Aufs Kraut gekommen: Räuchern für Anfänger

Für viele Salzburger Familien gehört es zu Weihnachten wie Kekse, Punsch und Geschenke: Das Räuchern oder „Rauchengehen“, wie es im Volksmund gerne bezeichnet wird. Mit Räucherschale samt Glut, Kräutern und Harzen werden dabei in den Raunächten alle Räumlichkeiten „ausgeräuchert“. Das soll der Legende nach Haus, Mensch und Tier vor Unheil bewahren und böse Geister vertreiben. In jüngster Zeit erlebt die Kräuterkunde und somit auch das Räuchern eine Renaissance. Immer mehr Menschen finden an diesem Ritual Gefallen. Ein neuartiger Kult ist es aber nicht. Egal ob im Orient, alten Ägypten oder antiken Rom: Kräuter und Harze werden seit Jahrtausenden verglüht – es dürfte eine der ältesten rituellen Praktiken der Menschheit sein.

Finstere Zeit

Der Ursprung des weihnachtlichen Brauchtums geht auf den heidnischen Volksglauben rund um die mystischen Raunächte zurück. Diese fallen allesamt in die sogenannte „Zwölftenzeit“, zwischen der Wintersonnenwende (21. Dezember) und dem Dreikönigstag (6. Jänner). Was sind die „Zwölften“? Die Länge eines Jahres las man vom Stand der Sonne ab, die Monate hingegen von den Mondzyklen. Ein Sonnenjahr dauert somit 365 Tage, ein Mondjahr aber nur 354. Daraus ergeben sich zwölf Tage (der Ausgangstag wird mitgezählt), die aus dem Kalender fallen. Seit jeher ist diese finstere Zeit eine Periode, die Menschen in Angst und Schrecken versetzt. Und damit den Glauben an das Übersinnliche bestärkt. Im Volksglauben ziehen in diesen Nächten verdammte und verfluchte Gestalten durch die Lüfte, vor denen es sich zu schützen gilt. Als bewährte Methode etablierte sich das „Ausräuchern“. Der Rauch sollte schützen, reinigen und desinfizieren – auch die Pest versuchte man mit Räucherharzen einzudämmen. Geblieben sind vier Hauptraunächte: Thomasnacht (21. Dez.), Heilig Abend (24. Dez.), Silvester (31. Jan.) und die Dreikönigsnacht (5. Jan.).

Weißer Salbei | Credit: iStock.com/fotomem

Kraft tanken

Mittlerweile wird nicht nur in den Raunächten, sondern das ganze Jahr über fleißig geräuchert – um für eine angenehme Atmosphäre und positive Energie zu sorgen. In Wohn- und Arbeitsräumen gehen täglich viele Menschen ein und aus, es wird kommuniziert, gearbeitet und diskutiert. Jeder hinterlässt dabei verschiedene Schwingungen und einen persönlichen Energieabdruck. Dabei kann es vorkommen, dass sich negative Energie in Räumlichkeiten festsetzt. „Räuchern hilft dabei, zu reinigen, desinfizieren, loszulassen sowie positive Energie freizusetzen“, erklärt Claudia Dirnberger, TEH-Praktikerin von Thurerhofs Kräuterwelt in Seeham. Kurzum: Man schafft damit ein angenehmes, positives Raumklima. Angewendet wird das Ritual z. B. bei Umzügen, Umbauten, Trennungen, Krankheiten und Konflikten. Aber auch in Vorbereitung auf fröhliche Anlässe, wie zum Bespiel Familienzuwachs und Feste.

Richtig räuchern

„Eine allgemeingültige Anleitung gibt es nicht“, erklärt Claudia Dirnberger. „Das ist eine Sache des Gefühls und der Tradition. In meiner Familie holt man seit jeher die Glut aus dem Ofen, streut die Kräuter darauf und beginnt direkt dort mit dem Ausräuchern. Danach lasse ich mich von meinem Bauchgefühl leiten. Der Rauch zieht dorthin, wo er hin muss.“ Das gilt auch für die Frage, wie oft man Räuchern sollte. Gab es in bestimmten Räumen häufig dicke Luft und hat man das Bedürfnis nach Reinigung, sollte man einen Durchgang starten. „Wichtig ist, dass in den Raunächten alle Räumlichkeiten ausgeräuchert werden. Das restliche Jahr über genügt es, sich auf die Mittelpunkte des Familienlebens zu konzentrieren. Üblicherweise sind das Küche und Wohnzimmer“, erklärt Dirnberger. Bei Bedarf kann der Räuchervorgang nach zwei bis drei Wochen wiederholt werden.

