Andreas Gabalier: „Würde gewisse Dinge anders sagen!"

Es ist der Dienstag nach dem verheerenden Anschlag in Wien. Ich habe mit Andreas Gabalier just an diesem Tag ein telefonisches Interview vereinbart. „Das ist fürchterlich, was da gestern passiert ist“, sind des Volks-Rock‘n‘ Rollers erste Worte. Dann folgt ein quälendes Schweigen. Ich weiß nicht, wie ich das Interview beginnen soll und bin erleichtert als er schließlich sagt: „Okay, gemmas an.“

Weekend: Red ma lieber über etwas Erfreuliches. Am 20. November erscheint dein sehnsüchtig erwartetes Weihnachtsalbum. Was kannst du uns vorab darüber sagen?
Andreas Gabalier: Für mich war Weihnachten immer die Belohnung nach einem turbulenten Jahr. Es ist so das ,Nachhause-Kommen‘. Daher haben wir die Platte auch mit „Driving home for Christmas“ eröffnet. Zu Weihnachten klinke ich mich immer für ein paar Wochen aus, lasse das Jahr Revue passieren.

Weekend: Tradition hat ja auch schon, dass du deine Alben in Nashville aufnimmst...
Andreas Gabalier: Ja, das war ziemlich genau vor einem Jahr. Ich mach das eigentlich seit 2013 immer so, weil ich dort Ruhe habe und der nebligen trüben Zeit bei uns für ein paar Wochen entfliehen kann. Da kennt mich niemand und ich kann ohne Trubel Essen gehen oder auf ein Bier. Wir haben aber in Nashville nur das Rohmaterial aufgenommen und das Album dann im Sommer bei uns fertig produziert.

Weekend: Wie schwer ist es im Sommer bei 30 Grad Weihnachtslieder zu singen?
Andreas Gabalier: Wir haben uns eher die Regentage ausgesucht, dann haben wir die Klimaanlage noch ordentlich hinunter gedreht und die Lichterketten eingeschaltet. Dann ist es eh schon fast wie im Dezember (lacht).

Weekend: Passend zum Album gibt es am 5. Dezember im ORF eine Weihnachtsshow mit Andreas Gabalier...
Andreas Gabalier: Genau. Das ist ein Christmas-Special. Wir werden dort die 15 Weihnachslieder spielen, so wie wir es schon bei ,Unplugged‘ gemacht haben und dazwischen moderiere ich.

Weekend: Du bist seit mehr als 10 Jahren eine Erfolgsmaschine. Spürst du da manchmal so etwas wie Erfolgsdruck?
Andreas Gabalier: Nein, das kenne ich so nicht. Ich habe einfach immer nur mein Ding gemacht. Wir machen uns im Studio eine Gaudi und haben eine schöne Zeit. Mein Credo war immer: Wenn es uns gefällt, dann wird es den Leuten auch gefallen.

Weekend: Du hast nie Angst gehabt, dass das Olympiastadion mal nicht ausverkauft ist?
Andreas Gabalier: Nein. Vielleicht liegt es daran, dass ich ein Quereinsteiger bin. Die Musik war ja nicht mehr als ein kleines Hobby, wenn ich nicht lernen wollte (lacht). Freilich, als das ganze immer größer geworden ist, kommt man schon ein wenig in diesen Strudel hinein, da kommt dann schon mehr Druck. Aber psychisch belastet hat mich das nie.

Weekend: Deine Karriere ist also eher zufällig passiert. Kann es sein, dass auch noch eine andere Karriere „zufällig“ passiert?
Andreas Gabalier: (schmunzelt) Ja, das kann zufällig passieren.

Weekend: Hast du da schon eine konkrete Vorstellung?
Andreas Gabalier: (schmunzelt weiter) Ja, die habe ich schon. Darüber will ich aber noch nicht reden.

Weekend: Mir fällt da spontan ein berühmtes Vorbild von dir ein: Elvis Presley. Der hat ja auch als Musiker begonnen und ist dann ins Schauspielfach gewechselt. Würde dich die Schauspielerei reizen?
Andreas Gabalier: (deutlicheres Schmunzeln) Das wäre sicherlich ein spannendes Projekt. Es ist so, dass ich musikalisch alles erreicht habe, da bin ich am Zenit. Mehr geht einfach nicht.

Weekend: Englisch singen und den internationalen Markt erobern ist kein Ziel?
Andreas Gabalier: Nein, das ist keine Option. Da musst du nach Amerika, dort auf Tour gehen. Das würde meine Lebensqualität massiv beeinträchtigen.

Mein Credo war immer: Wenn es uns gefällt, wird es den Leuten auch gefallen.

Weekend: Im April hast du gemeint, dass die Corona-Krise auch viel Positives habe. Siehst du das heute auch noch so?
Andreas Gabalier: Nein, das sehe ich heute anders. Es gibt durch die einseitige Berichterstattung leider sehr viel Missgunst. Dass sich Nachbarn gegenseitig anzeigen sollen, finde ich sehr traurig.

Weekend: In welche Richtung ist die Berichterstattung einseitig?
Andreas Gabalier: Man hört von den wenigsten Medien mal eine andere Meinung zu dem Thema. Es gibt auch nur noch Corona, keine anderen Krankheiten.

Weekend: Hältst du das Virus für weniger gefährlich als es dargestellt wird?
Andreas Gabalier: Ich kann nicht beurteilen, wie gefährlich das Virus ist. Ob die Impfung eine Lösung bringt, weiß ich nicht.

Weekend: Wirst du dich impfen lassen?
Andreas Gabalier: Nein.

Weekend: Weil du dich generell nicht impfen lässt?
Andreas Gabalier: Ich glaube, dass man uns als Kind viel zu viel hineingespritzt hat. Das weiß man ja heute. Vom Hausverstand her glaube ich, dass ein Medikament, das bei schweren Verläufen hilft, besser wäre.

Zum Thema Corona hört man von den wenigsten eine andere Meinung.

Weekend: Hast du das Gefühl, dass unsere Gesellschaft generell zu viel Angst hat?
Andreas Gabalier: Ja. Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben.

Weekend: Du hast auch gesagt, die Politik sei wieder mehr in die Mitte gerückt. Wo liegt für dich die Mitte?
Andreas Gabalier: Ich habe damit gemeint, dass die einzelnen Parteien wieder mehr aufeinander zugegangen sind, es eine Art Schulterschluss gegeben hat. Das ist jetzt wieder vorbei. Das Gegeneinander, die Polarisierung steht leider wieder im Vordergrund.

Weekend: Du bist aber auch jemand, der in der Vergangenheit polarisiert hat...
Andreas Gabalier: Das wollte ich eigentlich nie. Mir hat das oft ein bisschen weh getan. Das war immer, wenn man so will, ein kleiner Schattenpunkt in meiner Karriere. Es hat mit der Bundeshymne angefangen, wo ich dann als frauenfeindlich galt.

Weekend: ...würdest du heute die Bundeshymne anders singen?
Andreas Gabalier: Ich glaube nicht, weil ich mir denke, es verändert sich eh so viel zum Negativen und man muss nicht alles krampfhaft schlecht reden. Ich würde es auch nicht wollen, dass aus einer vermeintlichen Political Correctness heraus meine Texte verändert werden.

Weekend: Würdest du manche Dinge heute anders sagen?
Andreas Gabalier: Ja, sicher. Das ist ein gewisser Reifeprozess. Andererseits soll man schon auch für etwas stehen. Ich bin halt der Volks-Rock‘n‘Roller und stehe für Tradition. Das muss man nicht immer schlecht reden.

Weekend: Erzeugt Erfolg automatisch auch Neid?
Andreas Gabalier: Klar. Begonnen hat das ja erst als die Stadien voll waren. Plötzlich war jeder Satz, der von mir gekommen ist, Zündstoff. Wenn diese Aussagen von jemandem kommen würden, der nicht jedes Wochenende vor vollen Stadien spielt, wäre die mediale Aufregung ausgeblieben. Aber seit zwei, drei Jahren hat sich das eh gelegt.

Weekend: Zum Schluss noch eine Frage, die vor allem deine weiblichen Fans interessieren wird: Mit wem hat Andreas Gabalier in der Corona-Zeit gekuschelt?
Andreas Gabalier: (lacht) Ich wünsche dir noch einen schönen Tag.

Ich habe musikalisch alles erreicht, ich bin am Zenit. Mehr geht nicht mehr.

Autor: Robert Eichenauer, 30.11.2020