Kommentar: Die späte Rache des Herbert K.

Und das nur wegen Haalands lächerlicher Behauptung, Keane sei ein Simulant. Rache ist nicht nur süß, sondern vor allem ein starkes Gefühl, eines, das manchmal viele Jahre in der Psyche des Rachsüchtigen vor sich hin brodelt. Aber nie in Vergessenheit gerät. Auch bei Herbert Kickl scheint diese Rachsucht im Kampf gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung ein wesentlicher Antrieb zu sein. Rache zu üben an einem, der ihn vor zwei Jahren aus dem Amt getrieben hat, an einem, der die glorreiche Amtszeit des größten Innenministers aller Zeiten beendete. Jetzt scheint die Stunde des Gedemütigten gekommen. Voll Inbrunst steht der FPÖ-Klubobmann vor einem armseligen Haufen Demonstranten und skandiert genüsslich „Kurz muss weg“ ins Mikrofon. Was für eine Genugtuung für die Schmach, dass Sebastian Kurz die Koalition nicht wegen Heinz Christian Strache, sondern wegen ihm, Herbert Kickl, beendet hat.

Karma ist ein Schwein

Die Beweggründe für den Bruch zwischen Kurz und Kickl mögen aus der Sicht des Kanzlers durchaus nachvollziehbar sein. Sebastian Kurz war jedoch nicht bewusst, wie tief er den ehe- maligen Pferdeflüsterer, dem es auch völlig egal ist, dass er mit seinem Rachefeldzug gesundheitliche Kollateralschäden anrichtet, getroffen hatte. Nun geht es darum, es diesem Kurz heimzu- zahlen. „Nimm das, du Schwein“, schrie Keane dem am Boden liegenden Haa- land ins schmerzverzerrte Gesicht. Kickl mag sich wohl ähnliches denken.

Autor: Robert Eichenauer, 10.03.2021