Defregger-Ausstellung im Ferdinandeum in Innsbruck

Konservative verehrten ihn, die Avantgarde lehnte ihn ab, Hitler sammelte seine Werke – Franz von Defreggers Schaffen polarisiert bis heute. Der in Osttirol geborene Franz von Defregger (1835 – 1921) gehörte als einer der „Münchner Malerfürsten“ zu den erfolgreichsten Kunstschaffenden um 1900. Heute ist seine öffentliche Wahrnehmung unterschiedlich: Während seine Kunst in Österreich, in Bayern und vor allem in Tirol populär ist und immer noch identitätsstiftend wirkt, ist er international dem breiten Publikum kaum mehr bekannt und wird vom Kunstgeschichtsbetrieb seit Jahrzehnten nahezu ignoriert. Die Sonderausstellung im Ferdinandeum bewertet sein Schaffen neu: zwischen Moderne und Tradition, Identität und Image, Mythos und Missbrauch.

In den 1870er- und 1880er-Jahren war Defregger einer der Superstars unter deutschsprachigen Kunstschaffenden – seine Themen wie der Tiroler Freiheitskampf, mythenhafte Helden und liebliche Dirndln an stolzen Bauersfrauen wurden als fortschrittlich angesehen. Das änderte sich jedoch in den Jahren nach 1900, als seine Kunst zunehmend als zu akademisch-konservativ und bieder-reaktionär galt. Die ewig gleichen Motive aus dem bäuerlich-alpinen Milieu führten dazu, dass seine Werke noch vor dem Ersten Weltkrieg wieder aus dem Kunstkanon verschwanden. Defregger war immer mehr als gefälliger „Bauernmaler“ verschrien. 

Die Ausstellung führt erstmals seit Jahrzehnten viele der bekannten Hauptwerke aus Europa und den USA zusammen, setzt sie in Beziehung zur Moderne und verdeutlicht damit, wie innovativ viele von Defreggers Werken sind. Außerdem wird die politische Aufladung seiner Historiengemälde und deren posthume missbräuchliche Rezeption im Nationalsozialismus thematisiert, ebenso der Blick des Städters auf die ländliche Lebensweise, Tracht und Architektur.

Der „unbekannte“ Defregger

Im Mittelpunkt stehen weiters Werke des „unbekannten Defreggers“, die sich größtenteils noch immer in Familienbesitz befinden. Darunter finden sich zum Beispiel Aktdarstellungen, die in ihrer Freizügigkeit und Erotik verblüffen, oder Bildnisse von Menschen aus anderen Kulturen, die mit großer Detailgenauigkeit und hoher Sensibilität gemalt sind. 

Die Ausstellung ist bis 11. April 2021 im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum in Innsbruck zu sehen. 
www.tiroler-landesmuseen.at 

Autor: Manuela Fritz, 18.12.2020