Weekend Wahlspaziergang mit H.C. Strache

Heinz-Christian Strache will Wiener Bürgermeister werden. Mithilfe von Ursula Stenzel möchte er ÖVP-Wähler für sich gewinnen, mit heftiger Kritik an Rot-Grün und einem harten Kurs in Sachen Flüchtlingen spricht er die Kernklientel der FPÖ an.

Brigitte Biedermann und Heinz-Christian Strache - Cover
Weekend-Chefredakteurin Brigitte Biedermann und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache. Foto: Katharina Stögmüller

Weekend: Auf Ihren Plakaten werben Sie mit der Oktober-Revolu­tion. Wie soll die aussehen?

Heinz-Christian Strache: In Wien hat es 1848 einen Oktober-Aufstand gegeben, bei dem die Bürger gemeinsam für Freiheit und Bürgerrechte gekämpft haben. Wir wollen am 11. Oktober eine fried­liche Revolution in der Wahlzelle sicherstellen, um dieses Rot-Grüne System und die absolutistische SPÖ-Herrschaft gemeinsam mit der Wiener Bevölkerung endlich zu durchbrechen.

Weekend: Was sind Ihre ­größten Kritik-Punkte an Rot-Grün?

Heinz-Christian Strache: Da könnte ich Ihnen in Endlosschleife berichten. Wir haben zum einen eine sehr abgehobene, präpotente Regierung, die die Stadt als ihr Eigentum betrachtet. Wir haben eine Verschuldung, die sich unter Rot-Grün fast verdoppelt hat. Gleichzeitig hat man die Bürger mit so hohen Abgaben wie nie belastet. Wir haben Rekordarbeitslosigkeit, die wir auch der wirtschaftsfeindlichen Stadtregierung zu verdanken haben. Zusätzlich fehlen 1.000 Polizisten. Das alles hat Häupl verabsäumt.

Weekend: Würden Sie denn das Amt des Wiener Bürgermeisters annehmen und sich aus dem Bund zurückziehen?

Heinz-Christian Strache: Ich trete als Bürgermeisterkandidat an und bin bereit, diese Verantwortung anzunehmen.

Weekend: Wer soll dann Kanzler werden?

Heinz-Christian Strache: Diese Entscheidung wird 2018 ­getroffen. Wien kann das ­Modell für ganz Österreich werden. Wir zeigen einmal in Wien, wie eine gerechte und bessere Politik aussieht.

Weekend: Mit wem wollen Sie zusammenarbeiten, wenn Sie wirklich stärkste Kraft werden sollten?

Heinz-Christian Strache: Wenn wir es schaffen und die Chance ist da, wird in der SPÖ kein Stein auf dem anderen bleiben. Somit wird auch diese undemokratische Ausgrenzung ein Ende haben. Ich werde der SPÖ dann die Hand reichen.

Weekend: Werden sich ehemalige ÖVP-Wähler von Stenzel überzeugen lassen?

Heinz-Christian Strache: Es geht ja nicht nur um die Person Ursula Stenzel. Die ÖVP ist in Wien nicht mehr ­existent und mein Angebot spricht die ehemaligen ÖVP-Wähler an. Wir stehen für bürgerliche Werte und ein christliches Abendland im Gegensatz zu Gender-Wahnsinn, Ampelpärchen und verhunzte Bundeshymne. In Wien gibt es viele enttäuschte Menschen, die keine politische Heimat haben – und wir sind die neue soziale Heimat- und Volkspartei.

Weekend: Den FPÖ-Anhängern der ersten Stunde ist der bürgerliche Kurs ein wenig zu weich. Eine Zwickmühle?

Heinz-Christian Strache: Nein, im Gegenteil. Die freuen sich über die Verstärkung und ­haben Frau Stenzel sehr herzlich aufgenommen. Die politischen Mitbewerber hat das ordentlich aus der Bahn geworfen.

Weekend: Wie sehen Sie die derzeitige Flüchtlingssitua­tion? Würden Sie die Grenzen dicht machen?

Heinz-Christian Strache: Mit dem Begriff Flüchtling wird großes Schindluder getrieben. Es gibt Menschen, die flüchten müssen, die brauchen auch unsere volle Hilfe und Schutz. Die zweite Gruppe sind Wirtschaftsflüchtlinge, die nur vorgeben, verfolgt zu werden. Das sollen zwei Drittel der momentanen Flüchtlinge sein. Es ist daher unverantwortlich, dass die EU hier so versagt. Es braucht Differenzierung und Grenzsicherung, sonst kippt das System. Man kann die Folgen noch gar nicht bemessen.

Weekend: Macht Sie die Hilfsbereitschaft auch ein wenig stolz?

Heinz-Christian Strache: Jede Hilfe macht mich stolz und ist gut. Jeder, der helfen will, ist willkommen. Aber ich kann dem Versagen des Herrn ­Faymann und der EU wirklich nicht applaudieren. 

Mehr zum Thema: