Kommentar: Sucharit Bhakdis gefährlicher Trotz

Es kann mich niemand daran hindern, jeden Tag klüger zu werden. Um schon morgens an die eigenen Entwicklungsmöglichkeiten erinnert zu werden, sollte dieses Konrad Adenauer-Zitat in jeden Badezimmerspiegel eingraviert werden. Bei mir zu Hause klebt seit Kurzem zumindest ein Post-it daran. Ich gehöre nämlich auch zu jenen, die im Sommer begannen, an der Richtigkeit der Corona-Maßnahmen und an der Gefährlichkeit des Virus an sich zu zweifeln. Mein Meinungsschwenk ist wohl der „harmlosen“ ersten Welle im Frühjahr geschuldet, die weder die uns versprochenen tausenden von Toten brachte, noch die befürchteten überfüllten Intensivstationen. Die Zahlen der letzten Wochen haben mich jedoch im Sinne Adenauers klüger werden lassen. Man kann über die Maskenpflicht, den PCR-Test oder die Teststrategie trefflich streiten und vielleicht auch unterschiedliche Ansätze haben. Bei den dramatisch steigenden Zahlen in den Spitälern, auf den Intensivstation und letztlich bei den Toten gibt es allerdings keine zwei Meinungen.

Verbohrt

Nicht klüger zu werden, scheint Sucharit Bhakdi. Der Held der alternativen Medien und Meinungen wird nicht müde, Corona weiterhin mit einer Grippe zu vergleichen. Da fragt man sich, wie es möglich ist, dass ein Wissenschaftler gegenüber Fakten derart resistent sein kann? Hat sich der Mann so tief in seine eigenen Meinungen verbohrt, dass er die andere Seite nicht mehr hört? Es ist das Wesen einer offenen Gesellschaft, dass auch solche Leute Gehör finden. Das ist gut und richtig. Allerdings konterkarriert Sucharit Bhakdi die getroffenen Corona-Maßnahmen. Und das ist gefährlich, in diesem Fall sogar lebensgefährlich.

Autor: Robert Eichenauer, 10.11.2020