Räuchern | Credit: iStock.com/Patrick Daxenbichler

Energetisch

Grundsätzlich werden zwei Arten des Räucherns unterschieden: mit oder ohne Rauch. Möchte man einen angenehmen Duft oder eine entspannte Raumatmosphäre schaffen, genügt es, mit Stövchen und Teelicht oder Kräuterbüschchen zu räuchern. „Für das rituelle und reinigende Ausräuchern ist allerdings Rauch notwendig. Das heißt, man braucht zusätzlich Glut aus dem Ofen oder Räucherkohle“, erläutert Kräuterexpertin Claudia Dirnberger. Bei der Wahl der Kräuter und Harze ist deren Wirkung zu beachten. So soll zum Beispiel Wacholder gegen Gliederschmerzen helfen, Alantwurzel wirkt stimmungsaufhellend und Beifuß unterstützt beim Loslassen nach einer Trennung oder einem Sterbefall. Kann man beim Räuchern eigentlich etwas falsch machen? „Nein, im Grunde nicht. Nur mit psychoaktiven Kräutern wie Pilsenkraut, Allraune und Mohn sollte man vorsichtig umgehen“, warnt Dirnberger und fügt mit einem Grinsen hinzu: „Vielleicht wurden diese Kräuter früher stärker verwendet. Das würde erklären, warum man Tiere in den Raunächten sprechen hörte.“

Räucheranleitung

Material: Räucherpfanne, Räucherzange, Räucherfeder, Holzstäbchen, Kohle, Kräuter, Harze

So geht’s:

  1. Alle Fenster und Türen nach draußen schließen.
  2. Räucherkohle anzünden oder Glut aus dem Ofen holen und mit einer Räucherzange in die Schale geben.
  3. Warten, bis sich auf der Kohle eine Ascheschicht bildet. Das kann 10 bis 15 Minuten dauern und verhindert, dass die Kräuter verbrennen.
  4. Kräuter und/oder Harze direkt auf die Kohle streuen.
  5. Mit der Räucherpfanne und einer Räucherfeder langsam und bewusst von Raum zu Raum gehen.
  6. Wenn Kräuter und Harze verkohlt sind, mit einem Holzstäbchen entfernen und neu drauf streuen.
  7. Nach dem Rauchengehen alle Fenster öffnen und kräftig lüften, damit die Energie nach draußen gelangt. Unterstützend wirkt die Räucherfeder.

Achtung: Nicht vergessen, alle Rauchmelder zu deaktivieren!

Brauchtum Räuchern | Credit: www.neumayr.cc

Kleine Kräuterfibel

Wacholder desinfizierend, hilft gegen Gliederschmerzen
Alantwurzel stimmungsaufhellend
Beifuß hilft loszulassen, reinigend
Königskerze baut Spannungen ab, z. B. nach einem Streit
Salbei reinigend, klärend, konzentrationsfördernd
Rosmarin stärkt den Willen und reinigt
Lavendel ausgleichend, stresslindernd, reinigend
Mädesüß hilft, Erlebnisse zu verarbeiten und stärkt für einen Neuanfang
Eisenkraut Ich-stärkend, verleiht innere Ruhe
Berufkraut hilft bei Mobbing & Neid
Quendel verleiht Mut und Durchhaltevermögen
Weide löst seelische Blockaden
Weihrauch bei rheumatischen Problemen, entzündungshemmend
Fichtenharz stark kräftigend, reinigend, keimtötend
Kiefernharz reinigend, desinfizierend, aufbauend
Wacholder, Thymian & Engelwurzel für positive Energie

Autor: Simone Reitmeier, 15.12.2020