Gefährliche Impfgegner

Seit mehr als einem halben Jahr hält Covid-19 die Welt in Atem. Gerade in den letzten Wochen sind wir wieder mit stark steigenden Infektionszahlen konfrontiert. In der Bevölkerung macht sich neuerdings jedoch so etwas wie passiv-agressiver Widerstand breit. Dieser wirkt sich auch auf die Impfbereitschaft aus. Dabei scheint die Entwicklung eines Impfstoffes die größte Chance zu sein, das Virus in den Griff zu bekommen.

Sinkende Zahlen

Dieser Trend lässt sich an einer großen Studie, die in Europa durchgeführt wurde, ablesen. Während sich im April noch 74 Prozent der Europäer gegen Covid-19 impfen lassen wollten, waren es im Juni nur noch 68 Prozent – Tendenz sinkend. Herwig Lindner, Ärztekammerpräsident der Steiermark, führt diese Entwicklung auf „absurde Verschwörungstheorien“, die durch soziale Medien aber auch in klassischen Medien große Verbreitung fänden, zurück.

Intensive Testung

In erster Linie haben die Menschen Angst, dass aufgrund der verkürzten Entwicklungszeit des Impfstoffes dieser nicht ausgereift sein könnte. Diese Bedenken zerstreut der Ärztekammerpräsident: „Wenn eine Covid-19-Impfung in Europa zugelassen wird, dann wird sie vorher intensiv getestet. Man kann also sicher sein, dass sie nützt und schützt.“ Es sei für ihn auch nicht nachvollziehbar, das die Menschen vor gefährlichen Krankheiten oft weniger Angst hätten, als vor Impfungen. Das sei auch ein Wohlstandsphänomen.

Herwig Lindner

Geringe Imfpschäden

Ein Blick auf die Statistik zeigt, wie sicher Impfungen in den letzten Jahrzehnten geworden sind. So traten in der Steiermark in den letzten drei Jahrzehnten kaum Impfschäden auf. In den Jahren zwischen 1990 und 2018 wurden lediglich 19 anerkannte Fälle registriert, 13 davon betraf die Tuberkulose-Impfung, die schon lange nicht mehr empfohlen wird. Impfschäden spielen also schon längst keine Rolle mehr – das seien eher Phantomängste, betont der Ärztekammerpräsident.

Impfgespräch

Lindner fordert daher, so wie auch viele andere Fachleute, ein fixes ärztliches Impfgespräch zumindest im Mutter-Kind-Pass ein. Denn nur Ärzte können die diffusen Ängste bei den Menschen zerstreuen und damit Vertrauen zum Impfen schaffen. Die Frage, ob er sich gegen Covid-19 impfen lassen würde, bejaht Lindner: Impfen ist für mich eine Selbstverständlichkeit. Ich will mich und meine Patienten vor Ansteckung schützen.“

Autor: Robert Eichenauer , 05.10.2020