 18-Jährige leide an ADHS und weise zwar kognitive Defizite auf, die ihm eine differenzierte schulische bzw. Berufsausbildung verwehrt hätten, befand der Experte. Er habe aber "ein rudimentäres Verständnis von Sexualität", seine dahin gehende Steuerungsfähigkeit sei "herabgemindert", aber nicht aufgehoben. Bei der Verhandlung war der Sachverständige nicht anwesend.

Bub (8) sagte per Video aus

Der Achtjährige war von der Richterin nicht geladen worden. Der Bub war im Ermittlungsverfahren kontradiktorisch vernommen worden, was ihm einen Auftritt bei Gericht ersparte. Seine auf Video aufgezeichnete Aussage wurde im Verhandlungssaal abgespielt, die Öffentlichkeit wurde währenddessen vom Verfahren ausgeschlossen.

Symbolisches Schmerzengeld

Der Übergriff hatte sich am Vogelweidpark in Wien-Rudolfsheim-Fünfhaus abgespielt. Laut Anklage hatte der 18-Jährige den Buben, der mit seiner Mutter am Spielplatz war, plötzlich gepackt und weggezerrt, wobei er ihm den Mund zuhielt. Dank der heftigen Gegenwehr des Achtjährigen gelang es dem Angreifer nicht, sein Vorhaben in die Tat umzusetzen. Der Betroffene bzw. dessen Eltern hatten sich dem Verfahren als Privatbeteiligte angeschlossen. Sie bekamen ein symbolisches Schmerzengeld von 500 Euro zugesprochen, das der Vater des Angeklagten anerkannte, nachdem der Verteidiger mit ihm diesbezüglich vor dem Gerichtssaal mehrere Minuten gesprochen hatte.

more